55-Jähriger nahm Urteil an - Schuldspruch auch wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung
Innsbruck - Wegen Kindesentziehung seiner damals
vierjährigen Tochter ist am Mittwochabend ein Tiroler zu 18 Monaten
unbedingter Haft verurteilt worden. Der 55-Jährige bekannte sich zu
Prozessbeginn am Innsbrucker Landesgericht nicht schuldig, nahm das
Urteil aber an. Zudem wurde er wegen fahrlässiger Körperverletzung,
Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Betrugs für schuldig erkannt.
Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig, die Staatsanwältin gab
keine Erklärung ab.
"Ich bin nicht weg, um weg zu bleiben", betonte der
Beschuldigte.
Er habe zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Österreich das gemeinsame
Sorgerecht mit der Kindesmutter für die Tochter gehabt, versuchte er
die Tat zu begründen. Ihm sei nicht klar gewesen, dass er sich
strafbar mache, beteuerte er gegenüber dem Vorsitzenden. Im Laufe des
Prozesses konfrontierte ihn Böhler mit E-Mails, die der Mann während
seiner Abwesenheit an Behörden und Medien geschrieben hatte. Im Zuge
dessen gab der 55-Jährige ein zaghaftes Geständnis ab. Ab einem
bestimmten Zeitpunkt habe er gewusst, sich der Kindesentziehung
schuldig gemacht zu haben. Aus Angst seine aus Russland stammende
Ex-Frau könnte mit der Tochter in ihr Heimatland zurückkehren, sei er
mit dem Kind geflohen.
Die Kindesmutter gab an, dass sie nie vorgehabt habe, mit ihrer
Tochter nach Russland zu ziehen. Vielmehr berichtete sie davon, dass
ihr Ex-Mann sie bereits vor seiner Ausreise von dem Kind monatelang
ferngehalten habe. Außerdem habe sie massive Angst vor dem Mann
gehabt. Der Angeklagte wurde zu einer Zahlung von 1.000 Euro an die
Frau verurteilt.
Der Richter wertete den langen Zeitraum der Kindesentziehung -
der
Mann war 18 Monate mit seinem Kind nicht auffindbar gewesen - als
erschwerend. Zudem seien mehrere Vergehen zusammengetroffen. Als
mildernd sah der Vorsitzende das Geständnis an, welches der
Angeklagte im Laufe des Prozesses abgab. Das Höchststrafmaß lag bei
bis zu drei Jahren.
Zu dem Vorfall war es im März 2009 während eines
Sorgerechtsstreits gekommen. Der damals 53-Jähriger war mit dem Kind
von Österreich über Umwege nach Brasilien gereist. In der
Zwischenzeit wurde ihm das Sorgerecht entzogen. Im Zuge einer
internationalen Fahndung wurde er im September 2010 in Südamerika
festgenommen. Das Mädchen wurde ihrer Mutter übergeben. (APA)