Hymne mit Geburtsfehler

Kolumne | 20. Juli 2011 18:27

Auch der Radetzkymarsch mit seinem mitreißenden Rhythmus weckt mehr Enthusiasmus und Wir-Gefühl als die offizielle Hymne

Ob mit oder ohne Töchter - unsere Bundeshymne hat einen Geburtsfehler, der mit dem Genderproblem nichts zu tun hat: Sie ist einfach nicht gut. Weder der Text noch die Melodie, trotz des (umstrittenen) Mozart-Gütesiegels. Bei feierlichen Veranstaltungen singen die Leute sie meistens nicht mit. Man hört zu, wie sie gespielt wird, und ist ganz froh, wenn sie wieder vorbei ist.

Schon bei ihrer Einführung war die Begeisterung nicht ungeteilt. Bruno Kreisky hätte sich "o du mein Österreich" gewünscht. Für viele ist von jeher der Donauwalzer die "heimliche Bundeshymne". Von der alten Haydn-Melodie nicht zu reden, die nun unwiderruflich den Deutschen gehört.

Und auch der Radetzkymarsch mit seinem mitreißenden Rhythmus weckt mehr Enthusiasmus und Wir-Gefühl als die offizielle Hymne. Ein Grund dafür mag sein, dass diese laut Experten die einzige Nationalhymne ist, die mit einer absteigenden und nicht mit einer aufsteigenden Tonfolge anhebt.

Und der Text? Nun ja. Was halt so bei Wettbewerben herauskommt. Schon die Söhne der Autorin Paula von Preradovic dichteten einst die Verse der Mama respektlos um: "Land der Erbsen, Land der Bohnen / Land der vier Besatzungszonen /wir verkaufen dich im Schleich /vielgeliebtes Österreich" .

Auch die Texte der populären Hymnen anderer Staaten sind nicht immer literarische Meisterwerke. Und auch nicht immer politisch korrekt. So heißt es etwa in der Hymne aller Hymnen, der unvergleichlichen Marseillaise, "ihr unreines Blut tränke die Furchen unserer Äcker" . Und in der wunderbaren polnischen Hymne "Noch ist Polen nicht verloren" kommt der Satz vor, dass "wir uns mit dem Schwert nehmen, was fremde Übermacht uns genommen hat" .

Aber macht nichts, historische Hymnen sind historische Hymnen, die von ihrer Entstehungszeit geprägt sind. Das gilt übrigens auch für die erste Strophe des Deutschlandliedes, die dortzulande nicht mehr gesungen werden darf. "Deutschland, Deutschland über alles" meinte ursprünglich nicht die Unterwerfung anderer Völker, sondern, durchaus fortschrittlich, die Überwindung der deutschen Kleinstaaterei.

Wie immer der Streit um die Töchter, Söhne, ausgeht, wirklich beliebt wird die österreichische Bundeshymne wohl nie werden. Dabei hätten wir in der Europa-Hymne ja noch ein zweites Lied in petto, das nun wirklich alle Voraussetzungen zur Popularität hätte. Beethoven und Schiller, was will man mehr? Vor allem, wenn man die Schiller'sche Urfassung "Freiheit, schöner Götterfunken" verwendete, die um der Zensur willen später ins harmlosere "Freude" umgewandelt wurde. Als Zusatz-Hymne würde das Lied sich gut machen, melodisch wie politisch.

Aber vorderhand singen wir halt "Land der Berge, Land am Strome". Und es wäre wohl auch kein wirkliches Unglück, wenn die einen in Zukunft "Heimat bist du großer Söhne" singen würden und die anderen "Heimat großer Töchter, Söhne".

Wobei die meisten Österreicher und Österreicherinnen ohnehin, so wie jetzt schon, stumm blieben. (Barbara Coudenhove-Kalergi, DER STANDARD; Printausgabe, 21.7.2011)

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Wurschtinger, lass umiwachsen die Eitrige!
29.09.2011 09:43
Haydn-Melodie hernehmen, neuen Text dazu.

Was scheren uns die Deutschen? Es gibt viele melodien, die geteilt werden. Die Haydn-Melodie ist ja auch in einem Südsee-Mikro-Staat offizielle Hymnemelodie.

trollvottel
01.09.2011 16:53

Man soll aber nicht davon ablenken, dass der "Radetzkymarsch" ein Auftragswerk war, um die Truppen des Kaisers zu motivieren ... die sonst nicht so gerne auf die Wiener Bürger geschossen hätten.

