Lobbyistengesetz

Deutscher Experte: Sozialer Druck effektiver als Geldstrafen

Interview | Katrin Burgstaller, 20. Juli 2011, 10:28
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    Sozialer Druck wirkt besser als Geldstrafen, meint Dominik Meier.

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    Schwarze Schafe der Lobby-Szene auszuspühren sei nicht einfach, sagt Meier.

Politikberater Dominik Meier erklärt, wie man erfolgreich gegen schwarze Schafe vorgeht

Die Begutachtungsfrist für das Lobbyistengesetz endete gestern. derStandard.at sprach mit Dominik Meier, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung, über den Gesetzesentwurf. Meier hält hohe Geldstrafen für weniger sinnvoll, stattdessen sollte mehr Augenmerk auf die Selbstregulierung durch sozialen Druck gelegt werden. Im derStandard.at-Interview spricht er über die Schwierigkeit Lobbyingmissstände aufzuspühren und über die Notwendigkeit einer Registrierungspflicht für alle Lobbyisten.

***

derStandard.at: Sind sie überrascht, dass es nun in Österreich voraussichtlich relativ bald ein Lobbyisten-Gesetz geben wird?

Meier: Nach dem Fall Strasser ist das eine Konsequenz, die sich nicht vermeiden lässt. Wir in Deutschland versuchen über Selbstregulierung dieses Thema anzugehen. Ich finde es wichtig, dass in diesem Gesetz ein ganz grundsätzlicher Punkt geklärt wird. Nämlich, dass ein parlamentarischer Mandatsträger keine bezahlte Form von Beratungstätigkeit übernehmen darf. Wer berät, kann nicht gleichzeitig ein Mandat im Parlament inne haben.

derStandard.at: Der Gesetzesentwurf sieht die Registrierungspflicht für Lobbyisten vor, bei Zuwiderhandeln gibt es hohe Geldstrafen. Kann man so dem Problem beikommen?

Meier: Wir in Deutschland führen seit Jahren eine Diskussion darüber, wie die Selbstregulierung der Branche funktionieren kann. Der entscheidende Punkt ist die Sanktionierung. Wir haben ein komplexes Kontroll- und Sanktionierungssystem aufgebaut, das die Möglichkeit gibt, über sozialen Druck durch die Öffentlichkeit zu sanktionieren. Ein Politikberater lebt vom Vertrauen, doch wenn dieses Vertrauen in der Öffentlichkeit zerstört wurde, ist in Deutschland so eine Person aus dem Geschäft draußen. Sie bekommt keine Aufträge mehr. Wir konnten mit sozialem Druck eine Form von indirekter Sanktionierung schaffen.

derStandard.at: Hohe Geldstrafen sind also weniger wirkungsvoll als die konsequente Sanktionierung?

Meier: Ja. Politikberatung lebt von Vertrauen. Ist dieses erschüttert, bekommt die betreffende Person nur noch sehr schwer einen Auftrag. Das ist doch eine hohe Strafe.

derStandard.at: Im Gesetzesentwurf sind einige Interessensgruppen von der Registrierungspflicht ausgeschlossen. Zum Beispiel die Rechtsanwälte. Ist das legitim?

Meier: Ein Register, das die Rechtsanwälte nicht umfasst, ist aus unserer Erfahrung einfach nicht durchsetzbar. Die Rechtsanwälte betreiben in Brüssel und in Deutschland in einem großen Ausmaß Politikberatung. Auch Gewerkschaften sind eindeutig Lobbyisten. Alle Personen, die Politikberatung betreiben, müssen registriert sein. Hier greift der Gesetzesentwurf viel zu kurz. Es müssen für alle die gleichen Spielregeln gelten, sonst kann man das erwünschte nicht erreichen: Nämlich Transparenz, ethisches Verhalten und auch wieder Vertrauen in die Politik zu bringen.

derStandard.at: Rechtsanwälte sind im aktuellen Gesetzesentwurf nicht vorgesehen mit dem Argument , dass sie nur Rechtsberatung erteilen würden.

Meier: Es gibt in Deutschland Studien dazu, die das bestreiten. Interessenvertretung durch Rechtsanwälte ist genauso offen zu legen wie jene durch Politikberater. Es geht hier ja nicht um die persönlichen Geheimnisse von Menschen, sondern um Interessensbeeinflussung.

derStandard.at: Die Frage ist auch, welche Einrichtung Missstände im Bereich des Lobbying tatsächlich aufspüren und sanktionieren soll.

Meier: Außer in jenen Fällen, die ganz klar strafrechtlich relevant sind, ist es schwer, komplexe Fälle von Lobbying zu bewerten. Die Selbstregulierung ist der wichtigste Ansatz. Nur, wenn sie nicht funktioniert, muss der Gesetzgeber eingreifen. Ich warne in Österreich davor, zu überhastet ein Gesetz einzuführen, ohne zuerst die komplexe Materie der Regulierung und der Sanktionierung zu bedenken. In Deutschland müssen wir jeden einzelnen Verstoß im Bereich Lobbying minutiös prüfen. Das ist ein sehr komplexer Prozess in dem auch Experten gebraucht werden.

derStandard.at: Auch stellt sich die Frage, wie praktikabel ein Register ist, in dem die Lobbyingaktivitäten ständig upgedatet werden müssen.

