Um den Beruf des Bürgermeisters wieder attraktiv zu machen, setzt der Gemeindebund auf eine Expertenrunde - Ortschaften zusammenzulegen wird aber abgelehnt
Wien - Viel Arbeit, mäßige Bezahlung - nicht gerade die Grundvoraussetzung, einen Beruf attraktiv erscheinen zu lassen. Die Folge: In Österreich sind nur mehr wenige bereit, Bürgermeister zu werden.
Oft komme es bei Wahlen sogar so weit, dass sich nur ein Kandidat für den Job finden würde - aber auch nur, weil sich dieser mit viel Mühe überreden ließ, klagte der Präsident des Österreichischen Gemeindebundes, Helmut Mödlhammer, am Mittwoch. Besonders brisant sei die Situation in Gemeinden zwischen 2000 und 7000 Einwohnern.
Mit einer Studie versuchte der Gemeindebund-Präsident die triste Situation zu verdeutlichen. Das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) hat dafür die Gehaltsunterschiede zwischen Bürgermeister-Gehältern und dem Salär von angestellten Geschäftsführern erhoben. Das Ergebnis zeigt: Einkommensbezogen ist der zweite Berufsweg die bessere Wahl. Die Unterschiede sind nämlich deutlich. In den großen Gemeinden - also mit mehr als 50.000 Einwohnern - würde der Unterschied zu Managern von Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern ein Viertel betragen, zeigt die Studie. Je kleiner die Unternehmen beziehungsweise die Kommunen, desto größer wird auch der Unterschied: Ein Bürgermeister in einer Gemeinde mit bis zu 2500 Einwohnern verdiene nur mehr die Hälfte eines Geschäftsführers eines Betriebs mit bis zu 19 Mitarbeitern. Und das bei viel Arbeit: Im Durchschnitt werden nur für die Amtsgeschäfte zwischen 30 und 40 Wochenstunden aufgewendet, rechnet der Gemeindebund vor.
Das sind längst nicht die einzigen Faktoren, die abschrecken: Zur schlechten Bezahlung kommen auch die gestiegenen Haftungsrisken. Noch dazu gebe es die persönliche strafrechtliche Haftung, etwa im Falle des Missbrauchs der Amtsgewalt. "Für die gesamte deutsche Verwaltung gibt es eine derartige Bestimmung nicht", merkte PwC-Direktorin Karin Gastinger an.
Für die ehemalige Justizministerin ist die derzeitige Rechtslage außerdem "frauenpolitisch rückständig", denn: Es gibt weder einen Anspruch auf Mutterschutz oder Karenz noch auf eine Pflegefreistellung.
In anderen Bereichen, etwa bei der Arbeitslosenversicherung, wurden Benachteiligungen bereits korrigiert. Für Mödlhammer steht trotzdem fest: "Die Bürgermeister sind nicht privilegiert, sondern benachteiligt. " Eine Arbeitsgruppe, zu der Wirtschaftsexperten oder die Sozialpartner eingeladen werden, soll nun Strategien erarbeiten, den Beruf wieder attraktiv zu machen.
Dass das Zusammenlegen von Gemeinden Anreize schafft, glaubt der Gemeindebund-Präsident aber nicht: "Dadurch ist nichts zu gewinnen." (APA, pm, DER STANDARD; Printausgabe, 21.7.2011)