... andererseits, die Aufklärung hat versagt, die Krone ist in Österreich tonangebend, die Unis werden systematisch vernichtet, im Fernsehen laufen trotz angeblichem Bildungsauftrag obskurste "9-11-worn-de-Juden"-Pseudodokus ... irgendwie wärs passend: Das Lied des des rückwärtsgewandten, bildungsfeindlichen, Bürgerrechte eiskalt zertrampelnden Österreich als Hyme.

Steak vom Milchlamm
21.07.2011 22:12
Hören Sie einmal die Hymne unten, die hat eine absteigende Tonfolge, fast die selbe wie unsere!!!

Ein Grund dafür mag sein, dass diese laut Experten die einzige Nationalhymne ist, die mit einer absteigenden und nicht mit einer aufsteigenden Tonfolge anhebt.

Sie haben beschissene EXPERTEN

http://www.youtube.com/watch?v=dnfQezVxFww

Hugo Stolz
21.07.2011 21:37
Der "Türkische Marsch" von Mozart tät' mir taugen...

Bina Mina
21.07.2011 18:29

Warum lästern alle über die Hymne? Nur weil sie von einer Kroatin ist? Wenn sie nicht von Paula Preradovic wäre sondern von jemandem anderen würde man es nie wagen so tief zu diskutieren. Im übrgen empfehle ich folgende Facebook Plattform:
http://www.facebook.com/home.php#... 9724035426

trollvottel
01.09.2011 16:56

Gibt es auf dieser Facebook-Seite egentlich nur heulende rechte Wappler, die irgendwelchen Unsinn a la "Sagt mal kriegts ihr auch keine Facebook-Emails mehr?!" posten?

Polemar
04.08.2011 13:07
In welcher Welt

leben Sie? So ein Blödsinn! Die Melodie ist schlecht, unabhängig davon, ob sie deutsch oder kroatisch ist.

Eine gute, die beste, Melodie hat die Haydnhymne. Die wäre die eigentliche rechte Hymne für unser Land. Sie war es dreimal. Auf ein viertes!

Übrigens ist die Haydnhymne vielleicht echt kroatisch. Sie stimmt mit einem kroatischen Volkslied, das Haydn wohl öfter im Burgenland hörte, großteils überein.

Und die Mozarthymne ist nicht von Mozart. Das wurde (wohl) nur behauptet, um ihre Akzeptanz zu erhöhen.

Nelly Niedlich
 
21.07.2011 19:36

Die Melodie ist so schlecht, die kann nicht von Mozart sein

biggathan
21.07.2011 19:03

weil sie scheisse klingt. und da ist keine "Kroatin" daran Schuld.

Wile Coyote
 
22.07.2011 08:17
Und weil der Text schwülstig und öd ist.

Egal, ob von einer Kroatin oder nicht.

Alwin
21.07.2011 18:20
Ungeliebte Bundeshymne

In meiner Schulzeit in den 1950er-Jahren haben die Erwachsenen eigentlich nur gespottet über die neue Hymne. Die Frage "wieso ist da niemandem was Gescheiteres eingefallen?" dominierte die Diskussion. Hat Frau Preradovic eigentlich irgendwas gedichtet/geschrieben, das heute noch irgendeine Bedeutung hat? Darum: dichtet eine neue Hymne! Und erspart uns die großen Töchtersöhne, vulgo Enkel, weil die müssen erst noch zeigen, was sie können ...

Cavaliere Austriaco
21.07.2011 18:09
Der Geburtsfehler unserer Hymne ist der Geist der Nachkrigszeit!

"Land der Berge Land am Strome Land der Äcker Land der Dome..." (trallala)

Reden wir über die schöne Landschaft, ja nicht über die NS-Zeit, wir waren ja das erste Opfer, wir haben mit den bösen Deutschen nichts zu tun, der edle gemütliche "österreichische Mensch"!

"Einigkeit und Recht und Freiheit" - wieviel mehr Inhalt und Hintergrund steckt da in nur 3 Worten!

Ja, unsere Hmyne ist misslungen, musikalisch und vor allem textlich.

Identifizieren könnte ich mich eigentlich nur mit der Haydn-Hymne mit neuem, austrifizieren Text, in der in der ersten Strophe verklausuliert Vergangenheitsbewältigung betrieben wird, in der zweiten das alte und in der dritten das neue Österreich besungen wird.