Meier: Im Prozess des Lobbyierens ist wichtig zu wissen, in wessen Auftrag man arbeitet; die Kundenoffenlegung ist ein wichtiger Punkt. Bei der Finanzierung ist es wenig praktikabel, die konkreten Beträge zu nennen. Allerdings sollte transparent gemacht werden, in welcher Größenordnung sich die Lobbyaufträge abspielen, also ob es sich etwa um rund 5.000 Euro oder 100.000 Euro handelt.

derStandard.at: Sich als Politikberater selbst zu regulieren ist das nicht auch ein Widerspruch?

Meier: Als Berater, der ethisch und transparent handeln will, muss man sich jeden Tag die Frage stellen, was man darf und was nicht. Die Grenzen zu finden, ist in vielen Dingen nicht einfach. Wir veranstalten zum Beispiel für unsere Mitarbeiter regelmäßig Seminare, in denen ethische Verhaltensweisen trainiert werden.

derStandard.at: In Österreich wird durch das neue Gesetz ein Verhaltenskodex für Lobbyisten notwendig.

Meier: Interessensvertretungen sind jedoch von diesem Verhaltenskodex ausgeschlossen, mit der Begründung, für sie gelten ohnehin gesonderte Regelungen. Solange es für verschiedene Branchen verschiedene Verhaltenskodizes gibt, die dieselben ethischen Grundlagen haben, habe ich damit kein Problem. Branchenspezifische Besonderheiten sind zu berücksichtigen, aber es muss gewisse Grundregeln geben, auf die man sich verständigt.

derStandard.at: Wird sich durch das neue Gesetz die Zahl der schwarzen Schafe reduzieren?

Meier: Transparenz ist die Zukunft der Politikberatung. Es ist ein Irrsinn heute noch zu glauben, in einer solch komplexen Gesellschaft nur mit Hintergrundgesprächen in Hinterzimmern Politik machen zu können. Es wird immer schwarze Schafe geben, aber die Anzahl der schwarzen Schafe wird zurückgehen, weil sie damit nicht mehr erfolgreiche Politikberatung machen können.

derStandard.at: Wie sehen Sie die Funktion des Parlamentariers?

Meier: Die Funktion eines Parlamentariers ist nicht nur ein Job, sondern auch eine Berufung für eine gewisse Zeit gewisse Aufgaben zu übernehmen. Den Souverän - den Bürger - zu vertreten ist eine ganz besondere Herausforderung und Ehre. Mandat und sonstige Berufstätigkeit müssen sauber getrennt werden. Es muss offen gelegt werden, woher ein Abgeordneter sonst noch Einkünfte bezieht. Zu einer sauberen Trennung gehört auch die Offenlegung der Parteispenden. (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 20. Juli 2011)

DOMINIK MEIER, geboren 1969 in Offenburg, ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung und selbst als Politikberater tätig.

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1 2
Plausch ned, Peperl!
00
Österreichischer Experte: Geldstrafen - und zwar saftige - effektiver als sozialer Druck!

Und zwar Geldstrafen, die die Existenz ruinieren. Graf Ali am Sozialamt - das wär doch was!

Gary Knife
00
Hallo!

bei uns in Österreich sind es nicht nur ein paar vereinzelte schwarze Schafe, das ist eine riesige, unüberschaubare Herde von schwarzen (+ blauen) Böcken.

haiderland
00

Lobbyisten sind doch in jedem Fall nur die Vermittler von Schmiergeld!

Phönixe
00
24.7.2011, 10:39
Der Bock als Gärtner!

Mit Akribie wird Gesetz um Gesetz "geschaffen" um Staatsbürger zu knebeln; zum Besten Aller versteht sich.

Warum nicht auch Politiker und Verwalter streng breregeln?

Lauwarme Regelungen für Verbrechen? Das ist Vorschubleistung, eindeutig.

Ich klage das an - damit kein Funktionär sagt, das wurde nicht beklagt.

armin delmenhorst
 
00
22.7.2011, 09:01
Rat von einem Politikberater

sollte man natürlich unbedingt folgen. Wow, Unverfrorenheit siegt anscheinend immer. Da wäre es gleich besser, sie holen für die Ausarbeitung eines neuen Gesetzes Strasser, Grasser, Jarolim & Co. ins Boot.

bibi ohne mit zitrone
01
21.7.2011, 19:28

wurden sie in Ö gebildet?
muss Ö den ganzen mitteleuropäischen raum
bilden?

wieso wollen sich alle bei uns bilden?
obwohl wir pisamäßig so schlecht dastehen

und wir auch noch netto zahlen

bibi ohne mit zitrone
02
21.7.2011, 18:34

Ö braucht keine experten
Griechenland hät experten gebraucht
die ganze EU braucht für sich selber experten

Kräuterpfarrer Escobar
03
21.7.2011, 10:02
Sozialer Druck, Ethik?

