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"Oft interpretieren Ersthelfer wenig Blut als viel Blut, weil sie keine Erfahrung damit haben", erklärt Frido Schrott, Sanitäter und Lehrbeauftragter im Ausbildungszentrum des Wiener Roten Kreuzes.

Auch wenn es so ausschaut, als ob der Betroffene verbluten würde, gilt die eiserne Regel: niemals abbinden! Die erste Hilfe bei stark blutenden Wunden ist immer der Fingerdruck und wenn möglich Druckverband (Bild).

Was tun, wenn das Blut wirklich schwallartig kommt, weil die Arterie verletzt ist ist und Fingerdruck und Druckverband die Blutung nicht zum Stillstand bringen? Folgende Maßnahme ist nur geübten Sanitätern vorbehalten, weil es ohne Übung sehr schwierig ist, die richtige Stelle zu finden. "In der Achsel zum Arm hin, wo der Bizeps beginnt, ist eine Stelle, die beim Reindrücken weh tut. Das ist die Hauptschlagader..."

Am Bein ist es für die Sanitäter schwieriger: Die Hauptschlagader ist hier mindestens so dick wie ein Gartenschlauch. Da muss der Sanitäter schon einmal mit der Faust voll in die Leiste reindrücken." (Schrott)
"Es schneidet sich jemand den Finger auf und es rinnt viel Blut herunter. Der Laien-Ersthelfer sagt: 'Boah, so viel Blut', und bindet den Finger ab", schildert der Sanitäter und Lehrbeauftragte im Ausbildungszentrum des Wiener Roten Kreuzes Frido Schrott einer Gruppe angehender Ersthelfer. "Im Krankenhaus muss dann im schlimmsten Fall der Finger amputiert werden", schließt er mit drastischen Worten und erklärt, wie sich der Glaube, einen stark blutenden Körperteil abbinden zu müssen, über Generationen ins kollektive Gedächtnis einnisten konnte:
"Das Abbinden eines Körperteils kommt aus Kriegszeiten, wo eine Masse von Verletzten auf den Schlachtfeldern lag. Damals musste man stark blutende Körperteile abbinden, weil keine Rettung und kein Krankenhaus in der Nähe waren und die Verletzten tatsächlich verblutet wären. Bis vor wenigen Jahren war bei stark blutenden Wunden das Abbinden Lehrmeinung in der Ersten Hilfe. Nicht zuletzt deshalb kommt es auch heute vor, dass Laien-Ersthelfer viel zu schnell Körperteile abbinden, obwohl es gar nicht notwendig ist. Außerdem binden Laien oft mit dünnen Materialien wie Draht ab, was zu Gewebeschäden führt. Es gilt die eiserne Regel: niemals abbinden! Das darf nur der Rettungsdienst und auch der nur im Extremfall. Die Gefahr des Verblutens, bevor die Rettung eintrifft, besteht nur dann, wenn die Hauptschlagader getroffen ist, wobei wir gleich beim nächsten Mythos sind...", leitet der Rotkreuzvortragende über.
Noch ein Mythos: "Der Verletzte verliert literweise Blut!"
"Oft interpretieren Ersthelfer wenig Blut als viel Blut, weil sie keine Erfahrung damit haben", erklärt Frido Schrott. "Würde ich diese Tasse mit ca. 125 Milliliter mit Blut füllen und über mein Gesicht schütten, wäre das furchtbar viel Blut. Es ist aber für den Körper leicht entbehrlich. Beim Blutspenden wird fast ein halber Liter Blut abgenommen. Der menschliche Körper verfügt über fünf bis sieben Liter. Eine starke Blutung kommt stoßweise. Erst dann handelt es sich um wirklich viel Blut. Die erste Hilfe bei stark blutenden Wunden ist immer der Fingerdruck. Dieser besteht aus zwei Teilen: ein, zwei Finger - wenn möglich natürlich mit Einweghandschuhen - fest auf die Wunde drücken und den blutenden Körperteil hochhalten. Zur Erklärung: Zudrücken, weil das wie ein Stöpsel wirkt. Hoch halten, weil es dann den Körper nicht mehr interessiert, einen Körperteil mit Blut zu versorgen, der höher als das Herz liegt."