Ibsen
22.07.2011 09:52
"der edle gemütliche österreichische Mensch"

Sie haben wahscheinlich recht, aber sehen Sie mal zum Beispiel die ungarische Hymne, das Gegenteil:

Gott, segne den Ungar!
mit frohem Mut und Überfluss.
Strecke deinen schützenden Arm zu ihm hin,
wenn er mit dem FEINDE kämpft!
Ihm, den lange schon das UNGLÜCK zerreißt,
bringe ihm fröhliche Jahre!
Dies Volk hat SCHON FÜR VERGANGENHEIT UND ZUKUNFT genug VERBÜßT.

Fortsetzung (Rückblick in die Vergangenheit) siehe hier unten:
http://de.wikipedia.org/wiki/Himnusz

Musikalisch finde ich es schön, aber der Text (diese erste Strophe wird gesungen) ist für mich zu vergangenheitsorientiert, ich vermisse die Zuversicht aus den Zeilen. Es ist so wehmütig, typisch ungarisch also ("Der Ungar feiert weinend")!

Wir sind der Meinung
23.07.2011 00:55
Hymnen sind eben meistens historisch zu verstehen

das akzeptieren weltweit fast alle, nur manche "Frauenrechtlerinnen" in Österreich nicht.

Ibsen
23.07.2011 10:04
Klar

aber der Vorpostler hat sich über "die zu schöne Welt" in der Hymne beschwert und ich habe als Gegensatz die ungarische Hymne gebracht, die eher wehmütig ist.

Eine Hymne sollte - meiner Meinung nach - entweder musikalisch oder textlich (zwar mit geschichtlichem Rückblick) doch zukunftsweisend einen positiven Ausklang haben!

Aber die Hymne ist wahscheinlich ein bisschen so wie das Volk selbst.

Ein sprachliches Beispiel fiel mir dazu eben ein:
Ein Amerikaner MAKES money
Ein Deutscher: VERDIENT Geld
Ein Ungar: Pénzt KERES (=sucht nach Geld)

And the Oscar goes to...Mood Pictures!
26.07.2011 01:33
aber

Hymnen sind historisch entstanden - und sollten auch historisch bleiben.

And The MP goes to... Jail!
29.07.2011 20:32
PS.:

Anklage wurde im Mai von der Staatsanwaltschaft erhoben!!!

Yes! Yes! Yes!

http://www.hirado.hu/Hirek/201... sten_.aspx

Conte Tiretta di Treviso
30.07.2011 01:54
was sein das für eine anklage??

In diese Fall, die Untersuchung wurde im Januar. Zuvor persönliche Freiheit für Verstöße gegen zwei gyanúsítottal Untersuchung beteiligt haben, sondern nur ein mann vorgeschlagen wurden gegen übersetzung schwere Körperverletzung wegen des verdachts. Die Polizei im vergangenen Jahr im Januar unbedingt gesagt, dass eine Mutter, Anonym schreiben entdeckt auf der Grundlage einer Újpesten szado-de pornófilm illegalen Bereich.

Na bumm!

Lady In Lauter Red
30.07.2011 22:46
Sähè dos ándärs.

Nix kannst Ungárisch.

Ibsen
26.07.2011 09:21
Nun ja...

Einverstanden, zur Geschichte gehört aber auch die Entwicklung der Landesgastronomie, die im Falle von Ungarn eindeutig den von mir heiß ersehnten positiven Ausklang geben könnte, daher sage ich: Nicht nur Tokajer sondern auch Gulasch in die Hymne!

Cavaliere Austriaco
26.07.2011 01:33
Richtig.

Ibsen
26.07.2011 09:22
Oh Gott...

Ich hätte es vom Nick wissen müssen...

Tantive IV
21.07.2011 16:39

Unsere Hymne zieht sich wie ein Strudelteig...
Ein Hymne die mehr Schwung inne hat, sodass man mit den Zehen mitwackeln kann (wie die italienische), wäre schön.
Unser Land hat viele Komponisten hervorgebracht, und ausgerechnet wir haben eine Hymne die einschläfernd wirkt.... Schade...

parapente
21.07.2011 18:35
Eine Trauerhymne

und die fehlenden Töchter, aber auch Väter, Mütter, Onckeltz usw sind das Wenigste!

Trauermarsch im Konduktschritt.

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