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"Der IT-Fachpersonal-Mangel ist eklatant"

Interview | Eva Zelechowski, 30. August 2011, 12:01
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    Thomas Priglinger: "Anders als immer wieder fälschlich berichtet, sucht bwin.party an allen Standorten IT-Personal."

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Bwin-IT-Chef Thomas Priglinger über die schwierige Suche nach IT-Personal - Technische Schulen produzieren zu wenig Abgänger

Der Online-Wettanbieter bwin.party kämpft mit eklatantem IT-Fachkräftemangel. Es gibt kaum Interessenten für die aktuell 30 ausgeschriebenen IT-Stellen. In einem Gespräch mit derStandard.at erklärt Thomas Priglinger, IT-Chef von bwin.party, wo die Ursachen liegen und wie eine potenzielle Lösung aussehen könnte.

derStandard.at: Wie steht es um das IT-Fachkräfte-Personal bei bwin.party?

Thomas Priglinger: Anders als immer wieder fälschlich berichtet, sucht bwin.party an allen Standorten IT-Personal. IT-Fachkräfte sind in Indien genau so begehrt wie in Österreich oder anderswo. Am Standort in Wien beschäftigen in allen Bereichen der Informationstechnologie rund 400 Spezialisten. Das ist knapp die Hälfte aller Mitarbeiter. Ein weiterer großer bwin.party-Standort ist in Hyderarbad in Indien, der mit der Fusion von bwin mit PartyGaming in das neue Unternehmen eingebracht wurde. Dort sind ebenfalls rund 400 Mitarbeiter in der IT beschäftigt. Ansonsten haben wir mehrere kleine Teams, auch bei Partnerunternehmen, weltweit verteilt, wie zum Beispiel in Bulgarien oder Rumänien. Im Großen und Ganzen haben wir große Schwierigkeiten, IT-Mitarbeiter zu lukrieren.

derStandard.at: Worin liegt Ihrer Meinung nach das Problem begründet, qualifizierte IT-Mitarbeiter zu finden?

Priglinger: Ich glaube, dass speziell in Österreich technische Berufe in der Ausbildung zu wenig forciert werden. Das hat sicher verschiedenste Gründe. Österreich oder besser gesagt Wien präsentiert sich zu wenig als IT-Produktionsstandort. Davon bin ich überzeugt. Es gibt kaum große Player, die, so wie wir, hunderte Entwickler beschäftigen. Es fehlt an schillernden Namen. Das Resultat: HTLs, Fachhochschulen und technische Universitäten produzieren zu wenig Abgänger. Zusätzlich ist der Frauenanteil leider sehr gering. Alle diese Probleme sind aber nicht neu, sondern verfolgen uns seit der mehr als zehnjährigen Geschichte unseres Unternehmens.

derStandard.at: Betrifft der Fachkräfte-Mangel eine Sparte mehr beziehungsweise eine andere weniger?

Priglinger: Wir konzentrieren uns auf den Bereich IT, dort sind wir Spezialisten und müssen feststellen, dass der Mangel eklatant ist. Ich befürchte aber, es betrifft alle Sparten: gut geschulte Fachkräfte sind leider rar geworden. Höchste Zeit, dass die Politik etwas tut.

derStandard.at: Zum Standort Wien: Welche Mitarbeiter werden hier am meisten gefordert? Und was müssen sie mitbringen?

Thomas Priglinger: Wir suchen in allen Bereichen, derzeit hauptsächlich Java- und .Net-Entwickler, Datenbankadministratoren sowie Tester. Wir betreiben eine der weltweit größten SQL-Server-Installationen der Welt und das auf einem Sicherheits- und Verfügbarkeitsniveau, das mit Banken zu vergleichen ist.  Eine hoch interessante Aufgabe für Menschen, die sich im Datenbankbereich positionieren wollen. In Sachen Software-Entwicklung betreibt bwin.party in Wien das Kompetenzzentrum für das Sportwettenprodukt, bekannt unter der Marke bwin, für User-Interface-Design und -Technologie sowie für neue Distributionskanäle, wie Smartphones, Tablets und andere Touch-Devices. Wir bieten ein interessantes, internationales Umfeld für Entwickler, die über den Tellerrand hinausschauen wollen, vernetzt denken und einen Sinn für Produkt-Design oder auch Marketing haben. Unsere Mitarbeiter müssen flexibel und "agil" arbeiten, da wir unsere Produkte ständig weiterentwickeln und sie den Anforderungen regulierter Märke flexibel und schnell anpassen müssen.

derStandard.at: Nun aus aktuellem Anlass eine andere Frage: In jüngster Zeit haben Hackergruppen zahlreiche Webseiten - unter anderem im Unternehmensbereich lahmgelegt. Wie sieht es da mit Erpressungsfällen bei Online-Wettanbietern aus? Ist bwin.party schon mal Opfer eines Hacker-Angriffs oder einer Erpressung geworden?

