Massenpresse

20. Juli 2011, 18:15

Leser wollen das, und weil es so viele sind, stehen wir damit de facto über dem Gesetz

Das Wesen der skrupellosen Massenpresse liegt darin, dass sie durch ihren Erfolg bei den Massen ihre Skrupellosigkeit rechtfertigen kann.

Was wollt ihr denn? So rufen uns die Zyniker der Murdoch-Blätter, der Bild-Zeitung, der Krone entgegen. Unsere Leser wollen das, und weil es so viele sind, stehen wir damit de facto über dem Gesetz bzw. machen wir uns unsere eigenen Gesetze. Rufmord, Verhetzung, tendenziöse Kampagnen, Wahrheitsverdrehung, politische Erpressung, glatte Falschbehauptungen, kriminelle Methoden der Informationsbeschaffung: Dazu sind wir legitimiert, weil uns Millionen lesen.

Wäre es wirklich so, müsste man komplett verzweifeln. Ganz so ist es aber nicht. Die Konsumenten von Massenmedien reflektieren sehr wenig über die Art, wie dieser Gossenjournalismus betrieben wird. Sie wollen es nicht so genau wissen. Aber sie konsumieren das Zeug trotzdem. Das ist wie eine schlechte persönliche Angewohnheit wie Nasenbohren: Man weiß, es ist nicht okay, aber man tut es trotzdem - weil es irgendwie befriedigend ist.

Nicht aus der Verantwortung entlassen kann man hingegen die Politik. Sie füttert die Krawallpresse mit Zuwendung und (in Österreich) mit finanziellen Zuwendungen. Aber, wie sich jetzt beim britischen Premierminister David Cameron zeigt, besteht eine immense Gefahr: Wer sich zu tief in die Gossenpresse begibt, kommt darin um. (Hans Rauscher, DER STANDARD; Printausgabe, 21.7.2011)

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Spannende Interaktion.

zB sollten nicht ganze Diskusinszeige entfernt werden nur weil der Ton etwas rauer wird.
zB "Heinz Fischer hat genug von der Bundeshymne" in einer Diskussion zu Frauenfeindlichkeit ... Ärgerlich !

zwei wirklich gute erste absätze

aber der rest ist lahm ... lauwarmes bla bla

Wozu diese Murdoch Hysterie? Erstens hat Murdoch sehr scharfe Konsequenzen gezogen und zweitens gehören beispielsweise auch die Times und das Wall Street Journal zur News Corp.

Bitte?

Scharfe Konsequenzen? Eine beschädigte und nicht sonderlich lukrative Marke ("News of the World") eingestellt, dafür verdichten sich die Zeichen, dass er den freien Platz mit einer "Sun on Sunday" besetzen wird.

Das Wall Street Journal war vor dem Kauf durch Murdoch eine tolle Zeitung. Jetzt benutzt er diese nur um die New York Times eins auszuwischen.

Mudoch hat etliche Mitarbeiter gefeuert. Ihre Arbeit zu verlieren werden diese wohl nicht als angenehm empfunden haben! Die Veränderungen im WSJ wurden doch eher positiv aufgenommen: http://www.faz.net/artikel/C... 09465.html

die faktische macht der massen

die massenpresse wird von den massen gelesen, genau den massen, die den ausgang jeder wahl bestimmen. die politik schaut den massen aufs maul, die massenpresse formuliert, was aus ebendiesem herauskommt.
ein gordischer knoten, irgendwie. wie sollen politiker, die gegen die in der massenpresse festgehaltenen massenmeinung agieren, von eben diesen massen gewählt werden?

Die Frage ist vielmehr:

wie könen Politiker daran gehindert werden treibende Kraft in dieser sozio-kultureleln Downturn Spirale zu sein?

Indem wir ihnen ihren eigenen Downturn dauernd vor Augen führen.

Warum das so wichtg ist:

http://www.wired.com/magazine/... ackloop/2/

wie sollen politiker, die gegen die in der massenpresse festgehaltenen massenmeinung agieren,

von eben diesen massen gewählt werden?

Richtig, das frage ich mich auch immer, wenn sich die Schnösel-Redakteure des Standard über die Boulevardlastigkeit diverser Politiker echauffieren.
Das hat meiner Meinung nach auch ein bisschen mit Missachtung von Demokratie zu tun!

Wobei ich schon auch beobachte, dass mit zweierlei Maß gemessen wird: einem SPÖ-Politiker (Faymann-Brief) wird vom Standard nie soviel Anlehnung an den Boulevard zugestanden wie schwarz-blauen Politikern.

Ein tatsächliches Problem ist aber natürlich die Finanzierung des Boulevard durch die Politik zB durch inserate. Die gibt dem Boulevard nämlich unnötigerweise eine noch größere Macht als er sie eh schon hat!

wenn ich das zusammenfassen darf: dass sich politiker dem boulevard anbiedern ist eh ok und wer anderer meinung ist, ist kein guter demokrat. aber eine noch größere macht sollte der boulevard nicht haben. das wär dann auch nicht so gut.

Ist jede Berücksichtigung des

veröffentlichten Volkswillens schon eine Anbiederung?

Sie sollten das ein wengerl differenzierter betrachten

was in den massenzeitungen steht, ist nicht der "volkswille", sondern der von den massenzeitungen formulierte und bereits mit einem gewisssen drall versehene "volkswille". (wobei der ausdruck "volkswille" allein bereits ein produkt eben dieser massenzeitungen ist.)

