Längeres Arbeiten für Frauen

Neue Debatte um gleiches Pensionsantrittsalter für Männer und Frauen

19. Juli 2011, 15:22

Sozialminister Hundstorfer grundsätzlich gesprächsbereit - Grüne strikt dagegen - FPÖ und BZÖ wollen prüfen

Sollen Frauen künftig länger arbeiten? Sozialminister Rudolf Hundstorfer hatte im Zuge der von Finanzministerin Maria Fekter gefordeten Reform des Frühpensionssystems Gesprächsbereitschaft über eine Angleichung des Antrittsalters von Männern und Frauen gezeigt (derStandard.at berichtete). Für das Frauenministerium seien Gespräche grundsätzlich möglich, wird vonseiten des Ressorts gegenüber derStandard.at betont. Priorität hätten jedoch das Schließen der Lohnschere sowie eine Verringerung der Doppelbelastung von Frauen.

Antrittsalter soll bis 2033 angeglichen werden

Derzeit ist die Angleichung des Antrittsalters für beide Geschlechter für 2033 geplant. Dann sollen Männer und Frauen mit 65 Jahren in den Ruhestand treten. Aktuell dürfen Frauen bereits mit 60 in Pension gehen. Im internationalen Vergleich ist Österreich hier etwa in Gesellschaft von Italien und Griechenland, die meisten EU-Staaten zeigen keine Differenz zwischen Männern und Frauen. In der Türkei arbeiten Frauen laut OECD-Bericht sogar bis zu fünf Jahre länger. Der Plan zur Angleichung war in Österreich aufgrund einer EU-Regelung gefasst worden, die ein geschlechterunabhängiges Antrittsalter vorschreibt. 

Aus dem Frauenministerium heißt es, dass man mit dem Datum 2033 zufrieden sei, man sei aber offen für Gespräche über eine Vorverlegung. Julia Valsky, Pressesprechin von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, erklärt jedoch, dass frauenpolitisch andere Bereiche Priorität hätten. "Wir sollten in erster Linie über die Rechte reden, nicht über die Pflichten", so Valsky. Österreich sei deshalb Nachzügler, weil die Lohnschere größer sei - dort müsse man auch beginnen, nicht beim Pensionsantrittsalter. 

Seniorenbund: "Frauen wollen länger arbeiten"

Der ÖVP-Seniorenbund ist für eine sofortige Anhebung des Frauen-Antrittsalters. "Uns erreichen täglich Frauen, die nicht pensioniert werden wollen", heißt es dort. "Tatsächlich gehen den Frauen derzeit die fünf besten Jahre ihres Erwerbslebens verloren, dadurch haben sie niedrigere Pensionen." Da durch zahlreiche Sonderregelungen das System zu kompliziert sei, wolle man eine generelle Anhebung des Antrittsalters.

ÖVP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm stößt ins gleiche Horn. Sie habe einen "engen Kontakt zu vielen Frauen, die unter Zwangspensionierungen leiden". Männer würden oft noch eine Gehaltsstufe aufsteigen, Frauen würden stattdessen in Pension geschickt. Sie hält eine raschere Angleichung auch deshalb für notwendig, weil Frauen in den letzten Jahren oft besser verdienen.

Auch im Finanzministerium ist man für eine raschere Reform: "Wir sind für alles, das Kosten dämpfen würde." Man weise aber daraufhin, dass "eine sozialdemokratische Regierung diese Regelung in der Verfassung verankert hat". Daher sei für eine Reform eine Zweidrittel-Mehrheit nötig.

Grüne strikt dagegen, FPÖ und BZÖ wollen prüfen

Die Grünen lehnen auf derStandard.at-Anfrage eine raschere Angleichung ab. Frauensprecherin Judith Schwentner sieht keinen Grund für eine Reform und meint, man müsse bei Kollektiven und Betriebsvereinbarungen ansetzen, da diese oft zu einer Zwangspensionierung führen. Pensionistensprecher Öllinger bezeichnet den Vorschlag Hundstorfers als absurd, die finanziellen Auswirkungen seien de facto zu vernachlässigen.

FPÖ-Frauensprecherin Carmen Gartelgruber sieht Vor- und Nachteile, betont aber, dass vor allem die Zwangspensionierungen, die durch Kollektivverträge und Betriebsvereinbarungen erfolgen, überprüft werden sollten. Ursula Haubner vom BZÖ verweist auf das "flexible Pensionsmodell" ihrer Partei, durch welches das fixe Antrittsalter der Vergangenheit angehören würde. "Die Regierung - Fekter, Hundstorfer - picken sich einzelne Punkte heraus und wollen sie reformieren", so Haubner, "so entsteht ein Flickwerk statt einer richtigen Reform."

