Tochter Isabel wartet noch auf ballistische Ergebnisse
Santiago de Chile - Die Autopsie der exhumierten
Überreste von Salvador Allende stützt bisher die These, dass der
chilenische Präsident 1973 am Tag des Militärputschs gegen seine
Regierung Selbstmord beging. Seine Tochter, die Senatorin Isabel
Allende, sagte am Dienstag, die Gerichtsmediziner kämen zu demselben
Schluss wie die Familie Allende. Der Präsident habe am 11. September
1973 unter "extremen Bedingungen" beschlossen, seinem Leben ein Ende
zu setzen, "statt erniedrigt zu werden oder sonst etwas erleiden zu
müssen". Sie warte nun auf weitere, darunter ballistische Ergebnisse
der Autopsie.
Die im Mai begonnene Autopsie ist für die Dauer von drei Monaten
angesetzt. Der sozialistische Staatschef war nach dreijähriger
Regierungszeit während des Militärputschs von General Augusto
Pinochet gestorben, als die Luftwaffe den von Panzern und Soldaten
belagerten Präsidentenpalast angriff. Nach einer Autopsie in Santiago
de Chile teilten die Behörden damals mit, der 65-Jährige habe sich
selbst eine Kugel in den Kopf geschossen.
Im Jahr 2008 hatte der Gerichtsmediziner Luis Ravanal unter
Berufung auf die Autopsie nach Allendes Tod geschrieben, dessen
Verletzungen stimmten nicht mit der These überein, dass er sich
selbst erschossen habe. Der chilenische Journalist Camilo Taufic, der
ein Buch über den Putsch schrieb, vertritt die These eines
"unterstützten Selbstmords". Demnach soll ein Leibwächter Allendes
den tödlichen Schuss abgefeuert haben, nachdem der Präsident sich
eine Schusswunde beibrachte und sein Selbstmordversuch damit
scheiterte.
Nach Allendes Tod errichtete Pinochet eine Militärdiktatur, die
erst im Jahr 1990 endete. In dieser Zeit wurden etwa 3100 Menschen
getötet oder sind seitdem vermisst. Pinochet starb im Jahr 2006 im
Alter von 91 Jahren, ohne je verurteilt worden zu sein. (APA)