Priglinger: Natürlich haben auch wir massive Angriffe, wie DDoS-Attacken, erlebt. 2004 waren wir ein paar Stunden offline, nachdem es Angriffe auf alle großen Online-Gaming-Unternehmen in Europa gegeben hat. Damals haben wir mit allen nationalen und internationalen Behörden kooperiert. Daten wurden jedoch nie gestohlen. Deshalb gab es in diesem Zusammenhang auch keine Erpressungsversuche. Wir betreiben klassische E-Commerce-Portale, die höchste Sicherheit erfordern. Jede Transaktion muss bei uns sicher sein. Sollte Twitter einen Tweet oder Facebook einen Eintrag verlieren, ist das in keinem Fall so dramatisch. Unsere Sicherheitsstandards sind mit jenen von Banken vergleichbar.

derStandard.at: Wie können sich Online-Wettanbieter gegen derartige Übergriffe schützen?

Priglinger: Datensicherheit erfordert eine ganze Reihe an Maßnahmen, in die wir sehr viel investieren, um einerseits Normen und Standards zu entsprechen sowie neuesten Bedrohungen entgegentreten zu können. Da unterscheiden sich Online-Gaming-Anbieter nicht von anderen E-Commerce-Unternehmen. Um ein höchstes Maß an Datensicherheit zu gewährleisten, hat bwin.party ein mehrköpfiges Team mit hochkarätigen Spezialisten, die sich nur mit IT-Sicherheit und dazugehörigen Audits beschäftigt. (Eva Zelechowski, derStandard.at, 30. August 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 914
donnydarko
 
00
27.9.2011, 10:22

Also ich hab zwar nur Matura an einer IKT Htl gemacht aber das ich wirklich gefragt bin wär mir neu.
Sobald es nämlich ums wesentliche geht und zwar ist das leider das liebe Geld steigen alle aus.
Da braucht sich auch dann keiner wundern das ein Mangel besteht wenn ich in einem anderem Berufsfeld wesentlich besser bezahlt werde.

stuffy
00
23.9.2011, 11:18

Tja, vielleicht sollte sich bwin mal überlegen das nicht das "interessante Betätigungsfeld" ausschlaggebend sein kann - sondern vielleicht deren Unternehmenstätigkeit, oder das angebotene Salär.

Ich würde nicht für eine "Zockerbude" arbeiten wollen!

Der dicke Michl
010
Fachkräftemangel...

In der IT werden nicht nur in den Projekten vom Kunden, sondern auch vom Arbeitgeber zum Arbeitnehmer hin einen Haufen Dinge verlangt, die eigentlich nicht zusammenpassen: Wenig Geld, aber hohe Qualität. Schnell umgesetzt, aber fehlerfrei. Produktivitätssteigernd, aber kein Cent in Usability investiert. Und so weiter. Und das setzt sich beim Umgang mit dem Personal fort: Extreme Forderungen bei den Fähigkeiten (aka "bullshit bingo"), aber indische Gehaltsniveaus. Chinesische Arbeitsbedingungen, aber viel Gerede von "work-life-balance". Und so weiter. Es lassen sich halt nicht alle ständig belügen. Wenn dann mal die Supply Chain mit den jungen, unerfahrenen Leuten abreißt, dann schreien wieder alle "Fachkräftemangel"!

david crutton
00
Wieso...

...braucht ein Catering Unternehmen denn so viele ITler? Die sollten für Ihre Party-Service doch eher Köche und Servierpersonale anstellen! ;-)

been there, done that, got the (black) t-shirt!

PjotrV
00

Wenn man für bwin arbeitet, darf man ohnehin nicht damit aufhören, sonst besteht die Gefahr, dass man anfängt nachzudenken.

Mister Angry
00
Wenn ich einem Unternehmen

durch mein Know-How jährlich das doppelte bis dreifache einspare, als ich Gehalt bekomme, dann kann mich so eine Firma am A***** lecken.

