Immer öfter muss es ein "Green Building" sein

19. Juli 2011, 14:51
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Energieeffizienz und niedrigere Betriebskosten spielen zentrale Rolle für Mieter - Mehrkosten machen sich für Entwickler zumeist bezahlt

Wien - Energieeffizienz wird für Unternehmen bei der Suche nach neuen Büro-Räumlichkeiten immer wichtiger. "Früher gaben eine bessere Energieeffizienz, aber auch andere Ökokriterien, wie etwa ausreichend Rad-Abstellplätze, nur dann den Ausschlag, wenn Objekte bei anderen Entscheidungskriterien gleichwertig waren. Heute nehmen Mieter sogar bis zu einem gewissen Grad einen höheren Mietpreis in Kauf, wenn ein Objekt energietechnisch und ökologisch exzellent ist", berichtet Michael Ehlmaier.

"Signifikant stärker nachgefragt"

Der geschäftsführender Gesellschafter von EHL Immobilien stützt seine Aussage auf eine aktuelle Analyse seines Hauses. Demnach waren bei den Bürovermietungen in Wien im Jahr 2010 und insbesondere im ersten Halbjahr 2011 Objekte, die hinsichtlich Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit überdurchschnittlich abschnitten, signifikant stärker nachgefragt waren und deutlich geringere Leerstandsraten aufwiesen als vergleichbare Objekte mit geringerer ökologischer Qualität. "Die Phase der Lippenbekenntnisse ist vorbei", resümiert Ehlmaier.

Auslöser für diese Entwicklung waren für ihn zweifellos die stark gestiegenen Energiekosten, "die sich immer empfindlicher auf die Betriebskosten auswirken", aber auch das zunehmende Öko-Bewusstsein der Mieter. Eine Zertifizierung als "Green Building" nach LEED, DGNB, ÖGNI und/oder BREEAM (siehe "Wissen") sei schon ein wichtiges Entscheidungskriterium, "und dafür werden sogar höhere Mieten akzeptiert" - um bis zu zehn Prozent mehr als in vergleichbaren, nicht zertifizierten Gebäuden, so Ehlmaier.

Höhere Mieten, höherer Verkaufspreis

Von den neuen Büroflächen, die 2010 und 2011 auf den Markt kamen, waren bereits rund 70 Prozent als "Green Buildings" klassifiziert, während es im Altbestand an Büroflächen nicht einmal fünf Prozent sind. Und die Kosten für die Zertifizierung bzw. der dafür notwendigen Maßnahmen machen sich für Immobilienentwickler auch doppelt bezahlt, so der EHL-Geschäftsführer: "Zum einen können höhere Mieten durchgesetzt werden, zum anderen werden 'Green Buildings' mit einer niedrigeren Kaufrendite bzw. einem höheren Kaufpreis bewertet und können damit zu besseren Konditionen weiterverkauft werden."

Als Beispiels für besonders erfolgreiche "Green Buildings" nennt Ehlmaier etwa die Häuser "Biz Zwei" (Architekt Martin Kohlbauer) und "Rund Vier" (henke und schreieck Architekten) im "Viertel Zwei" (beide mit dem ÖGNI-Zertifikat in Silber ausgezeichnet), "Rivergate" am Handelskai (Architekten Auer + Weber + Assoziierte; LEED-Zertifizierung in Gold) und das "Company Building 03" in TownTown (Anm.: das neue Stadtwerke-Headquarter von Baumschlager/Eberle; DGNB-Zertifizierung in Silber).

CBRE: Wiener Büromarkt stabil

Bei EHL rechnet man, wie bereits berichtet, für das Gesamtjahr 2011 auf dem Wiener Büromarkt mit einer Neuvermietungsleistung von 210.000 m² und damit einem Minus von rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr (220.000 m²).

Nicht ganz so trist sieht man die Lage bei CB Richard Ellis: Laut dem Österreich-Ableger des internationalen Beratungsunternehmens wurden im ersten Halbjahr 2011 ca. 110.000m² an Büroflächen in der Bundeshauptstadt vermietet, was leicht unter dem Wert des ersten Halbjahres 2010 mit rund 120.000m² liegt. Das zweite Quartal sei aber schon um rund 20 Prozent stärker gewesen als das erste, weshalb CBRE-Österreich-Chef Andreas Ridder für das Gesamtjahr mit einer Vermietungsleistung in Höhe des Vorjahres, also von rund 250.000m², rechnet.

10,25 Millionen Quadratmeter Büros in Wien

Bei den Neuflächen konstatiert man bei CBRE im ersten Halbjahr 2011 einen Zuwachs in Höhe von 70.000 m², das Gesamtangebot an Wiener Büroflächen beträgt damit derzeit rund 10,25 Millionen Quadratmeter. Im zweiten Halbjahr sollten noch einmal rund 145.000m² an Neuflächen hinzukommen, unter anderem in der Bahnhof City Wien West, im Media Quarter St. Marx oder im Objekt "space2move" in der Muthgasse in Döbling. Durch die Neuerrichtungen, aber vor allem durch die geringere Nachfrage sei die Leerstandsrate in Wien zuletzt auf rund 5,8 Prozent gestiegen, so Ridder in einer Aussendung. Bis zum Jahresende wird ein weiterer Anstieg auf 6,0% erwartet.

Der Trend in Wien geht weiter hin zu kleineren Flächen. Rund 30 Prozent aller Vermietungen entfielen auf Einheiten, die kleiner als 500m² waren. 36 Prozent aller Vermietungen entfielen auf die inneren Bezirke, wo auch nach wie vor die höchsten Mieten zu erreichen sind. Die Spitzenmiete liegt bei ca. 23,50 Euro/m²/Monat - exakt derselbe Wert wie zum Jahresende 2010. Bis zum Jahresende 2011 könnte der Wert allerdings leicht ansteigen, so Ridder. (map, derStandard.at, 19.7.2011)

  • Im ÖGNI-zertifizierten Gebäude "Rund Vier" im "Viertel Zwei" im 2. Wiener Gemeindebezirk (direkt bei der U2-Station Krieau) residieren unter anderem die Unternehmen Sandoz und Novartis.
    foto: sandoz

    Im ÖGNI-zertifizierten Gebäude "Rund Vier" im "Viertel Zwei" im 2. Wiener Gemeindebezirk (direkt bei der U2-Station Krieau) residieren unter anderem die Unternehmen Sandoz und Novartis.

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