Kritik an der Burnout-Studie

Harte Polizisten mit großem Tabu

20. Juli 2011, 18:27
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    foto: apa/hochmuth

    Alle Hände voll zu tun haben die gut 25.000 Polizisten in Österreich. Die meisten verleugneten aber sich selbst gegenüber die Stressbelastung, meint ein SPÖ-Abgeordneter, der mehr Hilfe fordert.

Die Burnout-Studie des Ministeriums zur Stressbelastung der Polizei stößt auf Kritik - Probleme aus Angst ignoriert

Wien - "Das Gespräch am Kollegenstammtisch kann ja auch nicht der Ansatz sein", meint Hannes Fazekas zum Umgang von Polizisten mit Stress. Erfahrung hat er mit der psychischen Belastung im Exekutivdienst - der SPÖ-Nationalratsabgeordnete ist selbst Polizist, wenngleich der Job derzeit ruhend gestellt ist. Sorgen um seine Kollegen macht er sich trotzdem und zweifelt an der jüngst vom Innenministerium präsentierten Studie über die Burnout-Situation bei den uniformierten Polizisten. DerStandard.at/karriere berichtete bereits über den Vorwurf der Schönung.

Laut dieser Untersuchung sind, wie berichtet, gut neun Prozent der Beamten akut von völliger emotionaler Erschöpfung gefährdet. Weitere 41 Prozent zeigen eine erhöhte Stressbelastung.

Für Fazekas ist es aber denkbar, dass bei der anonymen Umfrage nicht jeder sein Seelenleben wirklich preisgegeben hat. Die Unternehmensberaterin und Coachin Gabriele Kypta stimmt ihm zu. Und ortet ein grundsätzliches Problem: das Selbstbild im Sicherheitsbereich. "Im ärztlichen und Pflegebereich gibt es bei Studien sehr hohe Burnout-Werte. Das gehört dort aber fast zum Image dazu, dass man einmal im Leben daran leidet, weil man so viel gearbeitet hat. Bei der Polizei ist das Thema dagegen stark tabuisiert."

"Harten Mann verkörpern"

"Polizisten wollen eher den harten Mann verkörpern und verleugnen, dass sie Probleme haben", ist Fazekas überzeugt. Er fordert daher ein bundesweites Angebot an Supervision - die extern durchgeführt werden soll. "Denn Kollegen gegenüber hat man mehr Hemmungen, etwas zuzugeben", meint er. Es komme aber noch ein zweiter Punkt dazu. "Wenn ich dienstrechtliche Probleme zu fürchten habe, etwa, weil durch eine Versetzung in den Innendienst Zulagen wegfallen, wird das niemand in Anspruch nehmen."

Wichtig für den Politiker und die Expertin wäre eine ausreichende Schulung der Führungskräfte. "Aber das Thema Burnout wird etwa bei Führungskräfteschulungen an der Sicherheitsakademie nicht angeboten", sagt Fazekas.

Thema enttabuisiert

Im Innenministerium sieht man die Sache etwas anders. "Ich gehe davon aus, dass die 1800 befragten Kollegen sehr wohl ausgedrückt haben, was sie bewegt. Sie waren völlig anonym, die Fragebögen können nicht rückverfolgt werden", erklärt Sprecher Michael Takacs. Dass Polizisten möglicherweise tatsächlich Hemmungen haben, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, gesteht er zu. "Aber ich bin selbst Polizist und bin überzeugt, dass sich ein Polizist leichter mit einem Kollegen aussprechen kann als mit jemandem von außen. Und wenn es ein wirkliches Problem gibt, wird er oder sie ohnehin an einen Facharzt überwiesen."

Psychologie fließe, institutionalisiert, aber erst seit rund 10 Jahren in die Ausbildung von Exekutivbeamten ein. Takacs ist daher "überzeugt", dass mittelfristig das Thema enttabuisiert werde.

Alle Hände voll zu tun haben die gut 25.000 Polizisten in Österreich. Die meisten verleugneten aber sich selbst gegenüber die Stressbelastung, meint ein SPÖ-Abgeordneter, der mehr Hilfe fordert. (Michael Möseneder/DER STANDARD; Printausgabe, 21.7.2011)

DerRoland
00
17.8.2011, 17:53
Sie waren völlig anonym, die Fragebögen können nicht rückverfolgt werden

Und das, obwohl die Befragten ihren Namen und ihre Dienstnummer angeben mussten.

Österreichische Polizei halt...

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