In der Didaktik gibt es die Erkenntnis,

dass bei entdeckendem, konstruierendem Lernen weit mehr hängen bleibt, als beim Vorgekauten.

Bei Medien sollte das nicht anders sein?
Deshalb ist das Gegengift gegen vorgekaute Idiotie: Interaktion. Auseinandersetzung.

Das Gerülpse neuronal unterversorgter Nachplapperer-von-niedriger-Propaganda ist, besonders live, meist ziemlich entlarvend.
Fay, Spindel, .. gingen in einer offenen Diskussion sofort unter. Trotz apparatehafter Groupies.
Von Strache und seinen schmissige Spiessgesellen gar nicht zu reden.
Sie brauchen das Verstecken hinter den supergoofen, niederträchtigen Einwegmedien zum Überleben.

Ach Rau, Sie Ritter des selbsternannten Qualitätsjournalismus - Bild wird laut einer Umfrage von über 80 % ihrer Leser als nicht soooo glaubwürdig eingestuft, sondern als Unterhaltungstrompete gewertet, die Krone wird von ihrer vergreisenden Leserschaft gefressen, als seien´s die zehn Gebote, und was die Engländer über ihre Yellow Press denken... Wissen Sie´s? Und der Standard - liefert mittelschichtskompatiblen Mainstream, viele in Gymnasiastendeutsch umformulierte APA-Meldungen und dazu seitenweise Kommentare, die dem geneigten Publikum seine Caféhaus-Urteile bestätigen. Manche Unterschiede schrumpfen, wenn man genau hinsieht...

Warum ist Nasenbohren nicht okay?

Verschlafen ...

... haben Sie wohl die Erkenntnisse der Biologie des letzten Jahrzehntes.

als primat gehört der mensch zu den sog. trockennasenaffen. das heißt er/sie muss popeln

Die Nase ist die Bohrinsel des kleinen Mannes!

Wie dem Mann seine Insel

so auch sein Pinsel?

Vermutlich

werden die Bundespräsidentenfamilie Dichand und Bundeskanzler Jeannée, diese Worte mit Gelassenheit zur Kenntnis nehmen, wissen sie doch ein zuverlässiges Bildungssystem am Werk, das ihnen stets in die Hände arbeitet.

Den Sprecher vom Jeannée, Faymann, läßt es erst recht kalt. Die Bauchrednerpuppe vom niederösterreichischen Landesjägermeister Konrad, Spindelegger, wahrscheinlich ebenso.

Es ist ja so, daß Regierung und Parlament, nicht das sind, was sie zu sein scheinen.

Die sind lediglich von den großen Presseverlagen und einigen Firmen der Novomaticklasse als dekoratives Hintergrundrauschen eingekauft worden und werden gelegentlich im ORF zur Besichtigung ausgestellt, wo sie lustig ein- und ausatmen u. Münder auf - und zumachen.

Nicht darüber philosophieren, sondern konkrete Vorschläge und Maßnahmen wären angesagt.

Wenn immer mehr Journalisten der Niveaulosigkeit und Korruption anheim fallen hilft nur eines: mehr Kontrolle und die Angst vor Strafen, wie im Straßenverkehr.

Muss halt der Presserat gesetzlich verankert und mit Befugnissen ausgestattet werden. Denkbar wäre auch eine Art Presse-FMA. Dies und ein Verbot von Regierungsinseraten durchzusetzen, dürfte den Medien mit einer breit angelegten Kampagne doch nicht schwer fallen. Andernfalls droht der Untergang im Gratiszeitungs-Dschungel

Der Standard kann sofort damit beginnen, Regierungs-(nahe) Inserate abzulehnen, und allen anderen Zeitungen, die nicht mitmachen, fehlende Unabhängigkeit vorwerfen.

http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%... _Presserat

Presse-FMA???

Wir sind glücklicherweise noch nicht ein Satellit des Iran. Sie haben das Wesen der Meinungsfreiheit nicht verstanden.

Gesetzlich verankern?

Wer soll das tun? Wir haben 3 Gossenparteien und die Glawi. Grünen sind paralysiert, weil Glwai auch gerne Massen-Öffentlichkeit hätte.
Ich befürchte, Medien müssen das tun, was Unternehmen mit Qualitätsprodukten gegen den Junkmitbewerb tun müssen.
Maerkte segmentieren, Segmente selektieren, in welchen Sie Leseführer werden können, und dann Stretchen und Expandieren.
Was möchte Standard für wen sein? Eine Zeitung für Leser ist ein guter Gag, aber ...

"Profil" möchte sich offensichtlich als Aufdecker profilieren. Und allein wegen Nikowitz....

Ich glaube intelligente Medien müssen viel kälter werden - mehr Interaktion, Konzentration auf Online. Live Berichte im St sind oft ausgzeichnet. Umfragen, Wahlen, Boersen, Spiele, Live Kultur, ...?

'Massenpresse' - nehmen Sie ihr zensorierendes Blatt durch 'Masse' nicht aus der Verantwortung

Wie oft erscheint im Panorama Teil ein politisch korrigierter Artikel zu Kriminalität, Raub und Mord in Österreich bewusst ohne den Zusatz der oft ethnischen Motive und Hintergründe?

Warum wird für mich entschieden, welche Information ich verdauen darf und welche nicht?

Vorurteile sind Ihnen nicht fremd, oder?

vielleicht,weil menschen wie sie immer gleich xenophobe auszucker kriegen,wenn tatverdächtige nicht hansi,kevin oder tschakweline heissen?

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