In China wurde nach Lecks die Förderung auf einem Ölfeld gestoppt - Die Behörden schwiegen wochenlang, bis die Havarie via Internet bekannt wurde
Peking/Washington - Der britische Mineralölkonzern BP kämpft neuerlich gegen einen Ölunfall in den USA. Eine wegen Reparaturarbeiten vom Netz genommene Pipeline in Alaska sei geplatzt, teilte das Unternehmen mit. Bis zu 16.000 Liter einer Mischung aus Methanol und öligem Wasser sollen ausgetreten sein.
Doch nicht nur in den USA sorgt Öl für Probleme. Auch in China, wo es bereits im Juni zu zwei Lecks in einem Ölfeld kam - die zunächst verschwiegen wurden. Der Umgang mit der Katastrophe in der Bohai-Bucht am Gelben Meer hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.
Die staatliche Ozean-Verwaltung (SOA) hatte wochenlang über die Lecks geschwiegen. Dann kam die Wahrheit auch nur langsam ans Licht - via Internet-Blogs. Erst als die Meereshüter zunehmend ins Kreuzfeuer gerieten, gingen sie in die Offensive und ordneten in der vergangenen Woche einen Förderstopp auf den zwei betroffenen Plattformen des Ölfelds Penglai 19-3 an.
Angeprangert werden jetzt ConocoPhillips China (COPC), die Tochter des US-Ölunternehmens aus dem Bundesstaat Texas, sowie seine Partner vom staatlichen chinesischen Ölkonzern China National Offshore Oil Corporation (CNOOC). Beide versichern, dass die Lecks inzwischen gestopft seien. Chinesische Beobachter zogen Vergleiche zur Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Auch wurde daran erinnert, wie im vergangenen Sommer das Ausmaß einer Ölkatastrophe an einer Pipeline nahe der Hafenstadt Dalian nicht offiziell mitgeteilt wurde.
Erst sechs Wochen nach Entstehen des ersten Lecks am Grund der flachen Bucht an der nordostchinesischen Küste enthüllten die Behörden nun, dass die Verschmutzung mit 4250 Quadratkilometern eine etwa fünfmal größere Fläche als die anfänglich zugegebenen 840 Quadratkilometern umfasst. Weitere 3400 Quadratkilometer seien in geringerem Maße verunreinigt, berichtete die Meeresbehörde. Zusammengenommen entspricht das einer Fläche, die größer als das Bundesland Salzburg ist.
Es waren chinesische Blogger, die die Ölunfälle am 4. und 17. Juni publik machten. Erst am 5. Juli traten die Meeresverwalter von der SOA an die Öffentlichkeit. Als der Druck zunahm, nahm die Behörde das Ölunternehmen ins Visier. "COPC hat es nicht geschafft, die Situation vollständig unter Kontrolle zu bringen. Seine Bemühungen, die Ursachen der Lecks zu finden und sie zu stopfen, waren langsam", begründete das Amt vergangene Woche den Förderstopp: "Ein weiteres Leck kann jederzeit auftreten, was eine enorme Gefahr für die Bohai-Bucht darstellt."
Nur 22.000 Euro Strafe
Kopfschütteln erntete in China auch die geringe Geldstrafe in Höhe von umgerechnet 22.000 Euro, die gegen ConocoPhillips verhängt wurde. Es ist die höchste vom chinesischen Gesetz vorgesehene Strafe - "minimal im Vergleich zu dem Schaden an der Umwelt", kommentierte China Daily und beklagte: "Es ist dieses hohe Maß an Toleranz und die nachsichtige Bestrafung, die es so schwer machen, den Kampf zum Schutz der Umwelt in China zu gewinnen." (dpa, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 20. Juli 2011)