Debatte um Standort

Fachhochschule Kärnten: Teuer und ineffizient

Lisa Aigner, 20. Juli 2011, 13:23

Kärnten wollte Regionen durch eine "dezentrale Fachhochschule" fördern - Jetzt soll ein Standort wegen hoher Kosten geschlossen werden

Eigentlich sollte es ihn gar nicht geben. Der Standort Feldkirchen der Fachhochschule Kärnten ist vom zuständigen Fachhochschulrat nie zugelassen worden. Ein vierter Standort neben Villach, Klagenfurt und Spittal wurde für unnötig befunden. Da im Jahr 2002 aber die schwarz-blaue Koalition regierte, konnte man die Zulassung nicht verhindern. Die zuständige Ministerin, Elisabeth Gehrer, unterschrieb den Akkreditierungsantrag aus Kärnten selbst. Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider sollte schließlich sein Konzept einer "dezentralen" Fachhochschule umsetzen können. Die Fachhochschule Kärnten hat nun angekündigt, den Standort Feldkirchen aufzulassen und die restlichen drei Standorte effizienter zu organisieren (derStandard.at berichtete).

"Offensichtlich hat man versucht Regionalpolitik statt Bildungspolitik zu machen", sagt der jetzige Geschäftsführer der Fachhochschule Kärnten, Siegfried Spanz im Gespräch mit derStandard.at über die Politik der Kärntner Landesregierung. Das Ergebnis: Nirgendwo sonst in Österreich ist die Fachhochschule so teuer. Ein Rechnungshofbericht aus dem Jahr 2008, der im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, ergab, dass ein technisches Studium in Kärnten pro Student rund 17.000 Euro kostet. An anderen FHs wird durchschnittlich 10.000 Euro für einen Studenten ausgegeben. 

Zusammenlegung soll Synergien bringen

Derzeit sind die Studiengänge der FH Kärnten im ganzen Land verstreut. Eine Konzentration der technischen Studiengänge an einem Standort (in Villach) und eine Zusammenlegung der Studiengänge im Bereich Gesundheit (in Klagenfurt) würde Synergien bringen. Das Gebäude in Feldkirchen würde dann ab 2015 nicht mehr gebraucht.

Zu wenig Studenten

Grund für die hohen Kosten für die FH ist vor allem, dass die Studiengänge nicht ausgelastet sind und die Studentenzahlen nur langsam steigen. Der Fachhochschulrat gibt als Ziel für eine Fachhochschule mindestens 1.000 Studenten an, an allen vier Standorten der FH Kärnten kommt man allerdings nur auf 1.800. Der Rechnungshof fasste das Problem in einem Satz zusammen: "In Kärnten bestand ein Zielkonflikt zwischen einer Regionalisierung des Bildungsangebots (vier Standorte) und einer möglichst effizienten Organisation der Fachhochschule."

Regionale Wirtschaft ist abhängig

Dieser Konflikt besteht weiterhin. Als die FH Kärnten ankündigte, dass ihr Konzept für eine effizientere Studienorganisation auch eine Auflassung des Standortes Feldkirchen beinhalte, schlugen die Regionalpolitiker Alarm. Die Regionalzeitung sammelt Unterschriften gegen das Vorhaben und organisierte eine Podiumsdiskussion. "Durch die Fachhochschule entsteht für Feldkirchen eine Wertschöpfung von 4,7 Millionen Euro", erklärt Landeshauptmannstellvertreter Peter Kaiser (SPÖ) das Problem. Die Hoteliers, Gastronomen und der Handel hätten sich auf die Fachhochschule eingestellt.

Die SPÖ-Kärnten ist gegen ein Auflösung des Standorts Feldkirchen. Die Gemeinde hat einen roten Bürgermeister. Kaiser betont im Gespräch mit derStandard.at, dass es einen aufrechten Beschluss der Kärntner Landesregierung gäbe, der garantiere, dass es bei den FHs keine Veränderungen ohne die Zustimmung der Standortgemeinden geben dürfe. Er kritisiert vor allem, dass die FH das Strategiepapier veröffentlichte ohne zuvor mit der Gemeinde Feldkirchen zu sprechen. "So hat man sofort die Abwehrhandlung aktiviert", meint der Landespolitiker.

"Nicht einmal Bistro an FH"

Michael Berger, Vorsitzender der Kärntner Fachhochschulstudierendenvertretung wünscht sich vor allem gleichbleibende Qualität des Studiums für die Studierenden. Zudem sei zu garantieren, dass Studierende ihr Studium fertig studieren können und den Standort nicht während des Studiums wechseln müssen "Ich stehe einer Zusammenlegung positiv gegenüber", so Berger zu derStandard.at. Diese würde eine bessere Infrastruktur nach sich ziehen. Derzeit sei es nicht einmal möglich ein Bistro an einer Fachhochschule zu halten, da es nicht genügend Studierende gäbe.

