Christian Felber: Auf bestem Weg in den globalen Bankencrash

Kommentar der anderen | Christian Felber, 19. Juli 2011, 18:41
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    foto: heribert corn

    Christian Felber

Der Zusammenbruch ist nur mehr eine Frage der Zeit - Eine Prophezeiung

Die Aneinanderkettung von Großbanken und Staaten hat ein Monster kreiert, das dem internationalen Finanzsystem zum Verhängnis wird: Der Zusammenbruch ist nur mehr eine Frage der Zeit.

***

Die Anzeichen für eine Serie von Staatsinsolvenzen verdichten sich. Das wirklich Düstere ist die logische Konsequenz: ein weltweiter Bankenkrach. Der Hauptgrund: das ungelöste Problem systemrelevanter Banken. Solange es sie gibt - und sie wurden in der ersten Krisenwelle sogar noch größer gemacht (Deutsche Bank, Bank of America), hängen Staaten und Systembanken auf schicksalshafte Weise aneinander und werden sich früher oder später gegenseitig niederreißen.

Der Reihe nach: Dass Griechenland nicht mehr gerettet werden kann, ist "gegessen". Die Frage ist nur, wann und wie tief der Schuldenschnitt kommt. Auch wenn die Staatsanleihen "nur" um 50 Prozent entwertet werden, müsste man eine Reihe griechischer Großbanken verstaatlichen, zumal die von ihnen gehaltenen Staatsanleihen bis zum Fünffachen ihres Eigenkapitals ausmachen. Werden ihre Schulden aber nicht bedient, tritt eine Kettenreaktion ein, die den Effekt des Teilausfalls der Staatsanleihen noch verstärkt. Das Eurosystem könnte den "Default" Griechenlands überleben. Doch in dem Moment, in dem Griechenland offiziell insolvent ist, beginnt die Wettjagd auf den nächsten Kandidaten; und wie es derzeit aussieht (Zinsbildung auf freien Märkten, private Ratingagenturen, freier CDS-Handel), endet die Jagd erst, wenn der Euro gefallen ist. Den Rettungsschirm kann man wegwerfen, sobald der erste "Elefant" um Rettung ansucht. Der Schirm beträgt jetzt "netto" 500 Milliarden Euro, Italiens Auslandsschuld 1,1 Billionen Euro. Selbst eine - politisch kaum tragbare - Schirmerweiterung auf 1,5 Billionen wird das Problem nicht lösen.

Zu erwarten ist, dass die "schwachen" Staaten zunächst die Banken in den "starken" Staaten mitreißen und diese wiederum "ihre" Staaten: Der deutsche Rettungsschirm umfasst 500, der österreichische 100 Milliarden Euro. Werden sie zur Gänze in Anspruch genommen, muss das noch nicht den sofortigen Staatsbankrott bedeuten, aber es beginnen dann ähnliche Dynamiken wie bei den mediterranen Vorreitern: Wucherzinsen, schlechtes Rating, Wetten auf Staatsinsolvenzen mit CDS ... Über kurz oder lang fallen alle.

Per 31. März 2011 stützte der österreichische staatliche Rettungsschirm die Banken in Österreich mit 26,5 Milliarden Euro (Kommunalkredit acht, Raiffeisen sechs, Erste fünf, Volksbank vier Bawag 0,5 Milliarden), bei der nächsten Welle könnte es um einiges mehr sein. Wenn die Staaten die Banken nicht mehr auffangen können, müssen die Banken verstaatlicht werden, was noch kein großes Problem sein muss: Die Staaten könnten das Kerngeschäft der Banken herauslösen und fortführen: Spareinlagen, Zahlungsverkehr, Kredite. Doch wenn die verstaatlichten Banken ihre Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen (können), weil die Staaten ja selbst insolvent sind, tritt eine weltweite Kettenreaktion ein: Banken müssen überall verstaatlicht werden und reißen - infolge der Verstaatlichung ihrer Schulden - weitere Staaten in die Insolvenz. Dann hilft vielleicht nur noch beten.

Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Die Herstellung globaler Finanzmärkte war ein politischer Systemfehler. Statt "allokativer Effizienz" wurde ein "Monster" (© Horst Köhler) kreiert, das sich gerade selbst zerstört und seine Meister - Staaten, allen voran die EU - mit in den Abgrund zieht.

