Gebastelte Wirklichkeit

19. Juli 2011, 18:13
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Zum Abschluss des "Kulturmontag" kam ein Beitrag über das Projekt der Breakdancerin Silke Grabinger

Es war eine schöne Überleitung. Zum Abschluss des "Kulturmontag" im ORF kam ein Beitrag über das Projekt Versuchsperson der begabten österreichischen Breakdancerin Silke Grabinger (demnächst bei Impulstanz zu sehen), und gleich darauf folgend ein dreistündiger Mix aus Doku und Tanzfilmen mit dem Titel "Die lange Nacht des Tanzes".

Die ganze Schönheit hatte allerdings kleine Fehler. Reichlich provinziell ist es, Grabinger zu bejauchzen, bloß weil sie beim Cirque du Soleil mitgeturnt hat und eine boulevardkompatible Karriere hinter sich hat. Die Österreicherin Nicole Peisl, die ebenfalls ein (gelungenes) Stück bei Impulstanz zeigt, hat es fertiggebracht, bei William Forsythe zu tanzen. Das ist eine wirkliche Leistung.

Wunderbar, dass der ORF explizit das diesjährige Tanzfestival zum Anlass dafür nimmt, ein längeres Programm über Tanz in die Nacht zu schieben. Irritierend allerdings ist schon, dass die Moderation im Tanzquartier Wien stattfand, als wäre das die neue Impulstanz-Zentrale. Interviews mit den Leitern des Festivals oder des Hauses gab es keine.

Ein Grund dafür mag gewesen sein, dass das Programm der TV-Tanznacht absolut nichts mit den Programmen von Impulstanz oder Tanzquartier zu tun hatte.

Denn ORF-Kulturchef Martin Traxl verhökerte dem Publikum ein Programm, das keinesfalls, wie behauptet, repräsentativ für heutigen Tanz war, sondern eine beliebige Auswahl von Filmen aus dem Katalog des vorjährigen Dancescreen-Wettbewerbs des Wiener IMZ mit seiner etwas engen ästhetischen Ausrichtung.

Der ORF hat sich hier seine eigene Welt gebaut und sie als Realität präsentiert. Nicht gut. (Helmut Ploebst/DER STANDARD; Printausgabe, 20.7.2011)

  • Breakdancerin Silke Grabinger ist demnächst bei Impulstanz zu sehen.
    foto: screenshot/orf-tvthek

    Breakdancerin Silke Grabinger ist demnächst bei Impulstanz zu sehen.

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