Marin für rasche Angleichung

Pensions-Experte Bernd Marin würde eine raschere Angleichung des Pensionsantrittsalters begrüßen, schließlich kenne kein einziger moderner Wohlfartsstaat ein ungleiches Pensionsalter. Im Gespräch mit derStandard.at verweist der Sozialexperte auf ein Urteil des EuGH, das ein geschlechtsneutrales Pensionsalter verlange. Frauen seien durch das unterschiedliche Pensionsantrittsalter außerdem  höheren Risken von Altersarmut auf Grund unzureichender Versicherungszeiten ausgesetzt. Dazu kämen noch vermehrte Zwangspensionierungen: "Ein freiwilliges Kann wird zum unfreiwilligen Muss", so Marin.

"Lediglich in Debatte eingebracht"

Aus dem Büro von Sozialminister Hundstorfer heißt es heute, man habe lediglich einen "Denkanstoß" in die Debatte eingebracht. Man wolle die Ergebnisse der Arbeitsgruppen, die im Herbst vorliegen werden, abwarten. (Fabian Schmid, derStandard.at, 19.7.2011)

Kommentar posten
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okami
00
11.10.2011, 23:29
Genderbudgeting?

mizzi9
00
1.10.2011, 10:01
Frauen stoppt das Putzen, Waschen und die Hege

Macht eure Karriere, bekommt eure Kinder, hegt und pflegt euer Heim und Familie (Männer) nicht mehr! Geht lieber Arbeiten und vergesst nicht, abends ein Bierchen oder zwei im Stammbeisel, eben solange, wie Männer auch! Verfallt dem Moloch ,,Geld", bis ihr eben nicht mehr könnt...
Der Spiegel der Gesellschaft zeigt uns ja heute schon, die Kinder solcher Familien sind entweder Tod, im Knast oder auf Rehab!
Wer Kinder erzieht (Männer und Frauen) weiss, man braucht Nerven wie Drahtseile, die hat man aber später nicht mehr. Alleinerziehende Männer sollten auch früher in Pension gehen können, das ist nur fair. Aber bitte nicht solche Argumente wie ,,Frauen wollen länger arbeiten"(nur für Beamtinnen und Bankangestellte?), das ist quatsch.

blub7
10
21.7.2011, 15:45
das kann doch wohl...

...echt nicht wahr sein: "Wir sollten in erster Linie über die Rechte reden, nicht über die Pflichten"

the bugger_off
01
21.7.2011, 15:42
da steht: Seniorenbund: "Frauen wollen länger arbeiten"

warum tun soviele poster da ständig so, als wären frauen miese oportunistinnen die imma den aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaarmen männern zum fleiß, nur für sich "vorteile" rausschlagen wollen?
für alle die gleich diskutieren ohne vorher zu lesen:
"Der ÖVP-Seniorenbund ist für eine sofortige Anhebung des Frauen-Antrittsalters. "Uns erreichen täglich Frauen, die nicht pensioniert werden wollen", heißt es dort. "Tatsächlich gehen den Frauen derzeit die fünf besten Jahre ihres Erwerbslebens verloren, dadurch haben sie niedrigere Pensionen." Da durch zahlreiche Sonderregelungen das System zu kompliziert sei, wolle man eine generelle Anhebung des Antrittsalters."

ChefPrinzMichl
 
32
21.7.2011, 09:18
Eine eindeutige Ungleichbehandlung!

Für jedes Kind, darf sie früher in Pension; aber kinderlose Frauen - das kann ich nicht verstehen. Jetzt habt ihr eh schon die Bundeshymmne:)

Minister der Ökomonie
01
21.7.2011, 12:54
Was verstehe ich nicht?

Warum sind Kinder ein Grund, früher in Pension zu gehen?

Sämtliche Kämpfe auf dem Frauensektor drehen sich darum, den Frauen die Karrierre zu ermöglichen - trotz Kinder, sie ehestmöglich an den Arbeitsplatz zu treiben. Wenn man könnte, würde man es so handhaben, die Kinder am Klo zu bekommen und gleich wieder ins Meeting zu kommen. Kinder gelten als Karrierrestolperfallen, benachteiligen Frauen auf dem Arbeitsmarkt.

