Reformagenda Föderalismus

Neues Rezept gegen Doppelgleisigkeiten

19. Juli 2011, 17:35

Das Verhältnis zwischen Bund und Bundesländern sei von einer Unkultur des Misstrauens geprägt, kritisiert Bundesrat Gottfried Kneifel (ÖVP) - wechselseitige Zustimmungsrechte gehörten abgeschafft

Wien - Wenn im Amt einer Landesregierung ein neuer Landesamtsdirektor bestellt wird oder wenn die Amtsorganisation geändert wird, dann muss der Bund dazu sein Placet geben. Auf diese Kuriosität der heimischen Verwaltungspraxis weist der oberösterreichische Bundesrat Gottfried Kneifel (ÖVP) im Gespräch mit dem Standard hin.

In der Praxis führe diese Doppelgleisigkeit dazu, dass etwa vor einer Landtagswahl Spitzenbeamte nicht neu bestellt werden können, weil eine auf Landesebene chancenreiche Partei den für die Ernennung notwendigen Ministerratsbeschluss bis zum Wahltag blockiert. Kneifel gesteht, dass sowohl SPÖ als auch ÖVP schon zu diesem Trick gegriffen haben.

Umgekehrt könnten die Länder durch ihr Zustimmungsrecht den Bund daran hindern, die Gerichtsorganisation zu ändern - "da hat jeder gegen den anderen ein Pfand in der Hand, das ist es, was uns fesselt", sagt Kneifel, der die Zustimmungsrechte generell streichen würde, um klare Verhältnisse zu schaffen.

"Überhaupt gibt es eine in der Verfassung festgeschriebene Unkultur des Misstrauens zwischen Bund und Ländern, das ist nur historisch zu erklären. In den 1920er-Jahren hat man vielleicht gefürchtet, dass sich ein Kommunist oder ein Nazi in einer Spitzenposition festsetzt, auch nach dem Zweiten Weltkrieg haben Ländervertreter der Bundespolitik misstraut und umgekehrt. Aber das sollte überwunden sein", sagt Kneifel.

Nach sechs Monaten Vorsitzführung im Bundesrat ist Kneifel überzeugt, dass die Länderkammer die Landtage entlasten könnte, wenn die Umsetzung von zwingenden EU-Bestimmungen in Landesrecht nicht von jedem Landesgesetzgeber einzeln, sondern durch einen Bundesratsbeschluss durchgeführt werden könnte.

Überhaupt sei der Bundesrat geeignet, alle Materien an der Schnittstelle von Bund, Ländern und Gemeinden zu behandeln. Deshalb hat der Bundesrat im Frühjahr auch (erstmals) einen eigenständigen Gesetzesbeschluss zustande gebracht - damit wurde die Kooperation von Gemeinden ermöglicht.

Im Lichte dieses Kooperationsangebots sieht Kneifel den steirischen Vorstoß, Gemeinden zusammenzulegen, kritisch: "Ich halte von solchen Kraftakten nichts - eine Zusammenlegung von Gemeinden kann nur von den Bürgern kommen." Besonders ärgerlich findet er die populistische Argumentation, dass eine Gemeindezusammenlegung die Kosten für Gemeinderatssitzungen einsparen könnte: "Wenn jeder von 13 Gemeinderäten 40 Euro Sitzungsgeld bei vielleicht vier Sitzungen im Jahr bekommt, kann man sich ausrechnen, dass da kaum ein Sparpotenzial liegt." (Conrad Seidl, STANDARD-Printausgabe, 20.7.2011)

Clemo
00
20.7.2011, 11:19
40 EUR Sitzungsgeld

Die 40 EUR sind wohl tatsächlich Peanuts. Aber wenn aus 2 Gemeinden mit je 1.000 Einwohnern nur noch eine mit 2.000 wird, dann lassen sich durch Bürgermeister, amtsführende Gemeinderäte, Mitarbeiter am Gemeindeamt, Bauhof und Co schnell niedere 6-stellige Beträge einsparen. Und das, obwohl natürlich je nach Größengrenze der Bürgermeister einer größeren Gemeinde mehr verdient und natürlich die Anzahl der Gemeindemitarbeiter auch wachsen muss.
Und bei Feuerwehr, Kanal, Volksschule und Co liegen dann die weiteren großen Ausgabenblöcke.

