Meine Frau, meine Kinder, mein SUV

20. Juli 2011, 07:00
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Und trotzdem weit weg vom gewünschten Ideal: Einem überzeichneten "American Dad" wird das republikanische Wertekorsett aufgeschnürt

Und wieder eine Serie, die rauf und runter gespielt wird: "American Dad!" läuft wochentags täglich auf Comedy Central (ehemals Viva Plus) und war davor schon Dauergast beim Verwandten MTV, der das "M" schon lange nicht mehr verdient. So kann man selbst LiebhaberInnen langfristig übersättigen und dabei ein Juwel unterverkaufen. Und "American Dad!" ist ein Juwel.

Kreiert vom Macher des dümmeren älteren Serienbruders "Family Guy", Seth MacFarlane, der in frühen Jahren schon bei den fantastischen Cartoon Network-Zeichentrickserien "Cow and Chicken", "Johnny Bravo" und "Dexter's Lab" mitgeschrieben hat, präsentiert sich uns in "American Dad!" eine Familie, die eigentlich eine ganz typische sein könnte und sollte, geht man nach den Vorstellungen des Möchtegern-Familienoberhaupts Stan Smith. Von den Grundvoraussetzungen passt es auch: Er hat eine Frau, zwei Kinder, einen SUV, ein Einfamilienhaus mit Garten im Vorort. Er geht arbeiten, seine Frau Francine führt den Haushalt. So soll es auch sein.

Risse im rigiden Wertekorsett

Stan ist eben ein republikanischer, gottesfürchtiger CIA-Agent, Waffenverfechter, Anti-Homosexuellen-Kampagnero und überzeugter Patriot. Ein Bild von einem rechten Mann. Doch das Bild bekommt in jeder Folge neue Risse: Als die treusorgende Francine ihn zum Beispiel in ihren Rosengarten führt, in dem sie pro SexpartnerIn eine Rose gepflanzt hat - Rosen wohin das Auge auch reicht! Oder wenn er die Freuden der Selbstbefriedigung, spät und auf ungewöhnlichem Weg, erfährt und süchtig, nicht aber blind, wird. Oder wenn sein sonderlicher Sohn Steve partout kein echter Kerl wird, sondern weiterhin mit seinen drei Außenseiterfreunden Harry Potter spielt. Auch Hippie-Tochter Hayley bringt sein rigides Wertekorsett zum Bersten, wenn Stan erkennen muss, dass er sie nur über Gehirnwäsche zu einem folgsamen Mädchen machen kann - was ihm beinahe das Leben kostet.

Die ganz anderen

Dann wäre da noch Roger, und Roger ist ein androgynes Alien. Dass dieser larmoyante, egozentrische Säufer mit im Haushalt lebt und sein Leben noch mehr ent-idealisiert, ist Stans eigene Schuld. Roger ist dafür an so manchem abseitigen Abenteuer, in das die Smiths stolpern, Schuld. Stan wäre niemals allein unfreiwillig bekifft zu einer Night Ranger-Ballade Auto gefahren! Und auch das letzte Haushaltsmitglied Klaus fällt aus dem Rahmen: Er ist ein deutscher Skispringer im Goldfischkörper (der im US-Original Nazi-, in der deutschen Version aber DDR-Vergangenheit hat) und führt ein zu seinem Leidwesen wenig beachtetes Dasein hinter Glas. Komplettiert wird die Riege mit dem schwulen Nachbarspaar, das Stans Anti-Homosexuellen-Agenda nachhaltig erschüttert, Francines nicht geoutet lesbischer Freundin und Stans prototypischem Chef.

Rosinenpicken

Was "American Dad!" als Zeichentrickserie lebendiger macht als viele Familienserien mit SchauspielerInnen aus Fleisch und Blut, ist der Ideen- und Pointenreichtum in den AutorInnenköpfen, die die Möglichkeiten des Genres voll ausnutzen. Die sparen sich auch keine Seitenhiebe auf den American Way of Life, auf Schönheitsnormen, Heterosexismus, Rassismus und Überlegenheitsdenken - ohne dabei plump gehässig zu werden. Im Gegenteil lassen sie die Figuren ohne Zeigerfinger, dafür mit treffsicherem Witz dazulernen. Und als großes Plus ist die Serie auch noch voll gespickt mit (US-)popkulturellen Rosinen. Bei der Qualität können selbst die Re-Re-Runs im deutschen TV den Brei nicht so schell verderben. Hin und wieder gönnt man sich doch gern einen Leckerbissen. (bto/dieStandard.at, 20.7.2011)

  • Roger, Francine, Klaus, Hayley und Steve machen einen Strich durch "American Dads" Rechnung von einer reaktionären Welt.
    foto: american dad!/fox

    Roger, Francine, Klaus, Hayley und Steve machen einen Strich durch "American Dads" Rechnung von einer reaktionären Welt.

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