Und net böse sein, ich bin jetzt seit 10 Jahren in der IT und habe ein ausserordentliches Know-How in meinen Spezialgebieten entwickelt. Das hat auch alles gekostet.

Ich brauch nur Rechnen: Was erspare ich dem Unternehmen + Was bringe ich dem Unternehmen. Diese Summer stelle ich anschließend meinem Gehalt über.

Wenn Ihnen wer € 65,00/Stunde (und da haben sie es schon gut erwischt) bietet und Sie wissen, dass Ihr Arbeitgeber Ihre Stunden für € 300,00 weiterverrechnet, bin ich dann geldgierig, wenn ich meinen Anteil verlange?

Bastian Balthasar Bux
01

ein guter sw-entwickler ohne projekt und teamverantwortung kostet die firma im monat etwa 4000,- reine lohnkosten (inkl. lohnnebenkosten, 13+14), das macht etwa €50 pro stunde aus (mit 5 wo urlaub + niedrig kalkulierten 2wo krankenstand pro jahr mit einkalkuliert), wenn sie in etwa kollektiv zahlen.
da haben sie noch keinen arbeitsplatz bezahlt, weiterbildung, infrastruktur, die ganze administration etc. wenn sie 65 euro pro stunde aufs konto kriegen schaut das nochmal ganz anders aus. da sind dann die 300 euro weiterverrechnung nimmer wirklich fett.
schliesslich gibt es ein unternehmerisches risiko, und es ist legitim dass eine firma an einem mitarbeiter auch ein bisserl was verdienen darf.

Dr.Student des Wurschtfachverkaufs
00
Komische Rechnung

Jemand, der 2600 Brutto verdient, kostet dem Unternehmen ca. 50 k im Jahr. Bei ca. 1600, 1700 Arbeitsstunden sind das ca. 30 € in der Stunde und nicht 50 €.

Weiterbildung? Haha, selten so gelacht. Eher die Ausnahme. Selbst ist der ITler.

Selbst wenn man die ganzen anderen Kosten anteilmäßig dazurechnet kommt man auf nicht mehr als ca. 50 € / Stunde bei diesem Verdienst.

300 € ist natürlich zu hoch angesetzt bei diesem Gehalt. Aber schon bei 80 - 100 € ist die Gewinnspanne auch net schlecht.

Bastian Balthasar Bux
00

und außerdem: die rechnung geht ausschiesslich dann auf, wenn der sw-entwickler 100% verrechenbare stunden arbeitet. auch das ein wunschtraum ;)

Bastian Balthasar Bux
00

ich rede ja auch vom _guten_ SW entwickler.
dass so einer nicht für 17k netto arbeiten geht ist aber schon klar?
1,9k bis 2,2k derf der dann schon verdienen, netto natürlich ;)

und viel mehr als 1600 arbeitsstunden im jahr dürfen sie rein kaufmännisch seriöserweise nicht rechnen. 2 wochen krankenstand pro mitarbeiter und jahr im schnitt sind rein kalkulativ schon eher gering angesetzt.

Mr. Smart
01

geldgierig sind sie nicht, nur punkto ihres betriebswissenschaftlichen wissens äusserst einfach gestrickt.

Mister Angry
01
Hmmm

und wahrscheinlich funktioniert auch genau deshalb meine Selbstständigkeit und vieles andere im Leben so gut. Weil ich mich stets geweigert habe, an betriebswirtschaftlichen Unsinn zu glauben.

Einiges im Leben ist dadurch schwieriger geworden, aber die Sicherheit im Leben haben bestimm nicht die BWLer...die Welt dreht sich anders, als stetiges Wachstum und Gewinnmaximierung...

Ich wünsche Ihnen Ihre betriebswirtschaftliche Verflechtung zu entwirren und das Wahre im Leben zu suchen...

1 besorgter Bürger
02
kann sich eigentlich jemand der für bwi.. arbeitet im spiegel anschaun ohne zu kotzen ?

wenn ja - auch ohne dröhnung ?

gratulation an den online standard - endlich einmal ein interview mit jemand kompetentem aus einer sypathischen branche

Gandalfino
00
Bei BWIN.PARTY sind sie wohl etwas verwirrt.