Die Alternative besteht aus einem dichten Netz kleiner und vor allem gemeinwohlorientierter Genossenschaftsbanken und Sparkassen, ergänzt um konservativ agierende Landes- oder demokratische Banken. Das Gewinnmotiv hat bei den Banken genauso wenig zu suchen wie in Volksschulen, Pflegeheimen oder Stadtwerken. Würde man die gewinnorientierten Banken, wie es sich gehört, dem Markt überlassen, es hätte nie ein Problem gegeben: "Freier Markt" würde nämlich bedeuten: 1.) keine staatliche Garantie der Spareinlagen, 2.) kein Zugang zur Zentralbank, 3.) keine staatliche Kreditaufnahme, 4.) keine staatliche Rettung = die Banken müssen klein bleiben und werden nicht auf "systemrelevante" Größe zugelassen.

Doch genau das, die Heranzüchtung "global wettbewerbsfähiger" Großbanken, war das Ziel des EU-Finanzbinnenmarktes. Dabei wurde "übersehen": Global Player sind zwingend logisch zugleich systemrelevant. Ein Meisterstück der politischen Täuschung: Im Namen der Durchsetzung des "freien Marktes" wurde dieser zugleich abgeschafft. Die Öffentlichkeit wurde zum Narren gehalten. Das Grundmissverständnis der Neo-, Ordo- und Optimismusliberalen ist, dass der Staat die Banken nicht mehr regulieren kann, wenn er ihnen zunächst erlaubt, dem globalen Gewinnstreben zu frönen. Dann versuchen sie nicht nur jeden zu übervorteilen (z. B. die ÖBB, Landeswohnbaugesellschaften oder Gemeinden), sondern auch Gesetze zu beugen und Staaten zu korrumpieren. Mächtige Großbanken sind das Ende der Demokratie.

Die Aneinanderkettung von Großbanken und Staaten wird der EU gerade zum Verhängnis und führt sie auf einen Scheideweg: Auf der einen Seite wächst die Gefahr des Zerfalls und des Wiederauflebens des Nationalismus, auf der anderen winkt die Chance für einen demokratischen Neuanfang mit echter Subsidiarität, direkter Demokratie und alternativer Ökonomie. (Kommentar der anderen, DER STANDARD, Printausgabe, 20.7.2011)

CHRISTIAN FELBER ist freier Publizist und Mitbegründer von Attac Österreich. Zuletzt erschien "Die Gemeinwohl-Ökonomie" bei Deuticke.

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Alexander Patjomkin
12
24.7.2011, 14:39
Eine totale Umwälzung der ganzen Welt wird langsam überfälligfällig.

Zu viel Macht wurde in kleinen Gruppen konzentriert, die ja die Macht für eigene Ziele misbrauchen. Sowas
führt in jedem Gesellschftssystem früher oder später zur Explosion.
Es wird leider keine kontrollierte und friedliche Umwälzung sein.

Aktive Arbeitslose
21
22.7.2011, 15:45

Eine ziemlich platte und mechanistische (pseudorationale) Analyse des Geldsystems, das ja nicht im luftleeren Raum existiert sondern nur dank massiver Stützung durch die politischen Institutionen und unser Mitspielen funktioniert. Diese können durchaus, wenn sie wollen, den Wildwuchs wieder zusammenstutzen.

Auch die steigende Arbeitslosigkeit wäre in reichen Gesellschaft wie den europäischen durchaus lösbar, nur die Politik die WILL definitiv nicht dieses Problem lösen, denn ohne RÜCKVERTEILUNG der von einer kleinen kriminellen Oberschichte angehäuften Reichtümer sowie einer egalitäreren Verteilung von Arbeit und Einkommen geht das nicht.

Andreas Prucha
00
11.8.2011, 04:40
Vorsicht: Private Geldsysteme gab es schon, und die sind immer gecrasht. Das Zentralbanksystem entstand daraus.

Das Problem ist aber, dass die Zentralbank wie ein Bank geführt wird: Konzeptionell gewinnbringend aufgrund der Zinsen, die auch die Zentralbank verlangt. Von gewohnten Systemen wegzukommen ist aber extrem schwer.

Ich glaube die Politik hat einfach Angst, am System was zu drehen, weil es "immer schon so war". Die Politik weiss, dass sie eingreifen müsste, aber es gibt uneinigkeit *wie* und ausserdem wird ein Politiker fürs wenig tun weniger bestraft, als für was Falsches tun. Also lässt man alles so wies ist, und begüngt sich mit Schadensbegrenzung. Und es ist auch eine Ideologiefrage: Reagan glaubte an Trickle-Down (also gib den Reichen, dann kriegen auch die Armen). Nur das funkt nicht. Ich nehm ihm aber ab, dass er selbst glaubte.

