Experte zur Abhöraffäre

"Es sieht nicht gut aus für Cameron"

Interview | Manuela Honsig-Erlenburg, 20. Juli 2011, 14:53
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    foto: center for british studies

    Gerhard Dannemann ist der Direktor des "Centre for British Studies" in Berlin.

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    foto: reuters/parbul tv via reuters tv

    Premier David Cameron im Parlament.

Für den Experten Gerhard Dannemann ist die politische Zukunft des Premiers gefährdet, zum jetzigen Zeitpunkt sieht er aber noch keinen Grund für einen Rücktritt

derStandard.at: Könnte der Abhörskandal Cameron tatsächlich die politische Existenz kosten?

Dannemann: Nicht zum jetzigen Stand, aber es sieht nicht gut aus für Cameron. Er ist einfach zu dicht dran gewesen an "News of the World" und wir wissen ja noch nicht alles. In den letzten Tagen haben die Briten Dinge erfahren, die vorher schwer vorstellbar waren. Zum Beispiel, dass Beamte von Scotland Yard angeblich geschmiert wurden, sich der zurückgetretene Polizeichef Paul Stephenson einen Kuraufenthalt bezahlen ließ. So könnte es sein, dass uns noch einige weitere Überraschungen bevorstehen. Das Gefährlichste für Cameron wäre es, wenn weitere Details bekannt werden, die ihn persönlich mit hineinziehen. Ein akute Rücktrittsnotwendigkeit sehe ich jetzt allerdings nicht.

derStandard.at: Eine zu enge Verflechtung mit der Presse betrifft ja nicht nur einen Premier Cameron.

Dannemann: Tony Blair war genauso dicht dran, die Verbindungen waren hier genauso eng. Er hat zwar seinen Pressesprecher Alastair Campbell nicht von der Murdoch-Presse übernommen, aber vom Daily Mirror. Die enge Verbindung zwischen den Medienwelten und der Politik ist ja nichts Neues.

derStandard.at: Wie stark ist der Einfluss Murdochs auf die wichtigsten Akteure der britischen Politik?

Dannemann: Diese Verflechtungen haben eine lange Geschichte. Schon am Anfang des vergangenen Jahrhunderts sprach man von den Pressebaronen der Fleet Street. Tony Blair hat diesen Verbindungen zu seiner Zeit allerdings mehr Priorität eingeräumt. Damit ist ein Teil seines Wahlerfolges 1997 zu erklären. Rupert Murdochs Einfluss ist umfangreich und nicht mit - zum Beispiel - der Kronenzeitung zu vergleichen. Hinter Murdoch steht ein wahres Medienimperium. Er besitzt ja nicht nur die "Sun" oder "News of the World" sondern auch noch die "Times" und zahlreiche Fernsehsender. Als Politiker darf man es sich mit so jemandem auf keinen Fall verscherzen. Und es gab auch keinen "zweiten Murdoch", gegen den man ihn ausspielen konnte.

derStandard.at: Wie nutzt die Opposition den Skandal?

Dannemann: Ed Miliband und die Labour-Partei verkaufen sich bisher recht gut. Obwohl Miliband ja selbst "Minister of the Cabinet Office" war, als er bei Brown eingestiegen ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er ein Jahr lang in dieser maßgeblichen Position nichts mit News International zu tun gehabt hat. Aber bisher ist darüber nichts in die Öffentlichkeit gedrungen. Noch besser machen sich die Liberaldemokraten. Es kam ja ans Tageslicht, dass der zuständige Minister, der Liberaldemokrat Vince Cable, gegen eine weitere Ausweitung der Aktivitäten von News International im Fernsehbereich war. Er wurde anscheinend von David Cameron zurückgepfiffen. Wenn das weiter thematisiert wird, könnten sich die Liberaldemokraten damit profilieren. 

derStandard.at: Welche Auswirkungen wird der Skandal auf das Verhältnis zwischen Politik und Medien haben?

