Letzter gesuchter mutmaßlicher Kriegsverbrecher festgenommen - Lob von der EU
Der letzte vom Haager UN-Tribunal gesuchte mutmaßliche Kriegsverbrecher
ist verhaftet worden. Goran Hadžić, Exführer der kroatischen
Serben, wurde am Mittwoch in der Vojvodina gefasst. Er wird in Kürze
nach Den Haag überstellt. Seine Festnahme gilt als weitere Annäherung
Serbiens an die EU.
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Belgrad - Der letzte noch gesuchte mutmaßliche serbische
Kriegsverbrecher ist in Auslieferungshaft in Belgrad und wird demnächst
an das Haager UN-Tribunal überstellt. Goran Hadžić (52) wurde vermutlich
bereits am Wochenende festgenommen und lange verhört. Der ehemalige
Führer der kroatischen Serben rühmte sich früher damit, "der Bote Miloševićs" zu sein, und wurde "militärisch" vom Milizenführer Arkan
unterstützt.
Am 20. und 21. November 1991 holten serbische Milizen mithilfe der
Jugoslawischen Volksarmee (JNA) etwa 250 Personen (die meisten von ihnen
Kroaten) aus dem Krankenhaus in Vukovar, viele von ihnen waren
verwundet. Sie wurden in der Nähe der Stadt exekutiert. Hadžić ist neben
diesem "Massaker von Vukovar" wegen 13 weiterer Verbrechen gegen die
Menschlichkeit angeklagt. Der "Präsident" der selbsternannten Serbischen
Republik Krajina soll zwischen 1991 und 1993 für die Deportation und
Ermordung von tausenden kroatischen Zivilisten verantwortlich sein. Ziel
war es, ein Drittel des kroatischen Territoriums abzuspalten und alle
Nichtserben zu vertreiben.
Serbiens Staatspräsident Boris Tadić sprach am Mittwoch vom
"schwersten
Abschnitt in der Zusammenarbeit mit Den Haag" und verglich Hadžićs Festnahme mit dem Einsatz gegen Osama Bin Laden, der von einem
US-Elitekommando in Pakistan getötet wurde. Belgrad habe nun seine
moralischen Pflichten erfüllt. Tadić betont seit Jahren mit Hinweis auf
die Nationalisten im Land, wie schwierig für Serbien die Aufarbeitung
der Vergangenheit sei.
Mit der Festnahme Hadžićs kann die serbische Führung tatsächlich
einen
weiteren wichtigen Punkt im Prozess der EU-Annäherung für sich
verbuchen. Nicht nur die Festnahme des bosnisch-serbischen Exgenerals
Ratko Mladić, auch die Reformfortschritte bei der Annäherung an die
EU-Gesetzgebung werden in Brüssel mit großer Anerkennung zur Kenntnis
genommen. Der Kandidatenstatus für Serbien rückt in Reichweite.
EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, Kommissionspräsident José Manuel
Barroso und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton bezeichneten die
Festnahme Hadziæs jedenfalls als einen wichtigen Schritt, um die
"europäische Perspektive" umzusetzen, und lobten die Entschlossenheit
der serbischen Führung.
Hadziæ wurde in Fruska Gora (zu deutsch Frankenwald), einer Region in
der Vojvodina, festgenommen. Bereits 2006 hatte der sozialdemokratische
Politiker Nenad Èacak gesagt, dass sich Hadžić in Fruska Gora versteckt
halte, wo es zahlreiche serbische Klöster gibt. Die serbische
Sonderstaatsanwaltschaft untersucht nun auch eventuelle Verbindungen Hadžićs zur serbisch-orthodoxen Kirche. (Adelheid Wölfl, STANDARD-Printausgabe, 21.7.2011)