Hinweise auf "ethnische Säuberungen"
Nairobi/Khartum - Rebellen aus der westsudanesischen
Konfliktregion Darfur beteiligen sich nach eigenen Angaben an den
Kämpfen gegen die sudanesische Armee in Süd-Kordofan. Die Region im
Süden ist das einzige ölproduzierende Gebiet des Nordens. Der
ölreiche Südsudan wurde vor zehn Tagen ein unabhängiger Staat.
Zusammen mit den Truppen der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee
(SPLA) habe die "Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit" (JEM)
einen Militärstützpunkt in Süd-Kordofan zerstört, berichtete die
"Sudan Tribune" am Dienstag in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung
auf JEM-Sprecher Ali Wafi. JEM ist die größte der Rebellengruppen in
Darfur und hat gedroht, ihren Kampf auf die sudanesische Hauptstadt
Khartum auszudehnen.
Schon seit Mai wird Süd-Kordofan von heftigen Kämpfen erschüttert,
die Zehntausende in die Flucht trieben. In dem Teilstaat leben viele
Schwarzafrikaner, die sich kulturell mit dem Süden verbunden fühlen.
Eine Gouverneurswahl, bei der ein Vertrauter des sudanesischen
Staatschefs Omar al-Bashir siegte, löste die jüngsten Unruhen aus.
Die Vereinten Nationen warnen vor Kriegsverbrechen in Süd-Kordofan
und klagen wie das Internationale Rote Kreuz über mangelnden Zugang
zu den mehr als 70.000 Flüchtlingen in der Region.
Bürgerrechtsgruppen sprechen von "ethnischen Säuberungen" in
Süd-Kordofan. Ein von Hollywoodstar George Clooney unterstütztes
Satellitenüberwachungsprojekt berichtete vor wenigen Tagen über
Hinweise auf Massengräber.
Gegen Bashir besteht seit 2009 ein Haftbefehl des Haager
Internationalen Strafgerichtshofes wegen Verbrechen gegen die
Menschlichkeit in Darfur. Dort sind seit 2003 nach UNO-Schätzungen
300.000 Menschen gewaltsam umgekommen. Mit der durch Referendum
beschlossenen Sezession des Südens verlor der Sudan, bisher größter
Flächenstaat Afrikas, rund zwei Drittel seiner Ölquellen. (APA)