Dannemann: Der "NoW"-Skandal kam ja dicht hinter dem Parlamentarierskandal, in dem die Bevölkerung feststellen musste, was sich einige Parlamentarier alles auf Steuerkosten finanzieren lassen. Das Vertrauen war damit weg. Jetzt beschädigt der Skandal ein weiteres Mal das Image der Politiker und außerdem der Presse und der Polizei. Dass man die Telefone von Milly Dowler, einem entführten und ermordeten 13-jährigen Mädchen und von Angehörigen von in Afghanistan gefallenen Soldaten gehackt hat, ließ eine gewisse Belustigung über das eine oder andere von der Regenbogenpresse abgehörte Telefonat von Prinz Charles einer kollektiven Empörung weichen. Was die Polizei betrifft: Die Metropolitan Police hatte eigentlich in Großbritannien einen sehr guten Ruf. Wenn sich aber herausstellt, dass ein Viertel der Presseabteilung von Scotland Yard für "News of the World" gearbeitet hat, und möglicherweise Polizisten bestochen hat, ist das Vertrauen in diese Institution weg. Ein Kommentator hat gesagt: "Jetzt bleibt nur mehr die Queen übrig".

derStandard.at: Inwiefern wirken sich die Rücktritte von Polizeichef Stephenson und seines Stellvertreters John Yates auf die Sicherheitssituation in Großbritannien aus, auch hinsichtlich der Vorbereitung der Olympischen Spiele?

Dannemann: Es war so, dass die beiden in der letzten Zeit mehr mit dem Skandal zu tun hatten, als mit ihrer Arbeit der Verbrechensprävention. Gerade bei Yates, der zuständig für Sicherheit und Terrorismusprävention war, hat sich das sicher negativ ausgewirkt. Ich denke, dass durch die Rücktritte kein großes Vakuum entstehen wird. Der Polizeiapparat wird außerdem nicht plötzlich funktionsunfähig, nur weil die Führungspersonen weg sind. (Manuela Honsig-Erlenburg, derStandard.at, 20.7.2011)

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Posting 1 bis 25 von 40
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lejanin
12
21.7.2011, 13:17
ja erstens

stimme ich dem zu was ich im radio für ein statement von Cameron gehört habe war je sowas von blöd:
er pocht auf die unschuldsvermutung .... andere medien machen es ja auch .....
da hätte er seinen mund halten sollen....tja

zweitens möchte ich schreiben dass wir es in österreich
trotz der paralellen zu britischen schwarzen humor etwas leichter haben mit die medien. okay in der zeit vom schüssel wurde ein privatradio die lizenz entzogen .... und ja der wrabatz ist eine politische gestalt sondergleichen... doch die zeitung österreich ist nicht wie news of the world oder die deutsche bild.

aber trotzdem glaube unsere höhere gesellschaftsschichten sind eine spur menschlicher und herzlicher als die britische.

eknaD
05
21.7.2011, 12:41

interessant ist auch wie es jetzt in den USA weitergeht.

"Relatives of victims of the September 11 attacks have asked to meet with the FBI and top members of the Obama administration about allegations reporters from one of Rupert Murdoch's British papers tried to hack the cell phone accounts of victims." (Artikel vom 18. Juli 2011)
http://www.911truth.org/article.p... 9032531337

sprung
 
00
21.7.2011, 14:45
Indeed,

nicht auszudenken wie die Republikaner bei den nächsten Wahlen dran wären, falls Fox News und Kollegen - und vielleicht sogar 20th Century Fox! - bis dahin schwer angeschlagen wären, oder ihnen zumindest genau auf die Finger geschaut wird!

world-citizen
00
21.7.2011, 12:10
Jetzt wäre eigentlich ........

........... die Stunde für Nick Clegg, sich endlich zu profilieren. Bisher fungierte er ja nur als Mehrheitsbeschaffer für Cameroon.

vogel von der walterweide
10
21.7.2011, 11:02
"Eine zu enge Verflechtung mit der Presse betrifft ja nicht nur einen Premier Cameron."

ja, das betrifft auch werner faymann.

Pezibärli
01
21.7.2011, 12:06
Also ich bin weder ein Freund von Faymann und schon gar nicht einer der Krone

aber ein Abhörskandal wie in England ist mir bei beiden bis heute nicht bekannt. Oder habe ich in der letzten Zeit etwas verschlafen??