Scheuch zwischen den Stühlen

Der zuständige Landesreferent Uwe Scheuch (FPK) steht zwischen den Stühlen. Bei der Übergabe der Unterschriften gegen die Schließung der FH in Feldkirchen meinte er "Ich sperre die FH nicht". Nun heißt es aus seinem Büro, dass Scheuch "Grundsätzlich für eine Kostenstrukturreform" ist. Kein Wunder: Immerhin müssen Länder und Gemeinden in Kärnten laut Rechnungshofbericht 53 Prozent der Finanzierung der FHs bezahlen. Und das obwohl es Studiengebühren gibt. In Oberösterreich, wo die FH ebenfalls vier Standorte und keine Studiengebühren hat, zahlen Länder und Gemeinden nur 36 Prozent. "Die Gesamtkosten je Studenten müssen sinken", sagt ein Mitarbeiter von Uwe Scheuch. Eine Standortzusammenlegung würde sich aus den Effizienzmaßnahmen ergeben. "Es nutzt aber nichts, wenn man einen Standort schließt und woanders wieder aufstellt". Die FH-Kärnten wird von der Landesregierung allerdings kritisiert, weil sie noch keinen Detailplan vorgelegt hat.

Nachnutzungskonzept bis 2015

Uwe Scheuch hat mittlerweile neue Bedingungen gestellt. Der Standort Feldkirchen werde nur dann aufgelassen, wenn bis 2015 ein Nachnutzungskonzept für das Gebäude gefunden wird. Dieses Konzept soll mit der Gemeinde und der Fachhochschule erstellt werden. Scheuch kann sich vorstellen, dass Bildungs- oder Sozialeinrichtungen in das Gebäude einziehen. Für Peter Kaiser von der SPÖ scheint es unwahrscheinlich, dass die Gemeinde Feldkirchen einem solchen Nachfolger zustimmen wird. "Das müsste schon ein verdammt gutes Äquivalent sein", so Kaiser.

Umsetzung bleibt fraglich

Ob der Standort Feldkirchen nun tatsächlich aufgelassen wird, ist fraglich. Die Diskussion ist so alt wie die Fachhochschule selbst. Im Jahr 2003 hatte sich Haider gegen diese Forderung des Fachhochschulrates ausgesprochen. "Keiner versteht die Wendungen des Fachhochschulrates in Wien", hatte er gesagt. Damals wollte er sogar noch einen fünften Standort in Wolfsberg etablieren. Im Jahr 2005 stellte sich dieselbe Frage wieder. Die FH hatte eine Schließung der Standorte Villach und Feldkirchen angekündigt. "Die Standortverlegung von Spittal und Feldkirchen nach Villach soll spätestens bis 2010 abgeschlossen sein sobald für den jeweiligen Standort eine Nachnutzungslösung gefunden wurde", hieß es. Die Pläne sind am heftigen Widerstand der Regionalpolitiker gescheitert. (Lisa Aigner, derStandard.at, 20.7.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 122
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[Cotton]
00
18.10.2011, 00:09
Nicht nur die FH...

Kärnten: Teuer und ineffizient.

gas karl
00
Und wie ist das im Burgenland oder NÖ?

Mycroft Holmes
02
23.7.2011, 14:40
"Offensichtlich hat man versucht Regionalpolitik statt Bildungspolitik zu machen"

Na geeeeeeh, quelle surprise.

3dGeist
00
22.7.2011, 14:09

Hat das jetzt wirklich irgendjemanden überrascht?

Kronen Zeitung Verbrennungsmobil
 
00
22.7.2011, 12:44

Du meine Güte - Dieser Vollpfosten ist für die FHs zuständig?

Armes Kärnten

mistvieh666
 
00
21.7.2011, 13:41
stimmt schon alles, aber:

17_000 euro kostet ein studium auf der fh also.
man ist dann, zb, ein computertechniker.
7000 euro zuviel.
7000 euro, war ungefaehr das, was ich in 3 monaten steuer und sozialbetraege von meinem bruttolohn abgezogen bekommen habe. schon viel geld. ja, ja, wir brauchen mehr publizisten, damit so qualitaetszeitungen wie der standard ihren level halten koennen und ausserdem:
mehr bildung statt ausbildung ...

flohimpelz
04
21.7.2011, 11:49
Teuer und ineffizient!

Das war Jörgistan schon immer - und wird es auch bleiben, solange die FPK-Dolmen am Ruder sind!!

Thales1
00
21.7.2011, 12:43
Wenn es nur so einfach wäre!

In Kärnten gibt es seit mehr als 20 Jahren keine absolute Mehrheit! Es haben sich immer Mehrheitsbeschaffer für den täglichen Wahnsinn in der Kärntner Landespolitik gefunden. ÖVP und SPÖ lieferten sich unter Jörg H. sogar einen Wettlauf um die Position des willfährigsten Erfüllungsgehilfen.

