Otto Habsburg und die Feigheit des ORF

Kommentar der anderen19. Juli 2011, 19:52
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Ein Seufzer von Teddy Podgorski in Form eines offenen Briefes an den amtierenden ORF-GI

Lieber Herr Generaldirektor Dr. Wrabetz, obwohl Sie als derzeitiger Informationsdirektor sehr viel um die Ohren haben, muss ich Sie doch in dieser Funktion ansprechen.

Vor einigen Tagen rief mich einer Ihrer Mitarbeiter aus der Redaktion der beliebten Sendung Sommerzeit an und meldete mir seine Begeisterung über einen Film, den ich vor vielen Jahren in meiner Sendung Panorama über Dr. Otto Habsburg gemacht habe. Er wollte mich zur Einstimmung auf die große Habsburg-Würdigung des ORF für seine Sendung interviewen. Das wäre auch kein Problem gewesen, wenn ich nicht auf Urlaub am Mondsee wäre. - Kein Problem für einen Sommerzeit-Reporter: Er schickte ein Kamerateam aus Salzburg und seine Fragen per E-Mail.

1.) Wie kam es zu diesem Film?

"Otto von Habsburg war damals ein Thema der Tagespolitik und damit auch ein Thema des Kabaretts. Qualtinger und Bronner haben gesungen: "Wenn der gute Kaiser kommt zurück ..." Auch mein Film war eher kabarettistisch. Ich bin also mit dem Dr. Habsburg in einem Flugzeug geflogen, dessen Copilotentür ausgebaut war, um meinen Passagier filmen zu können. Dann filmten wir, wie der "Kaiser" vom Himmel kam und unterlegten das Lied "Wenn der gute Kaiser kommt zurück ..."

2.) Wie haben Sie ihn dazu gebracht, bei offener Tür im Flugzeug zu sitzen?

"Das war kein Problem. Er hat sich einen Hubertus-Mantel angezogen, den Trachtenhut aufgesetzt und sich winkend weit aus der Tür gelehnt. Angst hatte er keine. Ich glaube, er wäre sogar mit dem Fallschirm abgesprungen."

3.) Wie haben Sie überhaupt einen Termin bekommen?

"Die Hardliner der Monarchisten hatten damals ein Büro in Wien, die haben das organisiert."

4.) Welchen Eindruck hatten Sie von ihm und was würden Sie abschließend über ihn sagen?

"Der Schriftsteller Hans Sassmann hat vor dem Krieg ein Buch über die Geschichte der Österreichischen Monarchie herausgebracht unter dem Titel: Das Reich der Träumer. Otto war wahrscheinlich auch ein Träumer, ganz sicher sogar, und damit teilt er das Schicksal jedes Menschen, dessen Träume nicht in Erfüllung gehen. - Er wird belächelt."

So weit das Interview. Dass es nicht als Trailer für die geplante öffentliche Bestattungsoperette geeignet war, kann ich mir schon vorstellen. Es wurde also weggeschmissen. Okay.

Aber dass mich niemand davon verständigt, ist nicht nur eine journalistische Ungezogenheit, sondern auch ein schimmerndes Indiz für Feigheit, die ja, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, im ORF eine lange Tradition hat.

Betrachten Sie bitte mein Schreiben nicht als Beschwerde, sondern als Seufzer. (Teddy Podgorski/Kommentar der anderen, DER STANDARD, Printausgabe, 20.7.2011)

Hier bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Verschwinden die Nachrichten?"

  • Interview gestorben: Ex-ORF-Intendant Podgorski.
    foto: standard/newald

    Interview gestorben: Ex-ORF-Intendant Podgorski.

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