Bevor es ganz nach oben geht, heißt es für Gerlinde Kaltenbrunner schleppen, spuren, Route sichern, Lager einrichten - Kaltenbrunner: "Route deutlich steiler und anspruchsvoller als erwartet"
"Nach drei Ruhe- und Schlechtwettertagen sind wir wieder zu unserem Lager I aufgestiegen. Ab unserem Depot beluden wir unsere Rucksäcke wieder mit Absicherungsmaterial wie Haken, Eisschrauben, Firnanker und Fixseil. Einen der steileren Teile der Nordpfeiler-Route wollten wir in den nächsten Tagen versichern", berichtet Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner auf ihrer Homepage über die aktuellen Aktivitäten rund um den siebenten Versuch der Besteigung des 8.611 m hohen K2 im Karakorum.
Seit Wochen ist man nun dabei, das benötigte Material auf den Berg zu schleppen, die Routen zu sichern und die Lager einzurichten. "Schon bis Lager I hatten wir zum Teil knietiefen Schnee. Im zum Teil hüfthohen Schnee wühlten wir uns aufwärts,
kamen jedoch nur langsam voran. Der Aufstieg war kräftezehrend und im
oberen, deutlich steiler werdenden Teil des Schneegrates wurde es
lawinengefährlich", berichtet Kaltenbrunner via Newsletter.
Dieser Tage sind die Expeditionsteilnehmer damit beschäftigt, Lager II einzurichten. "Während wir uns Meter für Meter aufwärts arbeiteten, rann die Zeit nur
so dahin. Die
Route ist durchgängig sehr steil und wir werden noch einige Male
auf- und absteigen müssen. Deshalb wollen wir die Route bestmöglich mit
Fixseilen absichern. Ganz ehrlich: die Route ist deutlich steiler und
anspruchsvoller als von uns erwartet. Nach einem letzten, sehr heiklen und steilen Felsabschnitt erreichten
wir um 20:30 Uhr, über viele Stunden voller Konzentration, eine Höhe
von genau 6.600 Meter, wo wir unser kleines Zelt aufbauten", so die Gipfelstürmerin.
Weit unterhalb des Gipfels geht es bereits ans Eingemachte. "Wir hatten
große Mühe, nach 14,5 Stunden Aufstieg noch die nötige Flüssigkeit zu
schmelzen und zu uns zu nehmen. Die Abendstimmung in Worte zu fassen,
ist schier unmöglich. Der gesamte Horizont schien zu glühen und einmal
mehr erfüllte uns tiefe Freude. Eine Stunde vor Mitternacht lagen wir
endlich in unseren Schlafsäcken. Sehr, sehr müde."
Nach dem Einrichten eines lawinensicheren Depots am folgenden Tag trafen Kaltenbrunner und Partner Ralf Dujmovits nach zwei Stunden Abseilen in Lager I wieder auf die Kollegen der Expediton, danach ging es bei einsetzendem, starkem Schneefall weiter talwärts in Richtung vorgeschobenes Basislager.
Bereits am 30. Juni hatten die Expeditions-Teilnehmer rund um die österreichische 8.000er-Gipfelstürmerin das Basislager in China erreicht. Die früheren sechs Besteigungs-Versuche wurden allesamt von der pakistanischen Südseite in Angriff genommen, nun soll der Gipfelsturm über die wesentlich seltener bestiegene Nordroute versucht werden. Sollte der Alpinistin diesmal die Besteigung des K2 gelingen, wäre sie
die erste Frau, die alle 14 Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff
erklommen hätte. Der berüchtigte Berg ist der zweithöchste der Erde und gilt unter Bergsteigern als weit
anspruchsvoller als der Mount Everest (hon, derStandard.at, 20. Juli 2011)