Emet mTsiyon
25
21.7.2011, 09:34

Erschreckend, wie stark bei manchen die 9/11 Verschwörungstheorien wirken. Kaum ein Thema, bei dem diese kruden Theorien nicht hervorgezaubert werden. Ein interessantes Interview und dann fällt einigen nichts anderes dazu ein.

F S 3
17
21.7.2011, 16:40
Das wird genau so lange anhalten, bis die wahren Ursachen, die zum 9/11 geführt haben offengelegt sind. Murdochs offensichtliche Abhöraktion der 9/11-Opfer spräche ja bereits Bände. Doch wurde die Öffentlichkeit mit äußerst…

…dummen VTs derart beeinflußt -u.der liebe Rupert war da wohl federführend- daß selbst so ausnehmend intelligente Leute wie sie gezwungen sind so einen Stuß zu schreiben.

Sir Murdoch ist jenen Personen "tief verbunden",die aus der Sprengung der WTCs einen Mega-Rebbach erzielten.Der Ex-Golani/Haganah Feri Lowy-der zusammen mit Larry Silverstein das WTC leaste -für bloß (geborgte) 100 Mille- stammt aus der Slowakei u.ging nach seinem Isreal-Aufenthalt nach Australien,wo er mit Westfield ein Imperium aufbaute u.auch Mordoch kennenlernte.

Doch Dank Atta-Baba u.den fliegenden Teppichmesserbanditen (eine der VTs!) wurden aus den geborgten 100Mill. innerhalb eines halben Jahres echte 4,6 Mrd.US$. …

DAS nennt das FS3 wahres Fondsmanagement!

trollvottel
00
22.7.2011, 14:10

LOL ... die Sektierer von lunatic fringe checken ja nicht einmal, wenn in ihrem absurden Paralleluniversum nahezu wortgleich die Hetzlügen aus dem Propagandaheftl "Weisen von Zion" wiedergekäut werden.

Als Beleg dienen nur wildeste Spekulationen und "Dokumentarfilme" von Däniken-artigen Märchenerzählern und Psedo-Doku-Filmen (etwa "Mossad ermordet stocknüchternen, heterosexuellen Haider"-Autor Wisniewski im Koppverlag) ... und dass FS3 hier in typischer Neonazi-Manier den in Ö praktisch ausgestorbenen jiddischen Slang mit Bullshit von weltweiten Schläfenlockenimperien mischt, lässt deutlich vermuten, wo er politisch steht.

short cut
13
21.7.2011, 10:54
@Emet mTsiyon

Bin auch schon gespannt, wann endlich die Videoaufnahmen der Ueberwachungskameras rund um das Pentagon freigegeben werden, damit dieser Spuck endlich beendet wird.

Hansi Huber
00
21.7.2011, 08:11
"Es sieht nicht gut aus für Cameron"

Richtig übel wird es, sobald Murdoch sich via seiner Medien bei Cameron für die Demütigung vor dem Parlament rächt. Das wird grauslich und brutal.

Roter Baron
00
21.7.2011, 09:46

glaubst wirklich, dass der ferngsteuerte noch so lang lebt ?

Fritz Meyer
01
21.7.2011, 05:46
Die grosse "Renaissance" der Tories...

ist aufgrund der üblichen Befangenheiten schon wieder zuende?

Tja, Mr. Cameron, unter Ms. Thatcher wäre das nicht passiert. Da hätten's alle stillgehalten.

dummer Hans
23
20.7.2011, 22:26
abhören

Also man sollte nicht vergessen, dass z.B. das Abhören des Polizeifunks auch hierzulande zur Grundausbildung von Journalisten gehört(e). Schließlich begann auch der Herausgeber dieser Zeitung damit:-)http://www.falter.at/web/shop/... 6da6f86a6c

Emet mTsiyon
03
21.7.2011, 09:28

Ihr Posting zeugt davon, dass sie den Skandal um die Murdoch-Medien nicht begriffen haben.

Pezibärli
01
21.7.2011, 12:07
warum glauben sie den nennt er sich Dummer Hans??