Christian Felber1
00
22.7.2011, 12:56
Euro-Rettungsvarianten

Zusammengefasst:
A) Schulden übernehmen durch andere: keine Lösung
B) Schulden streichen: zu gefährlich, wegen Kettenreaktionen
C) Schulden tilgen über EU-weite Steuern = die Lösung, das habe ich schon früher im Standard und an anderer Stellte vorgeschlagen:
http://www.christian-felber.at/schaetze/... Felber.pdf

also dann ...
00
24.7.2011, 00:41
naja ... welche kettenreaktion denn ? die bil.summe der eurobanken allein beträgt 30.000 mrd

- bei einem eigekapital von 5 %
= 1.500 mrd !

selbst wenn man alle PIIGS-schulden (ohne neuverschuldung) bis 2015 von 750 nimmt
...und davon 50 % abschreibt
...ergäbe dies nur ca. 22 % des eigenkapitals der eurobanken.

im übrigen ...
was haben die schulden mit dem euro zu tun ?
richtig : (fast) nichts.
denn die steuerquote von GR, IRL, PT...
ist um ca 10 % PUNKTE U N T E R jener von DE,AT.
d.h.
es braucht keine eu-steuern ... sondern nur eine abg.quote der südeurop. länder auf dem niveau von Ö und D !

das hauptproblem...
des euro ...ist ein ganz anderes :
- lohndumping in D,A
- und zu höhe lohnstückkosten in südeuropa.

sie denken zu kurz,
ohne die makro-ökonomischen ursachen überhaupt zu kennen.

ich heisse jennifer aber jedoch.
11
22.7.2011, 10:15
Zinsen nehmen funktioniert nicht

ich kann nicht als Bank an meine ersten zwei Kunden je 100 ausgeben und am Ende des Jahres von jedem 105 zurückbekommen wollen. Wo sollen die 2 x 5 herkommen? Einer bringt mir die 105, dann hat er die 5 aber vom Anderen. Und dieser Andere ist dann der Depperte.

°<°~~
00
23.7.2011, 10:56

mann-o-mann!
äh, 'tschuldige:
frau-o-frau!!

Lesen Sie sich doch mal wenigstens das hier durch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Zins... nstheorien
Widerlegen Sie die ersten fünf Punkte. Wenn Sie das geschafft haben werden, müssen Sie sich noch die Theorien dazu durchlesen.
Und dann posten Sie nochmal, dass "Zinsen nehmen" nicht funktioniert. Die Menschheit hätte noch nicht EIN Haus gebaut.

Jimmy Deen
00
29.8.2011, 10:41
2

außerdem funktioniert geld anders. es wird als kredit, ist nur eine bilanzverlängerung der bank, geboren und muß vom kreditnehmer plus die nicht existierenden zinsen rückgezahlt werden.

Jimmy Deen
00
29.8.2011, 10:37

alles schön und gut. landwirtschaft funktioniert anders als geldschöpfung. landwirtschaft und wirtschaft sind real geldwirtschaft virtuell.

sie borgen ihr pferd ich gebe ihnen von meinem ertrag etwas (korn, blumen, was auch immer). allerdings brauchen sie auch keine erhaltungskosten mehr für das pferd zahlen, daß sie sowieso nicht nützten und wollen für 'entgangenen gewinn' zusätzlichen ertrag.
sie borgen sich geld (kredit) und zahlen mehr retour. wo kommt allerdings der zins her? er wurde niemals von banken ausgegeben!

ich heisse jennifer aber jedoch.
00
30.7.2011, 11:54
etwas verborgen (auch Geld) geht ja,

aber Zinsen nehmen dafür (s. Bsp. o.!) funktioniert nicht. Dinge oder Arbeitskraft (-zeit) kann ich auch jemandem borgen (beim Häuslbauen), ich werd in einigen Jahren beim Bau meines Hauses aber vom Anderen nicht verlangen, dass der wegen des vergangenen Zeitraumes um soundsoviel Prozent länger bei mir arbeiten muss.

°<°~~
00
30.7.2011, 13:11

Du hast nicht eine Zeile gelesen und weißt daher noch immer nicht, was Zins ist. Lies das doch mal.

Ein ganz simples Beispiel: Ich besitze ein Pferd, bin aber auf der Alm zuhause. Im Tal ist ein Bauer, der will sich das Pferd ganzjährig von mir leihen. Aber dann kann ja ich nicht damit wirtschaften. Aber er kann mehr Ertrag damit erwirtschaften als ich. Also verlange ich einen Teil dieses Gewinns (Zins) bzw. meinen Entgang als Leihgebühr und mache einstweilen Käse, weil ich ja kein Pferd mehr habe.
Das war jetzt ein bisschen Punkt 1 und 5. Wenn der Talbauer mir keinen Zins zahlt, kriegt er das Pferd nicht und das Gesamtsystem ist weniger produktiv.
Das war jetzt nur ein Beispiel, aber in dieser Weise schau dir den Link an, bitte.

