Kärnten wollte Regionen durch eine "dezentrale Fachhochschule" fördern - Jetzt soll ein Standort wegen hoher Kosten geschlossen werden
Eigentlich sollte es ihn gar nicht geben. Der Standort Feldkirchen der Fachhochschule Kärnten ist vom zuständigen Fachhochschulrat nie zugelassen worden. Ein vierter Standort neben Villach, Klagenfurt und Spittal wurde für unnötig befunden. Da im Jahr 2002 aber die schwarz-blaue Koalition regierte, konnte man die Zulassung nicht verhindern. Die zuständige Ministerin, Elisabeth Gehrer, unterschrieb den Akkreditierungsantrag aus Kärnten selbst. Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider sollte schließlich sein Konzept einer "dezentralen" Fachhochschule umsetzen können. Die Fachhochschule Kärnten hat nun angekündigt, den Standort Feldkirchen aufzulassen und die restlichen drei Standorte effizienter zu organisieren (derStandard.at berichtete).
"Offensichtlich hat man versucht Regionalpolitik statt Bildungspolitik zu machen", sagt der jetzige Geschäftsführer der Fachhochschule Kärnten, Siegfried Spanz im Gespräch mit derStandard.at über die Politik der Kärntner Landesregierung. Das Ergebnis: Nirgendwo sonst in Österreich ist die Fachhochschule so teuer. Ein Rechnungshofbericht aus dem Jahr 2008, der im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, ergab, dass ein technisches Studium in Kärnten pro Student rund 17.000 Euro kostet. An anderen FHs wird durchschnittlich 10.000 Euro für einen Studenten ausgegeben.
Zusammenlegung soll Synergien bringen
Derzeit sind die Studiengänge der FH Kärnten im ganzen Land verstreut. Eine Konzentration der technischen Studiengänge an einem Standort (in Villach) und eine Zusammenlegung der Studiengänge im Bereich Gesundheit (in Klagenfurt) würde Synergien bringen. Das Gebäude in Feldkirchen würde dann ab 2015 nicht mehr gebraucht.
Zu wenig Studenten
Grund für die hohen Kosten für die FH ist vor allem, dass die Studiengänge nicht ausgelastet sind und die Studentenzahlen nur langsam steigen. Der Fachhochschulrat gibt als Ziel für eine Fachhochschule mindestens 1.000 Studenten an, an allen vier Standorten der FH Kärnten kommt man allerdings nur auf 1.800. Der Rechnungshof fasste das Problem in einem Satz zusammen: "In Kärnten bestand ein Zielkonflikt zwischen einer Regionalisierung des Bildungsangebots (vier Standorte) und einer möglichst effizienten Organisation der Fachhochschule."
Regionale Wirtschaft ist abhängig
Dieser Konflikt besteht weiterhin. Als die FH Kärnten ankündigte, dass ihr Konzept für eine effizientere Studienorganisation auch eine Auflassung des Standortes Feldkirchen beinhalte, schlugen die Regionalpolitiker Alarm. Die Regionalzeitung sammelt Unterschriften gegen das Vorhaben und organisierte eine Podiumsdiskussion. "Durch die Fachhochschule entsteht für Feldkirchen eine Wertschöpfung von 4,7 Millionen Euro", erklärt Landeshauptmannstellvertreter Peter Kaiser (SPÖ) das Problem. Die Hoteliers, Gastronomen und der Handel hätten sich auf die Fachhochschule eingestellt.
Die SPÖ-Kärnten ist gegen ein Auflösung des Standorts Feldkirchen. Die Gemeinde hat einen roten Bürgermeister. Kaiser betont im Gespräch mit derStandard.at, dass es einen aufrechten Beschluss der Kärntner Landesregierung gäbe, der garantiere, dass es bei den FHs keine Veränderungen ohne die Zustimmung der Standortgemeinden geben dürfe. Er kritisiert vor allem, dass die FH das Strategiepapier veröffentlichte ohne zuvor mit der Gemeinde Feldkirchen zu sprechen. "So hat man sofort die Abwehrhandlung aktiviert", meint der Landespolitiker.
"Nicht einmal Bistro an FH"
Michael Berger, Vorsitzender der Kärntner Fachhochschulstudierendenvertretung wünscht sich vor allem gleichbleibende Qualität des Studiums für die Studierenden. Zudem sei zu garantieren, dass Studierende ihr Studium fertig studieren können und den Standort nicht während des Studiums wechseln müssen "Ich stehe einer Zusammenlegung positiv gegenüber", so Berger zu derStandard.at. Diese würde eine bessere Infrastruktur nach sich ziehen. Derzeit sei es nicht einmal möglich ein Bistro an einer Fachhochschule zu halten, da es nicht genügend Studierende gäbe.
Scheuch zwischen den Stühlen
Der zuständige Landesreferent Uwe Scheuch (FPK) steht zwischen den Stühlen. Bei der Übergabe der Unterschriften gegen die Schließung der FH in Feldkirchen meinte er "Ich sperre die FH nicht". Nun heißt es aus seinem Büro, dass Scheuch "Grundsätzlich für eine Kostenstrukturreform" ist. Kein Wunder: Immerhin müssen Länder und Gemeinden in Kärnten laut Rechnungshofbericht 53 Prozent der Finanzierung der FHs bezahlen. Und das obwohl es Studiengebühren gibt. In Oberösterreich, wo die FH ebenfalls vier Standorte und keine Studiengebühren hat, zahlen Länder und Gemeinden nur 36 Prozent. "Die Gesamtkosten je Studenten müssen sinken", sagt ein Mitarbeiter von Uwe Scheuch. Eine Standortzusammenlegung würde sich aus den Effizienzmaßnahmen ergeben. "Es nutzt aber nichts, wenn man einen Standort schließt und woanders wieder
aufstellt". Die FH-Kärnten wird von der Landesregierung allerdings kritisiert, weil sie noch keinen Detailplan vorgelegt hat.
Nachnutzungskonzept bis 2015
Uwe Scheuch hat mittlerweile neue Bedingungen gestellt. Der Standort Feldkirchen werde nur dann aufgelassen, wenn bis 2015 ein Nachnutzungskonzept für das Gebäude gefunden wird. Dieses Konzept soll mit der Gemeinde und der Fachhochschule erstellt werden. Scheuch kann sich vorstellen, dass Bildungs- oder Sozialeinrichtungen in das Gebäude einziehen. Für Peter Kaiser von der SPÖ scheint es unwahrscheinlich, dass die Gemeinde Feldkirchen einem solchen Nachfolger zustimmen wird. "Das müsste schon ein verdammt gutes Äquivalent sein", so Kaiser.
Umsetzung bleibt fraglich
Ob der Standort Feldkirchen nun tatsächlich aufgelassen wird, ist fraglich. Die Diskussion ist so alt wie die Fachhochschule selbst. Im Jahr 2003 hatte sich Haider gegen diese Forderung des Fachhochschulrates ausgesprochen. "Keiner versteht die Wendungen des Fachhochschulrates in Wien", hatte er gesagt. Damals wollte er sogar noch einen fünften Standort in Wolfsberg etablieren. Im Jahr 2005 stellte sich dieselbe Frage wieder. Die FH hatte eine Schließung der Standorte Villach und Feldkirchen angekündigt. "Die Standortverlegung von Spittal und Feldkirchen nach Villach soll spätestens bis 2010 abgeschlossen sein sobald für den jeweiligen Standort eine Nachnutzungslösung gefunden wurde", hieß es. Die Pläne sind am heftigen Widerstand der Regionalpolitiker gescheitert. (Lisa Aigner, derStandard.at, 20.7.2011)