Hauptschlagader abdrücken
Was tun Sanitäter, wenn die Oberschenkel- oder Armarterie verletzt ist, das Blut stoß- oder schwallweise aus der Wunde kommt und der Fingerdruck beziehungsweise der Druckverband nicht ausreichen? "Die Hauptschlagader an der Innenseite des Oberschenkels oder an der Achsel zudrücken. Mit vollem Körpereinsatz", betont Frido Schrott. "In der Achsel zum Arm hin, wo der Bizeps beginnt, ist eine Stelle, die beim Reindrücken weh tut. Das ist die Hauptschlagader. Da arbeitet das Sanitätspersonal mit Fingerdruck. Am Bein ist es schwieriger. Die Hauptschlagader ist hier mindestens so dick wie ein Gartenschlauch. Da muss man mit der Faust voll in die Leiste reindrücken." Den Erfolg erkennt man, wenn die Blutung zum Stillstand kommt.
Aber was tun, wenn das Bein abgetrennt ist? Dann muss ich ja abbinden... "Nein, denn meistens blutet eine Amputation anfangs wenig oder gar nicht. Kommt es dann nach einer Zeit doch zu einer zunehmenden und dann starken Blutung, muss man versuchen, direkt an der Wunde die Hauptschlagader zu erwischen und so lange zuzudrücken bis die Rettung übernimmt", erklärt der Rotkreuz-Sanitäter und Lehrbeauftragte und gibt eine kleine Übung für Zuhause mit: "Nehmen Sie ein Achtelliterglas, füllen Sie es mit Wasser und leeren Sie es aus. Es wird Ihnen furchtbar viel vorkommen", schließt Frido Schrott den vierten Teil seiner Mythen der Lebensrettung. (Eva Tinsobin/derStandard.at/25.07.2011)
>> Was tun bei starker Blutung? Fingerdruck und Druckverband
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1) Amputation oder Teilamputation
2) Ein Schadensfall, bei dem die Menge der Verletzten die Menge der Ersthelfer deutlich übersteigt (hier darf die Abbindung gelöst werden, wenn Ressourcen freiwerden und die Abbindung nicht länger als eine halbe Stunde liegt).
3) Der betroffene Körperteil ist nicht zugänglich für weitere Versorgung (steckt fest; auch diese Abbindung darf wieder gelst werden).
4) Mehrere Verletzungen am selben Körperteil, die nacheinander versorgt werden. (Abbindung wird nach Versorgung gelöst).
5) Nicht kontrollierbare Verletzung mit Beteiligung der Oberschenkelarterie (A. femoralis). Wird nicht mehr gelöst.
Immer die Zeit dazuschreiben!
Ja, für Sanitäter. Da haben Sie recht. Aber es geht hier um Laienpersonal, da sind die Indikationen anders und Ihr Posting kontraproduktiv um den Menschen eben diese Mythen auszutreiben.
Aber damit ich Sie auch lobe: Brav, das können Sie sehr gut auswendig! :)
Wenn man den Menschen sagt: "Tut's nicht abbinden! Nie, unter gar keinen Umständen!" dann muss man fairerweise auch dazusagen, wann man es dennoch machen sollte. Und bei einer Amputation oder Teilamputation macht's ja Sinn. Und ich denke, dass derartige Indikationen zumindest anzumerken sind. Es geht ja nicht darum, nur die Mythen auszutreiben - man sollte sie besser noch durch sinnvolle Handlungsweisen ersetzen. Erste Hilfe kann NIE - NIE - NIE genug gelernt werden. Je mehr Menschen mit dem praktischen und theoretischen Wissen der ersten Hilfe ausgestattet sind, desto sicherer wird die Umgebung - ganz ohne Stadtwache.