Thales1
00
21.7.2011, 11:10
Und wieder eine Maßnahme,

die den Zentralraum Villach / Klagenfurt stärkt und die Ausdünnung der anderen Bezirke fördert.
Das ist typisch für die fehlende Regionalpolitik in Kärnten! Gleichzeitig wird aber die "Starnacht am Wörthersee" jährlich mit EUR 300.000,00 gefördert, weil der FPK Events und Spiele als Mittel zum Machterhalt wichtiger sind als die wirtschaftliche und geistige Verödung des Landes.

kleiner Schelm
01
21.7.2011, 20:13

Die FPK braucht *beides* um Wähler zu finden:
1.) Brot und Spiele und
2.) geistige Verödung,
die sie ja beide fleißig fördert. Insofern ist das Handeln konsequent. Unis werden sicher auch noch plattgemacht, da wird viel zuviel nachgedacht.

möglicherweise ulrich
04
21.7.2011, 11:40
Kleine Korrektur:

Die geistige Verödung ist der FPK sehr wohl ein wichtiges Mittel zum Machterhalt - wahrscheinlich sogar DAS WICHTIGSTE.

flohimpelz
00
21.7.2011, 12:51
Wenn man sich Dörfler ansieht,

dürfte dies das Leit-Thema sein!!

themagicman
02
21.7.2011, 10:47
In der Überschrift ist "Fachhochschule" zu streichen.

Dann stimmts wieder.

Roter Baron
02
21.7.2011, 09:48
wieder eine pleite mehr im bankrotten bundesland

langsam müßte sich die övp fragen
ob die fpkpbzö nicht einen wirtschaftskurator braucht.

roter baron

bratak
00
21.7.2011, 10:56

zu ihrem posting bitte nochmal den ersten absatz lesen, vor allem:
"Da im Jahr 2002 aber die SCHWARZ-blaue Koalition regierte, konnte man die Zulassung nicht verhindern"

Pierre d´Aubusson
00
21.7.2011, 09:37
Gegenmaßnahmen

gibts aber auch schon:
Um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen, erfolgt die Umbenennung in "Maria Feldkirchen".
Exzellent, odr?

Ich bewerte die im Posting vertretene Meinung
00
21.7.2011, 10:40
wie wäre es mit

jörgkirchen :-)

Pierre d´Aubusson
00
21.7.2011, 11:38
Nothelfer?

Über das Wirken des Heiligen Jörg/Georg im Hinblick auf Intellenz ist uns nichts bekannt. Der war da mehr für Drachen und Jungfrauen zuständig.
Daß allerdings die Beifügung von "Maria" aus einer Landesirrenanstalt einen Ort machen kann, der die hellsten Köpfe des Landes vereinigen soll, das ist sogar durch Landesseligsprechung erwiesen.
Nur weiß ich jetzt nicht, ob da die Maria oder der heilige Erwin mehr dran schuld ist.

Carlos Clementin
01
21.7.2011, 09:02
Wie wäre es ...

wenn jene Firmen, welche die billigen Projektarbeiter der FHs bekommen und sich damit zigtausende € sparen mal Ihren Beitrag zuschiessen würden.
Vielleicht bei Pfelegeberufen schwieriger (da müsste mal die GKK etc. was sponsern, und deren Bonzen weniger zahlen). Aber die Wirtschaft schreit nach billigen qualifizieten Facharbeitern - händeringend! Nur, zahlen soll die Allgemeinheit....

the comedian
 
41
21.7.2011, 05:13
fh nix mehr wert sein......

Kondratjew -Zyklus
 
16
21.7.2011, 10:25
Den Beweis antreten Du musst !

Steinbock1959
00
21.7.2011, 01:46

Von der Sache selbst dürften die daran Beteiligten nicht recht viel Ahnung gehabt haben, die Moral dürfte dabei auch nicht recht viel Rolle gespielt haben und bei diesem einfach nur mehr dummen Kuhhandel dürften sie dann erst recht wieder nur - sauteure - Scheiße gebaut haben.

kleiner Schelm
21
20.7.2011, 22:24

Preis und Effizienz der FHs sind eine Frage des Maßstabs, den man anlegt. Sie leisten wichtige Beiträge für Regionalentwicklung und auch die bessere soziale Durchmischung (viele Arbeiterkinder studieren an FHs!).

FHs werden aber zu häufig mit Unis verglichen, woran sie teils auch selber schuld sind, indem sie sich öfters mit Unis ("Forschung, Promotion, etc.") vergleichen -- ohne auf diesen Gebieten auch nur annähernd etwas bieten zu können.

Sinnvoller ist es, die ursprünglichen Aufgaben und Stärken zu betonen und das Bildungssystem stärker zu differenzieren statt zu nivellieren. Dann wäre m.E. auch eine FH auf dem Land argumentierbar -- eben um die dortigen BewohnerInnen zu erreichen. Man sollte stattdessen besser überambitionierte, ab

zauberlehrling85
12
21.7.2011, 10:24

soziale durchmischung oder zwei-klassen-system?
arbeiterkinder an der fh und die eliten an die uni ...

idiotdernichtsweis
00
27.7.2011, 12:40

aha, dann ist man also elite wenn die eltern studiert haben oder? glauben sicher auch sie sind was besseres oder?

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