Umgang mit Kindesmissbrauch: Schwere Vorwürfe gegen den Vatikan
London/Dublin - Der irische Premierminister Enda Kenny
hat mit scharfen Worten den Vatikan für seinen Umgang mit Fällen von
Kindesmissbrauch kritisiert. "Erstmals in Irland wird in einem Report
über Kindesmissbrauch dargestellt, dass der Heilige Stuhl versucht
hat, in einer souveränen Republik Untersuchungen zu behindern", sagte
Kenny mit Blick auf einen in der vergangenen Woche vorgestellten
Report einer Regierungskommission.
Der Bericht lege offen, wie "abgehoben, elitär und narzisstisch
die Kultur des Vatikan" sei, sagte Kenny. Vergewaltigung von Kindern
werde heruntergespielt, stattdessen würden der Vorrang der
Institution Kirche hochgehalten, ihre Macht und ihre Reputation
betont. Das irische Parlament war am Mittwoch zu einer Sondersitzung
zu dem Thema zusammengekommen.
Der sogenannte Cloyne-Report war die vierte größere
Veröffentlichung innerhalb von sechs Jahren über das Vertuschen von
Missbrauch in der katholischen Kirche in Irland. In der Diözese
Cloyne war Bischof John Magee tätig, dessen Rücktritt Papst Benedikt
XVI. im vergangenen Jahr akzeptiert hatte. Ihm war nachgewiesen
worden, die Untersuchungen fehlgeleitet zu haben. Außerdem wurden ihm
"Fehler beim Schutz von Kindern" vorgeworfen. (APA)