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vergrößern 645x430Der Kost-Nix-Laden in der Zentagasse 26 im fünften Wiener Gemeindebezirk.
vergrößern 645x430Vor allem Bücherfreunde werden im Kost-Nix-Laden fündig.
vergrößern 645x430Drei Dinge darf jede Person pro Tag mit nach Hause nehmen.
vergrößern 645x430Wer auf der Suche nach Bekleidung ist, muss sich geduldig durch das Angebot wühlen.
vergrößern 645x430Bei einer Tasse Kaffee oder Tee kann man sich mit Mitarbeiter Helmut unterhalten und übers Leben philosophieren.
vergrößern 645x430Von Blumentöpfen bis über zu Videokassetten und Geschirr findet sich hier aller möglicher Hausrat.
Bücher und Kleidung stapeln sich bis unter die Decke. Die Regale sind voll geräumt mit Videokassetten, Elektrogeräten, CDs und allem nur erdenklichen Hausrat: Was wie eine Mischung aus Secondhand-Shop und Flohmarkt anmutet, ist der Kost-Nix-Laden im fünften Wiener Gemeindebezirk. Preisschilder findet man hier keine: Nach dem Motto "Geben und Nehmen statt Kaufen und Verkaufen" kann hier jeder ohne Geld "einkaufen".
Bei diesem Projekt ist die entscheidende Frage nicht "Was kostet das?", sondern "Brauche ich das?". Eine Gegenleistung wird für die mitgenommenen Sachen nicht gefordert. Man kann aber jederzeit Dinge, die man selber nicht mehr braucht und die sauber und funktionstüchtig sind, zum Weiterverschenken vorbeibringen.
Drei Mal pro Woche geöffnet
Den Kost-Nix-Laden in der Zentagasse gibt es bereits seit sechs Jahren und das mit Erfolg wie Martin beteuert, der das Geschäft ohne Bezahlung seit fünf Jahren einmal in der Woche betreut: "Je länger so ein Laden existiert, desto mehr Stammkundschaft kommt vorbei". An jenem Freitagnachmittag, als derStandard.at zu Besuch ist, herrscht ein beständiges Kommen und Gehen. Die Leute stöbern herum, suchen sich etwas aus, stecken es ein und verlassen - zum Teil wortlos - das Geschäft. Klarerweise ertönt keine Alarmanlage: Stehlen ist hier sozusagen erlaubt.
Eine junge Frau prüft sorgfältig die angebotene Kleidung: "Ich komme einmal im Monat hierher und nehme vorwiegend Gewand und Geschirr mit. Vor kurzem bin ich umgezogen und habe dabei einige Bücher und CDs ausgemistet und dann vorbeigebracht." Insgesamt hat der Laden an drei Nachmittagen in der Woche geöffnet.
"3-Teile-Regel"
Die Räumlichkeiten werden dem Kost-Nix-Laden vom Verein zur Erweiterung des künstlerischen und kulturellen Spektrums (V.E.K.K.S) kostenlos zur Verfügung gestellt. "Für uns ist das ein besonderer Glücksfall, denn die meisten Konst-Nix-Läden müssen sehr wohl Raummiete bezahlen", so Martin. Organisiert und betreut wird der Laden von der W.E.G. (Wertkritisch emanzipatorische Gegenbewegung), die ein Zeichen gegen die Konsum- und Wegwerfgesellschaft setzen will.
Bei jedem Besuch können pro Person drei Teile mitgenommen werden. Diese Regel sei laut Martin eine Art Schutzmechanismus, damit sich nicht manche Menschen möglichst viele wertvolle Dinge einheimsen, um sie anschließend weiterzuverkaufen. "Es gibt Leute, die das Ganze ausnutzen, aber es gibt auch immer wieder diesen 'Aha-Effekt', wo man dann merkt: Das Projekt setzt etwas in Gang", so Martin.
Die "3-Teile-Regel" ist jedoch durchaus flexibel. Eine ältere Frau präsentiert stolz ihren "Einkauf": 20 Bücher hat sie in ihrem Einkaufstrolley und in mehreren Plastiksackerln verstaut. Sie betont aber, dass die Bücher wieder zurückbringen werde, sobald sie diese gelesen habe. Martin findet das in diesem Fall ok.
Kein Sozialprojekt
Im Kost-Nix-Laden geht es aber in erster Linie nicht darum, Menschen mit Dingen zu versorgen, die sie brauchen. Mit dem Projekt will man viel mehr die Leute zum Nachdenken anregen und die Theorie der Wertkritik in der Praxis umsetzen. Die Theorie besagt, dass der Wert von Gegenständen kein objektiver, sondern ein gesellschaftlich vermittelter ist.
