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Frankfurt/Main/Peking - In einer Weltpremiere erscheint das neue Buch des nach Deutschland geflüchteten chinesischen Dichters und Schriftstellers Liao Yiwu an diesem Donnerstag im Buchhandel. "Für ein Lied und hundert Lieder" (S. Fischer Verlag) schildert die Erlebnisse während seiner vierjährigen Haftzeit nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989. Vor dem Erscheinen übte die in China vom kommunistischen Parteiorgan "Volkszeitung" herausgegebene Zeitung "Global Times" scharfe Kritik an Liao Yiwu und beschrieb ihn als "in seiner Heimat wenig bekannten Schriftsteller".
"Wenn ihm das gegenwärtige System in China nicht gefällt, dann ist seine Wahl des "Exils" vielleicht der beste Weg, sein Problem zu lösen", kommentierte das Blatt. Seine Haft von 1990 bis 1994 wurde in dem Beitrag zwar erwähnt, aber nicht, dass Liao Yiwu wegen eines Gedichts zum Massaker am 4. Juni 1989 eingesperrt worden war. Vielmehr hieß es nur, Liao Yiwu habe ein "unglückliches Leben" geführt. Die Veränderungen in Chinas Gesellschaft hätten ihn nicht angesprochen. "Sein Hass auf das chinesische politische System lässt sich nicht auflösen", stellte der Kommentator fest.
China werde seine Reformen vorantreiben, sich aber niemals zu einem Land wie die USA oder Deutschland entwickeln. "Um den Aufstieg Chinas zu stören, mögen einige Dissidenten im Westen mehr geschätzt werden." Ihr Einfluss werde mit der vielschichtigen Entwicklung Chinas immer kleiner. "Die Mehrheit der chinesischen Bevölkerung hat sich niemals an ihn erinnert, und er wird auch bald von den Leuten im Westen vergessen werden", so der Kommentator der englischsprachigen "Global Times", die für ihre nationalistischen Töne bekannt ist.
Die chinesischen Behörden hatten Liao Yiwu (Jahrgang 1958) unter Druck gesetzt, seinen "Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen", so der Untertitel, nicht im Ausland zu veröffentlichen. So setzte sich der Autor vor knapp zwei Wochen nach Deutschland ab. Er rechnet vorerst nicht damit, nach China zurückkehren zu können. Er will zunächst in Berlin bleiben und am 10. September zu einer Reise in die USA, nach Australien und Taiwan aufbrechen.
"Für ein Lied und hundert Lieder" ist das zweite Buch des Dichters, das auf Deutsch erscheint. Bekannt geworden war er durch das Werk "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser", in dem er über das Leben von Menschen am Rand der Gesellschaft in China berichtet. (APA)
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