Die schwere Geburt einer Spitalsreform

19. Juli 2011, 18:08
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Die Mehrheit der Oberösterreicher glaubt an den Erfolg der Spitalsreform - Bettenabbau sei nur die Bekämpfung des Symptoms, hält Gespag-Vorstand Karl Lehner entgegen - Er will eine neue Finanzierungsstruktur

Linz - 778 Akutbetten und vier Abteilungen weniger an Oberösterreichs Landeskrankenhäusern - das ist ein Minus von neun Prozent - sowie die Schließung der gynäkologischen Abteilung in Gmunden: Mit diesen Einsparungsmaßnahmen soll erreicht werden, dass das Gesundheitssystem in Oberösterreich weiterhin finanzierbar bleibt. Vor der Sommerpause verabschiedete der Landtag deshalb die Spitalsreform. Durch das Zurückfahren des Krankenhauswesens sollen pro Jahr 366 Millionen Euro eingespart werden, was ein "Gesamtkostendämpfungspotenzial von 2,3 Milliarden Euro bis 2020 bedeutet", erklärte Landeshauptmann Josef Pühringer am Dienstag. Ab 2013 soll der Landesrechnungshof alle zwei Jahre überprüfen, ob die genannten Ziele auch erreicht wurden.

Pühringer, der laut den anderen Parteien im mitunter autoritären Stil die Reform vorbereitet haben soll, holte sich jetzt den Sanktus aus der Bevölkerung mittels einer Umfrage: "Es ist mir sehr wichtig, dass die Reform im Einklang mit einer großen Mehrheit der Bevölkerung steht." Deshalb hatte die ÖVP Oberösterreich bei Market eine Studie in Auftrag geben. "Die Notwendigkeit einer Reform wird darin in hohem Maß bestätigt", so der Landeshauptmann. Für 82 Prozent der Befragten sei die Reform "wichtig" oder "sehr wichtig". 64 Prozent halten die flächendeckende Gesundheitsversorgung "eher schon" oder "auf jeden Fall" für gesichert.

Fünf Häuser geschlossen

Bei der Spitalsreform waren auch Mitarbeiter der Gespag (Oberösterreichische Gesundheits- und Spitals-AG) laufend eingebunden; Oberösterreichs größter Krankenhausträger hat schon in den vergangenen Jahren einige einschneidende Veränderungen vorgenommen: Reduktion von 15 auf zehn Häuser und von 4600 auf 3800 Betten - bei gleichzeitiger Beschäftigungsgarantie. Sicherstellung der regionalen Versorgung und Beseitigung von Parallelstrukturen sind für Gespag-Vorstandsmitglied Karl Lehner die zentralen Elemente für die Reformbemühungen.

Grundsätzlich plädiert er aber für ein völliges Umkrempeln der Finanzierungsstruktur: "Derzeit werden nur die Symptome behandelt." Trotz der Einführung der leistungsorientierten Krankenhausfinanzierung (LKF) 1997, in deren Rahmen Eingriffe bepunktet und danach abgerechnet werden, seien "wesentliche Bereiche auch nach der Einführung des LKF-Systems nicht leistungsbezogen finanziert", schreibt Lehner in einer "kritischen Betrachtung" der österreichischen Krankenanstaltenfinanzierung, die in Buchform erschienen ist.

Ihm fehlen im Gesundheitssystem die Anreize, sparsam zu wirtschaften: "Ein Partner kann sich auf Kosten des anderen sanieren." So kommen etwa aufgrund der besseren Öffnungszeiten viele Menschen in (großteils von den Ländern finanzierten) Spitalsambulanzen, die genauso gut von niedergelassenen Ärzten behandelt werden könnten, die von den Kassen finanziert werden. Für Lehner sind die Ärzte "an den Tagesrandzeiten zu wenig verfügbar".

Die mangelnden Anreize würden durch "überbordende Planung" kompensiert. Nicht nur das Honorierungssystem will der Gespag-Vorstand daher deutlich vereinfachen; den Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) - Grundlage für die gesamte Planung im System - könne man auf die Hälfte seines Umfangs reduzieren. (Andrea Heigl, Kerstin Scheller, STANDARD-Printausgabe, 20.7.2011)

  • Vier Abteilungen werden an Oberösterreichs Landeskrankenhäusern 
geschlossen. Eine davon ist laut Spitalsreform die gynäkologische 
Abteilung in Gmunden.
    foto: standard/corn

    Vier Abteilungen werden an Oberösterreichs Landeskrankenhäusern geschlossen. Eine davon ist laut Spitalsreform die gynäkologische Abteilung in Gmunden.

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