Brüssel vs. Straßburg

EU-Parlamentarier haben "Stressburg" satt

Florian Niederndorfer, 20. Juli 2011, 14:15
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    foto: reuters/vincent kessler

    Große Runde in Straßburg.

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    foto: epa/olivier hoslet

    Nach einem Teileinsturz der Parlamentsdecke mussten zwei Sitzungen 2008 außerplanmäßig nach Brüssel verlegt werden.

  • Der offene Brief der EU-Parlamentarier an Bundeskanzlerin Merkel - zum Download.

  • A Tale of Two Cities: Der Bericht der Studiengruppe zum Umzug von Straßburg nach Brüssel - zum Download.

Offener Brief an Merkel weist auf "Absolute Mehrheit" für Umzug vom Rhein nach Brüssel hin - Frankreich seit jeher dagegen

Nicht nur am Straßburger Dom pfeifen es die Spatzen vom Dach, sondern auch drei Kilometer weiter flussaufwärts, wo das EU-Parlament tagt, hat der Wind sich gedreht. "Stressburg", wie die hübsche Stadt an der deutsch-französischen Grenze am Rhein von EU-Parlamentariern despektierlich genannt wird, könnte schon bald als Tagungsort ausgedient haben. Erstmals haben sich die Abgeordneten mehrheitlich für den Umzug in die europäische Kapitale Brüssel ausgesprochen. Und damit eine jahrzehntelange Diskussion, die sich mehr auf nationale Interessen denn auf pragmatische Gegebenheiten stützt, von Neuem losgetreten.

In einem offenen Brief werben Parlamentarier mehrerer Fraktionen, darunter die österreichische Grüne Ulrike Lunacek, bei der deutschen Kanzlerin Angela Merkel um Unterstützung. Bis zu 200 Millionen Euro kostet der Doppelsitz die europäischen Steuerzahler demnach pro Jahr. Nicht nur sie, auch die Umwelt zahle der tausenden, jeweils 500 Kilometer weiten Pendlerfahrten wegen pro Jahr drauf. 19.000 Tonnen CO2 könnten durch einen endgültigen Umzug eingespart werden, ließ der Vizepräsident des Parlaments, der britische Liberale Edward McMillan-Scott, errechnen.

Aber auch politische Gründe führen die Brüssel-Befürworter ins Feld: "Es ist doch demokratiepolitisch ein Problem, wenn wir als einzig direkt gewählte EU-Politiker nicht am gleichen Ort tagen, wo auch die Kommission zuhause ist", erklärt Lunacek im Gespräch mit derStandard.at.

Arbeitsplätze und Prestige

Neu ist der Vorstoß der Parlamentarier nicht. Die Niederlande und Großbritannien haben sich in der Vergangenheit öffentlich für Brüssel ausgesprochen. Bisher scheiterte der angedachte Exodus aus Straßburg am französischen Veto. "Das Problem ist, dass der Straßburger Sitz in den großen Verträgen der EU festgelegt ist, eine Änderung Einstimmigkeit verlangt und Frankreich diese verhindern kann", sagt Lunacek. Verständlich, dass Paris nicht nur politische Argumente in die Schlacht um Straßburg führt. Die Betten der 150 Hotels in der 270.000-Einwohnerstadt wollen belegt sein, 317 Menschen würden laut einer Studie ihren Arbeitsplatz verlieren, tausende Jobs in der Region hängen direkt oder indirekt an den Sitzungen der Volksvertreter.

Ulrike Lunacek will die Angst der Straßburger nicht teilen. Die Brüssel-Befürworter könnten sich demnach sogar vorstellen, der französischen Stadt auf Jahre hinaus weiter die Miete für die EU-Räumlichkeiten zu überweisen. "Das wäre immer noch billiger als jetzt."

Die historischen Gründe für den Sitz des Parlaments am früher blutig umkämpften Rhein, so die Straßburg-Gegner, sind im Europa der 27 allesamt obsolet. Machtteilung als Ausgleich zwischen den europäischen Großmächten Deutschland und Frankreich: dieses Konzept ist ihrer Ansicht antiquiert. Befürworter des geteilten Amtssitzes, etwa der deutsche CSU-Politiker Bernd Posselt, führen hingegen die Bedeutung Straßburgs als Symbol der europäischen Einigung an.

