Experte hegt Zweifel an Cyberwar-Plänen des Heeres

19. Juli 2011, 18:26
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"Die wahre Bedrohung liegt im schlampigen Umgang mit den IT-Systemen."

Wenn das Bundesheer die Bedrohung seiner Datennetze ernst nimmt und entsprechend nachrüstet, dann sei das natürlich sinnvoll, meint der IT-Sicherheitsexperte Robert Kolmhofer: "Aber 1600 Cyber-Warriors? Wo sollen die denn herkommen? Das ist doch lächerlich!"

Beschränkte Mittel

Den Plänen von Verteidigungsminister Norbert Darabos stünden beschränkte Mittel gegenüber: Kolmhofer hat selber an der Fachhochschule in Hagenberg rund 70 Heeresbedienstete in IT-Sicherheit geschult. Der Lehrgang wird nun auch von Studierenden aus dem Innenministerium belegt, was ebenfalls ein Fortschritt sei - aber noch kein umfassender Ansatz: "Bei Cybersicherheit weiß ja keiner, worum es eigentlich geht. Viele denken da an Angriffe aus dem Internet, weil darüber im Moment am meisten berichtet wird. Aber das ist erstens nicht neu, denn den ersten Computerwurm hat es schon vor 20 Jahren gegeben. Und zweitens übersieht man umso leichter: Die wahre Bedrohung liegt im schlampigen Umgang mit den IT-Systemen."

Bewusstsein

Dafür gebe es in Österreich kein Bewusstsein - die Politik wisse nicht einmal, wer für IT-Sicherheit überhaupt zuständig wäre. Zwar hat es einmal einen Vorschlag gegeben, ein eigenes Bundesamt dafür einzurichten - anders als in Deutschland, wo das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) geschaffen wurde, ist man in Österreich über die Idee nie hinausgekommen.

"Kiras"

Daher agiere jedes Ministerium, so gut es eben könne. Das Infrastrukturministerium hat sogar ein eigenes Forschungsprogramm aufgelegt: Das österreichische Förderungsprogramm für Sicherheitsforschung, "Kiras" , unterstützt nationale Forschungsvorhaben, "deren Ergebnisse dazu beitragen, die Sicherheit - als dauerhafte Gewährleistung eines hohen Niveaus an Lebensgrundlagen und Entfaltungsmöglichkeiten - für alle Mitglieder der Gesellschaft zu erhöhen."

CuteforceAnalyzer

Bei Kiras wird sowohl militärische als auch zivile Forschung betrieben - der CuteforceAnalyzer, den das Bundesheer entwickeln lässt, ist ebenso auf der Kiras-Agenda wie die Forschungsschwerpunkte "Achilles" , der die Achillesfersen der städtischen Wasserversorgung identifizieren soll, oder "Tumlon" , der natürlich vorkommende Hasenpest-Erreger von Bio-Kampfstoffen unterscheiden soll. (cs, DER STANDARD Printausgabe, 20. Juli 2010)

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