Geld gegen Ware und Ware gegen Geld zu tauschen, sei laut Martin eine Form der Vergesellschaftung, gegen welche die Betreiber des Kost-Nix-Ladens eintreten. "In unserer Gesellschaft geht es darum, Dinge zu verkaufen und einen Wert anzuhäufen und das ist eine Selbstzweckdynamik, die wir kritisieren wollen", erklärt Martin.
Es sei oft schwierig den Leuten zu vermitteln, dass der Kost-Nix-Laden kein Sozialprojekt ist, sagt Martin. "Es gibt Sozialprojekte, mithilfe derer gewisse Dinge besser verteilt werden können als durch den Kost-Nix-Laden. Auch wenn die soziale Verteilung nicht unser Ansatz ist, erfüllt unser Projekt natürlich auch diese Funktion."
Jeder kann sich engagieren
"Im Grunde kann jede Person, die Interesse hat vorbeikommen und sagen: 'Ich würde mich gerne ein bisschen engagieren' und letztlich läuft es darauf hinaus, dass man hier sitzt und den Laden betreut", sagt Martin. Das bestätigt auch Helmut: Er arbeitet seit ungefähr drei Monaten im Kost-Nix-Laden und fühlt sich hier ausgesprochen wohl: "Hier zu sein, bedeutet für mich eine schönere Freizeitgestaltung. Geben und Nehmen steht bei diesem Projekt im Einklang. Ein geldloses System ist eine gemütliche Geschichte."
Kost-Nix-Läden in Österreich
Die Idee des Kost-Nix-Ladens gibt es schon länger und kommt ursprünglich aus Deutschland. Dort findet sich in fast jeder größeren Stadt eines oder gleich mehrere "Exemplare". In Österreich sind momentan vier solcher Geschäfte in Betrieb: In Wien gibt's noch einen Kost-Nix-Laden im Gemeindebau Am Schöpfwerk und die Schenke im achten Wiener Gemeindebezirk. Ein weiterer Kost-Nix-Laden befindet sich in Innsbruck. (Elisabeth Mittendorfer, derStandard.at, 21.7.2011)
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dieses vertriebsmodell könnte einen wertvollen beitrag zur senkung unserer inflationsrate leisten.
(werd' als potenzieller großabnehmer demnächst mitsamt meiner scheibtruhe dort aufkreuzen und aufladen, was das zeug hält)
Ja bitte, wer, wo? Altkleidersammlung und Rumänienhilfe kenne ich, aber was mache ich mit gelesenen Büchern, einzelnen übriggebliebenen Geschirrteilen, ungeliebten geschenkten Deko-Sachen, nicht mehr ganz lupenreinen Kinderspielsachen, unbrauchbaren Spitzendeckerln von der Oma....
ich habe weder Zeit noch Lust, mich mit dem Zeugs auf einen Flohmarkt zu stellen und dann die Hälfte doch wieder mit heim nehmen zu müssen.
Ganz ohne ihr Zutun wird es wohl nicht gehen.
Es gibt von verschiedenen Organisationen immer wieder Flohmärkte, wo man noch brauchbare Dinge abgeben kann.
Kindersachen könnnen Sie z.B. auch bei der Aktion Leben abgeben (nach Rücksprache).
... die Sachen werden dann allerdings verkauft, nicht verschenkt, allerdings um sehr sehr wenig Geld.
Der Nachteil ist allerdings ein unsäglicher "gebrauchte-Kleidungs-Mief" - der in der Luft liegt und jeden Morgen ist der Eingangsbereich mit Sperrmüll verbaut, sei es, weil gut gemeint oder gut los geworden.
Aber er läuft trotzdem, der Shop, vermutlich geben sie auch nicht auf, weil das ein langjähriges Projekt der evangelischen K ist....
lassen tief blicken.
fehlt nur noch, dass nach der WEGA gerufen wird, um das organisierte verschenken zu unterbinden.
... erinnert mich an den mann, der aus freude über seine pensionierung geld an passanten verschenkt hat.
da war tatsächlich rasch die polizei zur stelle.
http://www.polizei.bayern.de/unterfran... tml/122513
potlatch to the people!
http://de.wikipedia.org/wiki/Potlatch
Coole Idee. Ich wünsche dem Laden und seinen BetreiberInnen alles Gute.
http://gedaunknsplitta.blog.de
Viele Dinge sind sowieso schon obsolet. Da kann man die ganzen DVDs vorbei bringen die jeder normale Mensch mit Internetanschluss eh nicht mehr kauft. Selbiges gilt für CDs...
Bücher wird es halt auch nur alte, grausige und uninteressante geben.
In der Bibliothek bekommt man dafür aktuelle Werke...
Der einzige Sinn ist die Freude an dem Projekt. Finde ich gut.
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