Wohlgemerkt, hier spreche ich nur vom sparen. Qualitätssteigerungen (längere Öffnungszeiten eines größeren Gemeindeamtes,) oder mehr Einnahmen (je nach Größengrenze steigen Umlagen) kommen noch dazu.

wrkskrfzk
00
20.7.2011, 16:25
Ja ja, es wäre so einfach....

Aber diskutieren Sie bitte mal mit einen Feuerwehrer Einsparungspotntial in genau seiner Feuerwehr. Mir ist eine Stadt in NÖ bekannt, die 6 Wehren hat. Alle 6 Jahre bekommt eine Wehr ein neues Auto. Nun sollte gespart werden und 1 (in Worten: nur ein) Jahr ausgesetzt werden.
Ein Ding der Unmöglichkeit. Niemand bei den Rotröcken konnte das verstehen, dass sich einmalig sein neues Auto um ein Jahr verzögern wird.

Aber abgesehen davon - denken Sie Ihren Vorschlag mal weiter. Die Gemeinden werden weiter zusammengelegt, bis sie eine Größe von 20-30.000 Menschen aufweisen. Dann das Gemeindeamt ein wenig Aufwerten (Paß, Führerschein etc) und wir brauchen keine BH's mehr.
Das ging ins Geld.....

christianr
02
20.7.2011, 10:52
die länderkammer

als regulativ des nationalrats ist eine direkte folge des föderalismus. länder abschaffen, bezirke zusammenlegen und aufwerten als regionalrechtsstellen, gemeinden als direkte bürgerservicestellen entsprechend ausstatten und mit erweiterten verwaltungsrechten versehen.

Clemo
01
20.7.2011, 11:26

Für mich ist die Frage, ob man 1 oder sogar 2 Ebenen abschaffen kann.
Wir haben EU (nehme ich als gesetzt), dann Bund, Land, Bezirk und Gemeinde.

Gemeinden vergrößeren ist eines (Zusammenlegen oder auf das Instrument des Gemeindeverbundes zurückgreifen, steht ja dick und fett in unserer Verfassung vom guten Herrn Kelsen)
Bezirke vergrößern was anderes (siehe Steiermark, oder auch Städte mit Statut)
Ändert aber nix an der Masse der Ebenen.
Und dann wäre da noch die Frage ob Ein- oder Zweikammernparlament und wie dieses wählen.
Wow, all das Zusammen anpacken, das wäre mein Traum. Es gibt viele Verbesserungsmöglichkeiten, die jedoch fairerweise, wie alle Änderungen, auch Risiken haben. Nur nix zu ändern erscheint mir als größtes Risiko

anton-aus-tyrol
 
01
20.7.2011, 10:28
Bundesländer abschaffen, Bundesrat aufwerten!

eine moderne Demokratie braucht ein zwei-Kammern System. Allerdings müsste, damit diese Einrichtung Sinn macht, auch der Klubzwang weg.

Alter Knochen
00
20.7.2011, 09:10

Schau schau, wie verzweifelt versucht wird, den Bundesrat bedeutender zu machen als er ist. Abschaffen, jetzt!

ProfKreuzundQuer
01
19.7.2011, 20:13
also ich halte den bundesrat für obsolet - in seiner ganzen bandbreite.

ein föderalismus wie er in österreich praktiziert wurde - und versucht wird weiter zu führen, ist wirklich nicht länger tolerierbar.

alleine die geldvernichtungsmaschine agrargemeinschaften in tirol ist ein witz.

der alte lh gehört posthum geteert und gefedert dafür!

und jeder provinz lh will heute seine spitäler, privat-unis und landes-bundesheer-kommandaturen einzementieren.

alles ein schlechter witz!

locken
00
19.7.2011, 18:30
Bundesrat abschaffen Ausgedinge für abgehalfterte Politiker

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