Während sich Ausschüsse und die Fraktionen des Parlaments seit jeher in Brüssel treffen und die Verwaltung von Luxemburg aus geschieht, müssen zwölf monatliche Plenarsitzungen laut Gesetzestext in Straßburg stattfinden. Ab 2012 45 statt bisher 48 Tage pro Jahr. Einige Millionen Euro Spesen sollen durch diesen Schritt schon einmal eingespart werden. Die französische Regierung klagt derzeit gegen diese Änderung. "Wenn diese Klage durchgeht, könnte es zum Aufstand kommen. Wir könnten zum Beispiel ganz einfach in Brüssel bleiben und uns weigern, für Tagungen nach Straßburg zu fahren", droht Lunacek. Vielleicht bringt der offene Brief Bewegung in die Angelegenheit, hofft die Grüne. Warum er gerade an die deutsche Kanzlerin gerichtet ist? "Deutschland hat sich bisher stets an die Seite von Paris gestellt, vielleicht können wir Angela Merkel jetzt umstimmen." (flon/derStandard.at, 20.7.2011)

Kommentar posten
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world-citizen
00
3.10.2011, 13:22
Wie wäre es denn ...................

.......... wenn die Parlamentarier einfach nicht mehr nach Streeburg reisen würden, sondern ihre Sitzungen in Brüssel abhalten würden? Ziviler ungehorsam sozusagen.

Der Kluge
00

Da können Häupl und Pröll nur anerkennend nicken

cannery row
22
kann gut sein..

dass ihr in absehbarer zeit gar nicht mehr umziehen müsst.

Walter Bimini
11
10.8.2011, 11:13
stimmt. das zahlt sich doch gar nicht mehr aus.

es wäre ja wirklich blöd jahrzehntelang zwischen straßburg und brüssel mit großem aufwand hin- und herzuziehen um dann kurz vor dem ende der eudssr an diesem flohzirkus noch etwas zu ändern.

Wasser
02
27.7.2011, 18:37
dümmer gehts nimmer, oder ?

Dieser seit Jahren andauernde allwöchentliche Umzugs-Unsinn des Europaparlaments zwischen Brüssel und Strassburg ist so was von schwachsinnig, kostenintensiv, kontraproduktiv, emissionssteigernd für nix, pure Zeitverschwendung usw etc. - und all das machen die EU-Parlamentarier bisher mit ????
Die können ihren Job nicht wirklich ernst nehmen, sonst hätten sie das mehrheitlich schon vor Jahren ruck zuck per Sitzungsboykott abgestellt.
Und sich von Frankreich wegen ein paar Hotelbetten "erpressen" lassen, ist ja so was von lausig als Argument.....

Christoph ************
00

Das Parlament hat es wohl fuer wichtiger gehalten das politische Kapital, dass es hat fuer andere Zwecke aufzusparen wo es besser investiert ist.

Außerdem, so störend wie dieser Wanderzirkus ist, bei vielen wäre auch eine Eskalation wie ein Sitzungsboykott und grausliche Szenen zwischen den EU Institutionen willkommener Anlass um erst Recht ueber die EU herzuziehen und zu raunzen.

Phoenixx
 
12
26.7.2011, 21:45
Perverse Macht

Frankreich mit seinen zig AKWs verhindert 1000e Arbeitsplätze in der Alternativen Energieforschung und Herstellung - will dabei einige 100 Arbeitsplätze in Hotels sichern. Gefärdert aber dabei Millionen Leben von Leben durch den Erhalt von antiker AKWs

Phoenixx
 
00
26.7.2011, 21:48

...wenn es der Effektivität der Brüssler "Regierung" gesamt dient - dann macht es endlich! - Hoffe die bringen dann endlich was gescheites auf den Weg.

Politiker sind Gauner!!
00
26.7.2011, 19:38
absicht !!

die meisten dokumente im zusammenhang mit de EU und deren mitgliedsgaunern sind und bleiben in englisch...
damit der kleine bauer sich nicht auch noch aufregen kann und diese vereinigung der oberen versteht.

Das Posting geht ab
00
28.7.2011, 10:01
Welche Dokumente zum Beispiel?

Schon einmal damit versucht?
http://europa.eu/index_de.htm

tom krishan1
 
22
22.7.2011, 18:31

würden die parlamentarier ihrem demokratischen mandat nachkommen, sollten sie lieber brüssel stürmen.

heute wurde ganz nebenbei mal wieder typisch EUndemokratisch von den regierungschefs sowie der kommission bzw. des eu rates mal eben ohne parlament knapp eine viertel billion euro dem steuerzahler aufgebrummt. nämlich mit schaffung der EFSF, dem stuerfond für die kriminellen, menschenveranctenden bankster. dieses faschistische regime aus hochfinanz und regierungen, welches uneingeschränkt und dreist weiter die religion des wachstums verbreitet gehört mehr als nur entmachtet.