Das würde einem schon helfen, die Lage abzuschätzen. Aber bei einem Kind oder einem alten Menschen, der schon schwach auf den Beinen ist, schaut die Sache wieder anders aus. Wenn ein alter Mensch schon an Sauerstoffmangel leidet, wird ihm das Blut mehr abgehen als einem jungen.
also:
starker Blutverlust muss verhindert werden indem man direkt einen Finger in die Arterie steckt.
Sollte es mehr als eine Person sein, wie bei einem Autounfall möglich, muss man Abbinden, wenn die Person bewusstlos ist. Wenn er bei Bewusstsein ist, kann er sich die Wunde auch selbst zu halten
Das wichtige ist, das man dann die Körperteile nicht von komplett von der Blutzufuhr trennt sonst sterben diese ab. regelmässig das Abbinden lockern und wieder festziehen. (falls es mehrere Verunfallte sein sollten)
Passanten oder Schaulustige muss man mit lauten klaren Worten ansprechen, sonst machen die Deppen vor lauter Schock nichts.
Bei einem schweren Motorsägenunfall meines Freundes im Wald (dort funktionieren auch keine Handys) hab ich zuerst mit der Hand den stark blutenden, sehr tiefen Schnitt zugehalten. Nach dem Abbinden versuchten wir dann aus unserer Kleidung eine Art Druckverband hinzubekommen, ohne Abbindung hätte der Hilfsverband aus ungeeigneten Hemden wegen der Blutung wohl nicht gehalten.
Es sollte im Artikel auch erwähnt werden, wie man richtig abbindet, nämlich breit und grossflächig und nicht mit letzter Kraft zuziehen. Und, wie Sie sagen, immer wieder mal lockern für die Zirkulation.
Er war bei Bewusstsein, konnte das selber machen und ich ging dann Hilfe holen. Danach wurde er wieder gesund.
Er war bei Bewusstsein
Wie Sie sagen, haengt alles von der Situation und auch von der Lokation ab.
Ich hab vor ein paar Jahren einen Erste Hilfe Kurs in Kanada gemacht und natuerlich wird dort ein sehr unterschiedliches Vorgehen gelehrt als in Wien (wenn Hilfe erst in mehreren Stunden kommt, muss man abbinden, etc....
Das Gleiche gilt natuerlich auch in Oesterreich bei Alpinunfaellen bei schlechtem Wetter, etc....
wirklich wichtige informationen hier, danke an den standard für diese serie...der zivi beim asb is auch scho länger her und da hats auch noch ganz andere vorgaben gegeben...aber gerade bei der ersten hilfe ist es sehr wichtig auf dem aktuellen stand zu sein..
ich würde mich freuen wenn diese informationen ein weiteres publikum erreichen würden...dann würd ich mich bisschen sicherer auf der strasse fühlen...
wieso nicht, sagen wir, ein mal in der woche eine halbstündige "serie" im orf bringen wo die wichtigsten sachen erklärt werden??
würd mal tippen weil sich bis auf sehr interessierte keiner eine halbe stunde ansieht bzw. den inhalt merken kann. genau das ist ja der vorteil bei einem echten kurs das man einen teil des gezeigten zumindest an einer puppe ausprobiert.
da wäre es taktisch vermutlich besser das als 1-2-minütige einschaltung im öffentlichen inetresse zu bringen mit einem link zu entsprechenden online-inhalten für weitere informationen...
ja mag durchaus sein!
dann auch gleich erste hilfe unterricht in die schulen (gibts sowas in österreichischen schulen? kann mich zumindest nicht mehr daran erinnern...) das gibts in vielen anderen ländern auch, ich glaub das wär schon recht sinnvoll, gerade weil sich eben besagter wissensstand so schnell ändert...
Aber wäre nicht bei schweren Fällen zumindest ein teilweises Abbinden sinnvoll? Also nicht so stark, dass man die Blutzufuhr komplett abschnürt, aber so, dass der Fluss zumindest etwas eingeschränkt wird und zusätzliche Maßnahmen (etwa das Zuhalten der Arterie) einfacher sind, weil eben nicht mehr gar soviel Blut durchfließt?
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