Der Mann
00
17.8.2011, 09:53
warum

soll er das pferd nicht bekommen - da liegt ja der denkfehler.

wenn ich an das gemeinwohl denke, und das sollte man in einem staat oder generell, dann werde ich ihm natürlich das für mich weniger nutzvolle pferd überlassen, wenn er mehr daraus machen kann.

DENN - der mehrwert sprich die produkte kommen ja wieder der ALLGEMEINHEIT oder zumindest ihm zugute!

so ist das aber bei geld und zins eben NICHT.

denn zins ist kein "echtes" produkt sondern nur ein virtuelles konstrukt, welches viele arm macht und manche eben reich - das ist zins-imanent.

wer das nicht versteht, der braucht auch sonst gar nicht mehr mitreden, weil er eben offensichtlich nicht über die nötigen "system" ressourchen verfügt, um komplexe zusammenhänge zu verstehen.

°<°~~
00
18.8.2011, 09:35
1

Weißt du eigentlich, was du da sagst. Ich soll jemandem MEINE Produktionsmittel für NICHTS borgen? Dann werde ich verhungern. Du setzt einen egalitären, ja sogar schon kommunistischen Staat voraus ("jeder nach seinen Bedürfnissen"), ansonsten ist das Eigenwohl immer näher als das Gemeinwohl. Die Produkte kommen in meinem Beispiel eben nicht der Allgemeinheit und schon gar nicht dem Entleiher zugute.

°<°~~
00
18.8.2011, 09:34
2

Und natürlich ist Zins - auch - eine Entleihgebühr. Geld ist ganz was anderes als Zins, und außerdem ist Mehrwert kein Synonym für Produkte. Auch du, mein Sohn, warst nicht in der Lage, den simplen Wikipediaartikel zu lesen und aufzunehmen.

Dein letzter Absatz spricht aber für sich. So nach dem Motto: die Erde ist eine Scheibe und wer das nicht versteht, ist einfach zu dämlich! Du hast von Zins KEINE Ahnung, oder von Mehrwert oder von Geld. Aber du beschimpfst mich. Warum eigentlich? Weil du hoffst, dann schon als "Der Mann" zu gelten?

Andreas Prucha
00
28.7.2011, 20:22

Das Problem liegt nicht darin, dass vorhandenes Geld gegen Zinsen verliehen wird, sondern darin, dass *neues* Geld gegen Zinsen verliehen wird. Das macht eine schuldenfreie Gesellschaft tatsächlich unmöglich.

ich heisse jennifer aber jedoch.
00
22.7.2011, 10:10
Zinsen nehmen funktioniert nicht

Montevideo
01
22.7.2011, 09:17
Danke

Danke für diesen wertvollen Beitrag. In der "sympathischsten Zeitung Österreichs" wird der wohl leider nicht erscheinen.... :-)

ökolaus nicht nikolaus
00
21.7.2011, 15:02
na gut

da felber ....

aculus populus
 
00
21.7.2011, 15:47

bäckt selber :D

3ch0
01
21.7.2011, 10:48
"Wirtschaften wie noch nie! Alternative Ansätze im Diskurs.

hier die Podiumsdiskussion auf der Attac Sommerakademie mit Christian Felber, Brigitte Kratzwald, Dagmar Embshoff und Andrea Vetter...

http://ichmachpolitik.at/questions/1218

Trustme
01
21.7.2011, 09:50

Gutes Erfolgsbeispiel einer nicht-gewinnorientierten Bank, die die Interessen des Volkes (artikuliert durch die Politik) berücksichtigt ist übrigens die Hypo in Kärnten.

Takis
00
22.7.2011, 02:20

Die ist wohl wirklich nicht Gewinnorientiert, lol...
Verlustorientierung hilft der Gesellschaft leider auch nicht.

Poldi Fesch
00
21.7.2011, 11:30
:)))

psst, das ist doch DIE Ausnahme

Michael Colinas
00
21.7.2011, 00:31
Ich sehe nichts dergleichen.

" auf der anderen winkt die Chance für einen demokratischen Neuanfang mit echter Subsidiarität, direkter Demokratie und alternativer Ökonomie."
Ist er Esoteriker, Fantast, oder von was redet der?

bekennender Schlechtmensch
00
20.7.2011, 20:30
Uaaah, schnarch ...

Schon wieder Weltuntergang.

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