Da verwundert es mich, wenn aber bei der Pension auf einmal alles anders ist. Auf einmal wird Arbeit zur Strafe und die Frauen wollen daheim bleiben. Suggerieren die Grüne zumindest. Der Text oben ergibt ja, dass die Frauen eben tatsächlich arbeiten wollen - sie wollen Karrierre machen.

Warum entmündigen Emanzen Frauen?

Euroumrechner
13
20.7.2011, 19:48

Bei der Diskussion sieht man deutlich wie Teile und Herrsche funktioniert.

Anstatt dass man gemeinsam für gewisse Rechte kämpft bekämpft man sich und wünscht sich gegenseitig das Schlechteste.

Minister der Ökomonie
10
21.7.2011, 13:01

Leider.

Leute die sich als Opfer fühlen trachten scheinbar eher nach Rache als danach, ihren Opferstatus zu beheben.

Noch absurder wird es, wenn sich beide Parteien als Opfer fühlen, und anstatt gemeinsam aus der Opferposition zu gehen, lieber der jeweilig anderen Partei Schaden zufügen will.

Das macht dann aus den Opfern Tätern, und dadurch entstehen wieder Opfer die auf Rache sinnen. Ein hübsch destruktives Perpetuum Mobile.

Brot und Spiele. Spalte das Volk und du bist in Sicherheit. Separiere die Gleichen und spiele sie gegeneinander aus - und du kannst dir sicher sein, dass du aus dem Focus des Volkszorns bist.

Oder: Wer mit der Herde läuft braucht sich nicht wundern wenn er ein A-loch vor sich hat.

Hinschaun bitte.

erxxich
29
20.7.2011, 16:32
Gleichberechtigung

Gebührt auch den Männern; also ab sofort gleiches Pensionsantrittsalter für Frauen und Männer !!!!
Ebenso verpflichtender Sozialdienst für Frauen als Gegenstück zum Wehrdienst der Männer !!!

bluebeard's 8th wife.
22
20.7.2011, 20:34

immer dieselbe leier...

donna corleona
83
20.7.2011, 18:38
gleiche Rechte, gleiche Pflichten

Ist die Forderung "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" schon realisiert? NEIN !!!

Wer erbringt den Löwenanteil an Pflegeleistung in diesem Land? Die Männer?? NEIN !!!

Und zur kürzeren Lebenserwartung der Männer: Wie wär's mit einer gesünderen Lebensweise? Weniger rauchen und trinken? Weniger Macht- und Revierkämpfe? (siehe Hierarchien und Lebensdauer bei Menschenaffen!)

Minister der Ökomonie
24
21.7.2011, 13:07

Gleiche Rechte, gleiche Pflichten:

Frauen, ladet eure Männer zum Essen ein, ins Kino, kauft ihnen Blumen, Schmuck und Kleidung.

Arbeitet 60 Stunden in der Woche, um ihnen ein Haus, ein Auto und ein paar Kinder zu ermöglichen.

Hört euch dafür den ganzen Tag an, dass ihr euch für nichts interessiert, euch um nichts kümmert und generell unfähig seid.

Frauen, erwartet einfach Anzeigen, wenn ihr einen Mann schärfer anschaut, geht ins Hotel wenn euer Mann auszuckt.

Frauen, kämpft für eure Wehrpflicht, späteren Pensionsantritt und dafür, dass Männer bereits ab Bekanntwerden der Schwangerschaft der Frau Kündigungsschutz hat, damit Karrenz gefahrlos anmelden kann, und sich bei Kind oder Karrenz nicht hinten anstellen müssen.

jane doe2
02
21.7.2011, 12:09

Es gibt einen Kollektivvertrag, und der darf nicht ntrschritten werden und gilt für Frauen und Männer. Der Rest ist Verhandlugnssache, da kann man kein Gesetz machen! Außerdem wird für die exakt gleiche Arbeit auch mehr oder weiniger gleich verdient. Nur ist vermeintlich gleiche Arbeit bei genauem hinschauen halt nicht genau die gleiche Arbeit. Im übrigen verdienen auch die Männer bei gleicher Arbeit nicht genau gleich viel. Ist eben auch Verhandlungssache!

Lünz
07
21.7.2011, 07:02
Sie verstehen aber schon, dass der frühere Pensionsantritt ein NACHTEIL für die Frauen ist?

