In Zirl arbeiten Asylwerber gemeinnützig, NGOs loben dies als "positives" Projekt
Innsbruck - Seit Sommer 2010 verrichten Asylwerber des Flüchtlingsheim Zirl gemeinnützige Arbeiten für die Gemeinde - und sie tragen dabei gelbe Signalwesten. Anders als bei dem Vorstoß des Kärntner Soziallandesrates Christian Ragger empfinden das Tiroler NGO-Mitarbeiter nicht als kritisierenswert. "Die Arbeit wird gerne angenommen", sagt Flüchtlingsbetreuerin Ingrid Jenewein. Im Durchschnitt seien auf den Zirler Straßen täglich neun Männer unterwegs, um aufzuräumen. Manchmal werden die Asylwerber auch am örtlichen Bauhof eingesetzt. "Die Männer wollen das machen", sagt Jenewein: "Sie kommen raus aus dem Heim und können arbeiten." Sie würden sich freiwillig melden. Einmal seien sie von der Gemeinde eingeschult worden, jetzt schulten sie sich gegenseitig ein.
Um sie als Gemeindearbeiter erkennbar zu machen, tragen die gemeinnützigen Arbeiter gelbe Westen mit der Aufschrift "Sauber statt Saubär". Das sei aber "keine Stigmatisierung von Asylwerbern", sondern ein Werbegag der Firma ATM (Abfallwirtschaft Tirol Mitte), sagt Flüchtlingskoordinator Meinhard Eiter. Durch die "Sauber statt Saubär"-Aktion von ATM werden seit 2003 landesweit Dorfplätze, Wiesen und Wege von Abfall befreit. Auch Umweltberater werden vermittelt.
Drei Euro pro Stunde
Neben der gemeinnützigen Arbeit für Gemeinden helfen Asylwerber auch beim "Frühjahrs- und Herbstputz" im Land. "Die Bergwacht säubert die Berge, die Naturfreunde die Innufer, und die Asylwerber helfen überall mit", sagt Eiter. Von der Gemeinde - Vizebürgermeisterin Johanna Stieger kann "nur Positives" über das Projekt berichten - bekommen die Männer für ihre gemeinnützige Arbeit drei Euro pro Stunde, insgesamt dürfen zur Grundsicherung 240 Euro dazuverdient werden.
"Teilweise arbeiten sie auch gratis", sagt Eiter: "Um als persönlichen Beitrag den Gemeinden, die sie aufgenommen haben, etwas zurückzugeben." Straffällig gewordene Asylwerber dürften an dem Projekt nicht teilnehmen. (Verena Langegger, DER STANDARD, Printausgabe, 21.7.2011)