Emet mTsiyon
00
21.7.2011, 13:08

Hmmm - gute Frage

Andreas Schneider
07
20.7.2011, 21:31

"Und es gab auch keinen "zweiten Murdoch", gegen den man ihn ausspielen konnte."

doch, den gab es - bis der einen "yachtunfall" hatte und murdoch sein imperium übernahm. kurzes gedächtnis?

sprung
 
02
21.7.2011, 07:48

Sie meinen wohl Robert Maxwell - Sehr interessant, danke für den Hinweis!

Und je weiter eins zurückblickt, umso grauslicher wird's:

Wie Alfred Harmsworth, der einst Propagandachef im 1.WK war und später, von seinen eigenen Zeitungen verachtet, meinte: "A bible and a gun are the last two friends I have."

Oder sein Bruder Viscount Rothermere, ein Hitler-Fan im Besitz von 70 Zeitungen, der alles in die Wege setzte um auch in GB die Faschisten an die Macht zu bringen - wo wären wir, wenn er nicht gescheitert wäre!

Oder Cecil Harmsworth King, der 1968 einen Putsch plante...

http://www.guardian.co.uk/commentis... fe-maxwell

eknaD
00
21.7.2011, 13:20

"Bekannt geworden ist Maxwell als „Pressezar” (unter anderem besaß er mehrere der auflagenstärksten britischen Zeitungen, darunter den Daily Mirror), als Besitzer eines von ihm gegründeten wissenschaftlichen Verlagsimperiums namens Pergamon Press. Dabei hatte er sich in eine schwierige finanzielle Lage manövriert, konnte die laufenden Kredite nicht mehr bedienen, fälschte Bilanzen und vergriff sich am Pensionsfonds seiner Mitarbeiter.

Robert Maxwell verschwand 1991 auf nicht geklärte Weise nackt von seiner Yacht in ruhigem Wasser. Sein Leichnam wurde in der Nähe von Teneriffa von einem Spanier aus dem Meer geborgen." (Wikipedia)

sprung
 
00
21.7.2011, 14:34
Eine solche Macht bringt scheinbar fast von selbst ein Missachten von Gerechtigkeit mit sich...

Eine Korrektur: Viscount Rothermere war nur ein Adelstitel von Harold Harmsworth, ein Wikipedia-Schnipsel dazu:

"In den 30ern tat sich Harmsworth als ein nachdrücklicher Unterstützer der Appeasement-Politik hervor, in deren Sinne er auch seine Zeitungen ausrichten ließ. Er traf sich mehrfach mit Hitler... 1934 unterstützten die Rothemere-Zeitungen die von Oswald Mosley geführte britische faschistische Partei... Laut erst 2005 veröffentlichten geheimen Regierungsunterlagen gingen seine Sympathien für den deutschen Nationalsozialismus so weit, dass er Hitler 1938 anlässlich des Einmarsches in das Sudetenland gratulierte." (leicht gekürzt)

Der heutige Viscount Rothermere, mit Thatcher verschwägert, hat übrigens auch einige Zeitungen geerbt.

667 one step ahead of the devil
010
20.7.2011, 20:37

in österreich würde jemand in der gleichen situation, in gleicher position genau keinen gegenwind spüren.
angenehm zu beobachten, daß es noch länder gibt wo die demokratie so halbwegs funktioniert.

1116er
17
20.7.2011, 18:57
widerwärtig, wohin man auch schaut.

ich möchte aber mal den blick auf ein bisher gar nicht erwähntes segment richten:
DIE KONSUMENTEN DER MEDIEN !

murdoch ist ein ar***. doch wie soll man die leute bezeichnen, für die er seine widerwärtigen machwerke verfasst hat? sind die jetzt plötzlich aussen vor?

wäre nicht ein viel zu großer teil der menschen eine schande für die spezies homo sapiens, dann hätte murdoch die zeitungen für sich selbst produzieren können.

was mich zusätzlich an der 'bevölkerung' anwidert:
das bespitzeln der königsfamilie ist ok.
das bespitzeln von politikern ist ok.

aber kaum trifft es leute wie du und ich: skandal!

Gerald Ruschka
04
20.7.2011, 18:55
Auweh!

Wenn man bedenkt, dass der aktuelle Strategieberater des österr. Bundeskanzlers nicht wie bei Cameron der ehemalige sondern der amtierende Chefredakteur der "Crown of the World" ist, dann schauts aber auch nicht gut für den Werner aus!!!

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