Es fehlen Beitragszeiten und es werden Gehaltssprünge versäumt, was zu niedrigerer Pension führt.
Besonders lustig die reflexartige Ablehnung der Grünen, die hier gegen höhere Pensionen für Frauen kämpfen.

blub7
08
21.7.2011, 02:34

gibt es gesetzliche verpflichtung gleichen lohn zu bezahlen? JA
gibt es gesetzliche verpflichtungen von frauen zur pflege? NEIN
gibt es gesetzliche verpflichtungen für männer zum sozialdienst? JA
müssen männer gesetzlich länger arbeiten? JA

merkst du was? in deinen beiden beispielen gibt es gesetze, die die benachteiligung zumindest gesetzlich ausgleichen...genau das fordere ich auch anders rum...btw gibts zum gender gap im moment keine vernünftigen und seriösen zahlen

KOG1
04
20.7.2011, 21:55
Pflegeleistung durch Frauen innerhalb der Familie?

Das war einmal, das kam von der Generation der Grossmütter- ich arbeite im Krankenhaus und bekomme diesen Wechsel sehr genau mit.

märchenonkel
72
20.7.2011, 15:46
Als Ausgleich für das höhere Pensionsalter müssen aber Männer den werten Nachwuchs austragen.

Minister der Ökomonie
10
21.7.2011, 13:13
Ihrem Namen alle Ehre, was?

Machen Sie jetzt allen ernstes den Mann auch noch für die Biologie verantwortlich? Sind sie wirklich ein solches Opfer?

Frauen die keine Kinder bekommen wollen, müssen auch keine Kinder bekommen. Das nennt man Verantwortung für das eigene Leben übernehmen. Unbedingt Kinder wollen und dann völlig aus dem Häuschen sein, dass das ja Arbeit macht, ist naiv.
Unbedingt Karrierre wollen und dann völlig aus dem Häuschen sein, weil man dafür sein Privatleben vernachlässigen muss, ist einfach nur naiv.

Interessant: Das einzige was keiner Ändern kann, ist die Biologie - und das ist das einzige Argument das Frauen um sich werfen, ihre Schwangerschaft. Nicht das, wo sie wirklich was TUN könnten.

Das ist Opferdenken.

Pe Sa
011
20.7.2011, 16:23

Blödsinnsargument ...

Mit dem gleichen Argument können sie Frauen auch wieder das Wahlrecht entziehen weil ihre Hirne kleiner sind ... Oder Frauen müssen 20% mehr KFZ-Steuer zahlen weil die Straßen mehrheitlich von Männern gebaut sind ...

Entweder das Ziel ist eine Gleichberechtigung, oder nicht.

Dass Karenzzeiten sowie die Zeit des Mutterschutzes als Arbeitszeit angerechnet werden sollen, das ist klar. Hat aber nichts mit dem Pensionsantrittsalter zu tun

märchenonkel
01
20.7.2011, 17:00
Frauen müssten weniger KFZ-Versicherung zahlen, weil sie weniger Unfälle verursachen.

Minister der Ökomonie
00
21.7.2011, 13:30

Frauen zahlen nicht nur weniger KFZ-Versicherung.

Vielfach ist es Sitte, Eintrittspreise für Frauen ganz entallen zu lassen, oder sie belaufen sich auf den Bruchteil dessen was Männer zahlen müssen.

Der Geldtransferleistungen von Männern zu Frauen, durch Pensionsverischerung, Gesundheitskosten, Pflege, Unterhalt, Steuern, Frauenförderungen... belaufen sich im zweistelligen Mrd-Bereich.

Das muss und das wird sich auch ändern. Heisst aber für die Frauen auch, ordentlich reinhackeln.

Pflegebedürftige Menschen in entsprechende Einrichtungen geben, ist für beide Parteien gesünder. Warum soll für die Alten schlecht sein, was für Kinder so gut ist?

Und schon steht der eigenverantwortlichen Karriere nichts im Weg.

Asperitias
03
20.7.2011, 22:55

Außer Parkunfälle mit Fahrerflucht. Da sind Frauen gaaaanz weit vorne dabei.
Warum wohl? :-)

eh-wahr
20
21.7.2011, 11:07

Weil sie sich nicht gleich anschxxx, wenn die Karosse ein kaum sichtbares Kratzerl abbekommen hat?

purecynicism
113
20.7.2011, 15:41

eh kloar, sonst is das gendern immer wichtig, aber wenns plötzlich nachteile für frauen bringt dann is ganz schnell aus min feminismus.

Lünz
01
21.7.2011, 07:08

Der Witz: Die Feministen (vor allem die der Grünen) scheinen gar nicht zu merken, daß die Angleichung des Pensionsalters eigentlich ein VORTEIL für die Frauen ist, weil sie durch mehr Beitragszeiten und Gehaltssprünge nach 58 mehr Pension bekommen.

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