Die hatten das Personal. Gut ausgebildet, motiviert und erfahren. Aber man hat im Zuge der Mergerkonsolidierungen all die Leute gehen lassen (oder wegreorganisiert), die die Bwin Software und Infrastruktur die letzten Jahre aufgebaut haben. Jetzt fehlen die natürlich, wenn es um Weiterentwicklung und Betrieb geht.
Es gibt vernünfitges IT Personal, aber zur BWIN geht da wohl freiwillig keiner mehr - schon gar nicht bei den Gehältern und der Frage, ob Ende 2012 oder im Laufe des Jahres 2013 nicht sowieso Schluss für den Standort Wien ist. Eine Frage noch: Interessiert es die Politik eigentlich, dass 800 Arbeitsplätze mit einem Fingerschnippen in Richtung Indien und Gibraltar verschwinden?

daBart
00

Juckt die Politik nicht, weil es gibt ja einen Technikermangel. Die frei gewordenen bwin Arbeitskräfte werden "händeringend" von den anderen Top-Unternehmen benötigt.

bauchidgw
00
bwin hat zu viele

nicht zu wenig devs.

Mister Angry
01
interessant...

und kennst auch wen, derdie das bekommt ? ;-)

donnydarko
 
00
27.9.2011, 10:27

Wenn man überall 200-300 Euro abzieht kommt man hin denke ich ^^

Bastian Balthasar Bux
00

also 3420 brutto, das sind etwa 2100 netto.
bei über 8 jahren berufserfahrung im bereich entwicklung dezentraler softwarelösungen. naja. viel weniger kann man da glaub ich schon lt. kollektiv nimmer zahlen ...

the other side
01
31.8.2011, 21:23
If you pay peanuts you get monkeys

I würde niemanden raten IT- fachkraft zu werden. 4 stunden problemlösung sind in den augen mancher bei it-problemen weniger wert als 1h tischler oder mechaniker.

tock tock tock
00
31.8.2011, 18:27
In dem Zusammenhang ev. ganz interessant:

Ursachen für den Fachkräftemangel im Software- und IT-Bereich

http://www.der-softwareentwickler-blog.de/2011/08/2... t-bereich/

Zusammengefasst treten die meisten Probleme bei der Besetzung von Hochschulabsolventen auf.

Bei Stellen für Masterabsolventen bzw. Diplom-Informatikern haben 70 % der befragten Unternehmen Probleme. Aber auch bei der Suche nach promovierten Informatikern und Bachelorabsolventen der Informatik haben 48 % Schwierigkeiten.

Dem gegenüber wird das Finden Fachkräften mit IT-Ausbildungsberufen als unproblematisch angesehen.

und:
http://www.software-cluster.org/images/st... ierung.pdf

b_w
00
31.8.2011, 21:25

"Hierbei wurde mit 70 % am meisten der Punkt „Dem Bewerber fehlt die Kombination von IT-Wissen und Wirtschaftswissen“ genannt. Auf den zweiten Platz kommt dann die fehlende Gesamtqualifikation des Bewerbers (64 %), worauf mit 57 Prozent fehlendes IT-Spezialwissen sowie ebenfalls mit 57 Prozent fehlende IT-Praxiserfahrung folgt."

ich finde diese Sätze in diesem Zusammenhang auch noch ganz interessant ...

chelene chirsch
00

wenn man sich ansieht, was der apotheker bei HP anrichtet, ist es bei vielen IT-lern vielleicht wirklich besser so...

zum anderen ist es eine spannende henne-ei-situation: es wird nicht ausgebildet, schulungen werden generell nicht bezahlt, leute eher herausgeschmissen als e.g. bei leerläufen zu schulen oder fachwissen erarbeiten zu lassen...

... no na kommt da nichts raus.

b_w
01
31.8.2011, 18:14

zu den Gehaltskommentaren:
liegt das Problem nicht wo anders, und zwar bei der Einteilung/Zuteilung des Kollektivvertrages? Ein IT-ler in der Metallerbranche verdient anders wie ein IT-ler im Bankensektor, ebenso wie ein IT-ler der bei einer IT Bude angestellt ist...

Warum bitte? Was wäre wenn die IT-ler bei nicht passenden Kollektivverhandlungen ihre Arbeit nieder legen, Services abdrehen usw.?

Aber leider fehlt dieses "Kollektiv", dieser Zusammenhang, wenn sich hier etwas ändern würde, würden sich meiner Meinung nach auch die Gehälter anpassen...

Aber es fehlt natürlich auch teilweise an der internen Vermarktung, wie oft hört man schon vom Vorgesetzten: "Super machts das, alle Services laufen!"...aber wehe das Mail Service steht mal...

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