Haha, gerade in Österreich! Sobald es nur einen Euro gibt, den sich ein Politiker in die Tasche stecken kann, nimmt ers. In Österreich gibts überhaupt kein Moralempfinden mehr bei den Politikern.

Deshalb werden von Politikern Wahlkarten gefälscht, Eurofighter-Millionen Schmiergeld aufgeteilt, bei der F hat sowieso schon fast jeder eine Vorstrafe, deshalb gabs überhaupt solche Schmierentheaterschauspieler wie der KHG, deshalb werden Parteispenden und die Parteifinanzierung geheim gehalten, während jeder Bürger von Kopf bis Fuss durchleuchtet wird, deshalb lässt man auf Druck von Russland Straftäter frei.

Sozialer Druck! Hahahaha, die brunzen sich vor Lachen ja in die Hose, auf ihrer Hängematte in der Karibik.

cipf
 
00
21.7.2011, 10:02

Netter Ansatz - aber warum nicht eine Kombination?

Gesellschaftliche Ächtung und eine so hohe Geldstrafe, dass er/sie nie wieder auf die Beine kommt. Pfändung auf das Existenzminimum, Ausreiseverbot und wöchentliche Meldung bei der Polizei.

Wer aus einem öffentlichen Amt heraus dieses dazu nützt, Gewinn zu ziehen, der muss hart bestraft werden.

Nutze den Tag
00
21.7.2011, 08:11
Ächtung ist die effektivste Prävention

und die reinigende Sühne die beste und billigste "Strafe".

Das Furunkel auf der Rübe
00
21.7.2011, 06:54
Gääähn!

Fritz Meyer
04
21.7.2011, 05:50
Gefängnisstrafen wären noch viel effektiver.

Aber das zu sagen würde diesem bezahlten Anzugträger sicherlich niemals in den Sinn kommen.

Jahn Petrov
00
21.7.2011, 01:32

Sozialer Druck durch einen öffentlichen Pranger und das nicht unter einer Woche. Daran glaub ich das das etwas bewirkt.

sloatvie
00
21.7.2011, 08:49

Willkommen im Mittelalter?????

BioLex .
02
20.7.2011, 23:25

kommt sicher nicht durch aber...
wieviel hat dieses 'Interview' gekostet?

Alois Rosenberger
01
20.7.2011, 23:03
Achtung, österreichische Sprachpolizei...

Schwarze Schafe gehören zum Schöpfungsplan, wohl vergleichbar mit schwarzen Menschen. Mißratene Zeitgenossen werden metaphorisch räudige Schafe genannt - schwarze Schafe hingegen sind wie solche mit weissem Fell etwas Liebenswürdiges und eine herzige Abwechslung der Natur.

Nicht alles Umgangssprachliche ist korrekt.

expat1
 
01
20.7.2011, 22:59

Weiss nicht recht ob sozialer druck funktioniert, und hohe Geldstrafen tuns auch nicht, wie waers mit langen Haftstrafen?

Bertel Mann
00
21.7.2011, 05:48
Das wäre so wie bei Steuerhinterziehung das einzige Mittel, das tatsächlich hülfe

cheap thrills
00
20.7.2011, 22:46
nice try.

thafritz
02
20.7.2011, 20:09

wie wärs mit ein paar kritischen fragen lieber standard, alternativ könntets ihr uns wenigstens erklären in welchem naheverhältnis der herr berater mit der zeitung steht

Sonstwer
04
20.7.2011, 20:01
also Deutsche Gesellschaft für Politikberatung

klingt für mich wie ein Zusammenschluß aller Lobyisten

und genau das wird dieser Verein vermutlich sein

Sonstwer
01
20.7.2011, 20:03
wenn ich mir die Linkliste auf deren Homepage anschaue

bestätigt das genau meine Vermutung

http://www.degepol.de/linkliste/

Frau, leicht anzwidert.
00
20.7.2011, 19:43
hat meier das interview nicht aus dem stand hingekriegt?

wenn man sich seinen letzten absatz anschaut, die im korrekturmodus tiefer gestellten "hinterzimmern politik"...

wenn es jemals eine schriftliche empfehlung für das lobbygesetz gegeben hat, meiers gebrabbel zählt dazu.

Naeich
 
00
20.7.2011, 19:00
Wieso nicht einfach ...

beides? Schliesst sich doch nicht aus.

Cayenne69
08
20.7.2011, 17:01
"...Selbstregulierung durch sozialen Druck gelegt werden."

Und schon hab ich aufgehört zu lesen...

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