Mit 16 in die Wahlkabine, mit 18 ins Solarium

20. Juli 2011, 13:30
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Solarienbesitzer klagen über Verluste und kritisieren die Altersregelung im Jugendschutzgesetz

Wien - Ohne Ausweiskontrolle bleibt der Zutritt verwehrt: Drei Solarien in der Wiener Innenstadt reagieren auf die letzten September beschlossene Regelung, dass Solarien nur noch von Personen ab 18 Jahren besucht werden dürfen. Eine politische Debatte folgte, bei der Gesundheitsschäden, die durch die künstliche Strahlung verursacht werden können, im Mittelpunkt standen. Das Team des SchülerStandard fragte dazu bei zwei Solarien nach.

Im Sonnenstudio "Sun in the City" im 1. Bezirk treffen wir auf die Rezeptionistin Alice Bayer. Es sei nicht in Ordnung, dass man mit 16 wählen, aber erst ab 18 ins Solarium dürfe, meint sie. Überhaupt käme der schlechte Ruf, den Bräunungsstudios heute hätten, von "Billigstudios ohne Beratung". In ihrem Salon kümmere man sich um die Kunden und würde diese auch ausreichend beraten. Die 45-Jährige ist gegen die Altersregelung und wünscht sich eine neuerliche Änderung des Gesetzes. "Früher sind viele Jugendliche gekommen, die noch zu jung waren und die wir dann wieder wegschicken mussten", erklärt sie. Stolz erzählt sie von ihrem Leben mit dem künstlichen Sonnenlicht: Schon seit 20 Jahren gehe sie ins Studio, setze sich nie der "Natursonne" aus und habe noch immer keinerlei Falten. Auch ist sie der Meinung, dass künstliche Sonneneinstrahlung sicher nicht für Krankheiten verantwortlich sei. Im Gegenteil: Mit der richtigen Benutzung könne eine Lichttherapie Krankheiten verhindern.

Eine Studie der internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) belegt hingegen, dass Solariennutzer ein erhöhtes Hautkrebsrisiko haben.

Der Besitzer der "Sun-Company" auf der Kärntner Straße, der anonym bleiben möchte, findet die Altersregelung "in Ordnung, weil viele junge Leute das übertreiben". "Aber die Sache, dass das Solarium Krankheiten verursacht, wurde durch hundert Gegenstudien widerlegt", meint er. Der nur schwach gebräunte Mann erzählt von Verlusten, die er mit seinem Studio gemacht habe, seit die Regelung in Kraft sei. "Es kommen nicht mehr so viele Jugendliche zu uns wie früher. Wenn aber doch junge Besucher auftauchen, sprechen wir mit ihnen und klären sie über die Regelungen auf." (Felix Kirsch, Gabriel Longoni, Max Resc, SCHÜLERSTANDARD, Print-Ausgabe, 20.7.2011)

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    foto: standard/fischer
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