Wolfgang Keim
01
22.7.2011, 13:32
das übliche Pennertempo!

ein ewiger Sttreit um einen teuren schnörkeligen Doppelparlamentssitz. Wann wird die Regierung fertig? Man kann es nciht einmal erfahren!

tom krishan1
 
03
21.7.2011, 19:36

die parlamentarier haben eh keinen einfluss. kann man auch gleich ganz abschaffen.

die eu ist undemokratisch, falls schonmal einer bemerkt hat.

Wolfgang56
13
21.7.2011, 10:53
Für meine "Rotstrichler"

es reicht euch das ihr EU Parlamentarier wählen dürft. Mir ist das zu wenig. Was leisten die eigentlich, vor allem unsere Abgeordneten Karas, Svoboda, Lunacek, Mölzer, Martin und Co?
Warum muß es Brüssel sein? Athen wäre auch eine Alternative, wäre ein wenig Wirtschaftshilfe für die Griechen.

Ausmex
01

Sie können selber die Arbeit der Ausschüsse wo unsere EU-Abgeordnete mitarbeite im Internet z.B mitverfolgen. Genau so wie ihre einzelne Tätigkeiten. Das EU-Parlament ist auch praktisch die einzige EU-Institution die demokratisch legitimiert ist, sie sollte also an ihre Vefügnisse verstärkt werden und die andere Institutionen gehören demokratisiert... warum Brüssel und nicht Athen, ist nicht reine Willkür der EU-Abgeordneten, sondern weil die Kommission und (fast)alle andere EU-Institutionen bereits in Brüssel sitzen.

linzergutmensch
17
21.7.2011, 10:45
ich

möchte die zahl nochmal aufschreiben,so sieht man besser was für ein verschwenderverein diese eu ist. 200.000.000euro.und das pro jahr,und das seit jahrzehnten......damit man frankreich nicht vor den kopf stößt.und da wundert sich das immer mehr bürger die eu verabscheuen.

120 Jahre Karl Schranz
34
21.7.2011, 12:10
ich frage mich allerdings, inwieweit die EU es den menschen die sie "verabscheuen" recht machen kann

da sind ja meistens menschen die jetzt "steuerverschwendung!", im falle eines umzugs nach brüssel aber "zentralisierung!" schreien würden.

oder auf der einen seite demokratisierung fordern, sich aber über den verlust nationaler souveränität beklagen, ohne zu sehen dass die organe der EU, welche die interessen der mitgliedsstaaten sichern sollen, die undemokratischen sind.

usw.

ich glaube dass die ablehnung der EU bei vielen kritikern eine prinzipielle und keine rationale ist.

TrickkisteX
03
21.7.2011, 10:28
Naja

Klar Sarko legt sich quer, da würde viel Umsatz in Strasburg verschwinden...

Wie wäre es mit Griechenland werte EU-Parlamentarier?
Da ist das Wetter auch gleich besser und damit wirklich alle brav arbeiten bekommen sie die selben Arbeitsbedingungen wie die Griechen auch!

Das wäre vorbildlich....

system1
25
21.7.2011, 09:56
eu - pfui teufel!

egal wo sie ihre futtertröge aufstellen.... sie mästen sich auf meine kosten.

quaxi671
52
21.7.2011, 09:34
die EU ist echt solch eine dolmenkonstruktion!

in zeiten von web und sonstigen netzen bauen sich die affen riesige zentralistische beamtenburgen aus stein mit unseren steuergeldern, als wären wir noch im 19 jh stehengeblieben.
EU AUSTRITT JETZT!!!

sepp schilehrer
11
21.7.2011, 15:55

Und allein lösen wir die Probleme des 21. Jahrhunderts besser, oder...?

Nur das WIE konnte mir noch keiner erklären.....

p c2
11
22.7.2011, 08:45

welche probleme sprechen sie an?

sepp schilehrer
01
29.7.2011, 07:39

Kampf um die letzten verbleibenden Rohstoffe? Weltweite Migrationsbewegung? Klimawandel?

nur um die heftigsten zu nennen...

Lupus67
40
21.7.2011, 09:12

also wenn die franzosen gescheit wären würden die es so machen wie die österreicher.

eine riesen verwaltungsstadt hinbauen, der eu für einen symbolischen euro vermieten............und ein vermögen am drum-herum verdienen.

die österreicher waren dazu zu dumm. die haben das zwar gebaut, aber verdienen nicht wirklich viel damit.

bei den eu-heinis wäre das was anderes. die haben (steuer)geld wie heu und können dementsprechend damit um sich werfen.

Christoph ************
03
21.7.2011, 09:44

Verdienen nicht viel? Wien ist ganz groß im internationalen Konferenz Geschäft drinnen. Zu glauben, dass die "EU-Heinis" soviel mehr Geld zu verbrennen hätten als Diplomaten und Konferenztouristen ist auch eine weltfremde Annahme.

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