Auf zu neuen Ufern

19. Juli 2011, 20:34
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Österreichs Basketball findet den Anschluss an die europäische Elite - Für Erfolge bei der U20-EM sorgen bundesligaerfahrene Junioren

Wien - "Bonjour tristesse": Das war einmal für den österreichischen Basketball. Statt Frust herrscht Freude und die Showbühne heißt U20-EM der A-Division in Bilbao, Spanien. In einem Land der Basketball-Götter stellen sich Österreichs Junioren erstmals in die große Auslage. Die Namen der Gegner darf man sich ruhig auf der Zunge zergehen lassen, vom Gastgeber über Frankreich bis Russland oder Italien sind ausnahmslos Top-Nationen am Start.

"Die kochen aber auch nur mit Wasser. Es ist ein sehr gutes Gefühl, dass man auf diesem hohen Level vernünftig mitspielen kann. Die Scouts geben uns positives Feedback, das müssen wir in Ergebnisse ummünzen. Von netten Worten können wir uns nichts kaufen", sagt Robert Langer, Sportkoordinator des österreichischen Basketballverbandes. Und meint die guten Auftritte gegen Griechenland und Türkei in der Vorrunde, bei denen 30 von 40 Minuten sehr ordentlich Basketball gespielt wurde. Blöderweise konnte die ÖVB-Auswahl das hohe Niveau in den letzten Vierteln nicht halten, dort wo man bekanntlich Spiele gewinnt oder eben auch verliert.

Deutsche Bankerlwärmer

Gegen die Türken war die Enttäuschung groß, Platz drei in der Vierergruppe und der fixe Nichtabstieg waren in Reichweite. Minus fünf verlor Österreich, das vierte Viertel endete 4:18. Gegen Spanien, die mit Superstar Nikola Mirotic von Real Madrid aufkreuzten, gab es tags darauf eine Klatsche. Langer: "Wir hatten in den letzten zwei Minuten vier Angriffe der Türken erfolgreich gestoppt aber auch viermal nicht getroffen. Es gab hängende Köpfe, das hat sich auf das Spanien-Spiel ausgewirkt. Aber Respekt vor den Iberern und vor Nikola Mirotic, er ist ein Wahnsinns-Spieler."

Der Sieg gegen Kroatien war kein Zufall, Österreichs junge Geigen spielen regelmäßig in der heimischen Bundesliga gegen Profis, auch weil die Ausländerzahl reduziert wurde. Zum Vergleich: Die Deutschen spielen zwar ganz oben mit und haben ein großes Nachwuchs-Reservoir, sind aber allesamt Bankerlwärmer in der Herren-Bundesliga BBL. "Da haben wir uns herangearbeitet, die Spielpraxis gegen erfahrene Leute ist ein Grund, warum wir bei der EM mithalten können", sagt Langer. Die Arbeit gehe in die richtige Richtung, oberstes Ziel sei aus den Nachwuchsaktivitäten natürlich ein schlagkräftiges Herren-Nationalteam zu formen. Letztes Jahr konnten mit Rasid Mahalbasic (von Fenerbahce Istanbul an Croatia Split ausgeliehen) und Moritz Lanegger zwei junge Talente sowohl international als auch im Nationalteam auf den Weg gebracht werden.

Showtime-Toni

Die Junioren raufen derweil in der Abstiegsrunde gegen das Ausscheiden aus der A-Division. Bei einem Blick auf die Gegner darf man sich durchaus wundern, mit Litauen, Serbien und Kroatien haben sich Großmächte um Österreich versammelt. Gegen Serbien gab es eine klare Niederlage, 64:83. "Warum die Serben Gruppenletzter wurden, verstehe ich nicht, sie haben immerhin Russland geschlagen und Litauen mit 30 Punkten weggeschossen", so Robert Langer. "Aber wir wollen mit unseren Mitteln die Großen ärgern. Jammern hilft nichts, den Volleyballern oder Fußballern geht es auch nicht anders."

Österreich spielt erneut in einer Vierergruppe sechs Matches (Hin- und Rückspiel), die letzten beiden Teams steigen ab. Ein Gesicht im Jahrgang 1991/92, das sich Scouts bereits gemerkt haben, ist das vom Grazer Anton Maresch. Er kann ordentlich hupfen und ist mit 13,8 Punkten im Schnitt bester Scorer der ÖBV-Auswahl. Sein Coach Werner Sallomon meint, dass Maresch "auf weit höherem Niveau als der österreichischen Bundesliga bestehen könnte, es wäre aber noch ein "weiter Weg".

Für Sportkoordinator Robert Langer ist wichtig, dass junge Leute wie Maresch in ihrem Alter spielen. "Wenn jemand ins Ausland geht für mehr Geld, dort aber auf der Bank sitzt und als Trainingsdepp fungiert, ist er verloren." (Florian Vetter, derStandard.at, 19.7.2011)

Ergebnis der Abstiegsrunde vom Dienstag:

Österreich - Serbien 64:83 (29:45). Beste Werfer: Rados 13, Klepeisz 10, Novas Mateo 10 bzw. Nedovic 16, Djekic 14

Nächster Gegner ist am Mittwoch Litauen (14.00 Uhr)

  • Anton Maresch hat Interesse bei den Scouts geweckt, nicht nur gegen die Türken gab es einen Slam Dunk.
    foto: pictorial/filippovits

    Anton Maresch hat Interesse bei den Scouts geweckt, nicht nur gegen die Türken gab es einen Slam Dunk.

  • Der 2,05-Meter große Jozo Rados rauft unter dem Korb um die Frucht.
    foto: pictorial/filippovits

    Der 2,05-Meter große Jozo Rados rauft unter dem Korb um die Frucht.

  • ÖBV-Sportkoordinator Robert Langer: "Wir können in der Liga junge Österreicher entwickeln. Das ist ein Vorteil, den wir anderen Nationen gegenüber nutzen müssen."
    foto: öbv/novak

    ÖBV-Sportkoordinator Robert Langer: "Wir können in der Liga junge Österreicher entwickeln. Das ist ein Vorteil, den wir anderen Nationen gegenüber nutzen müssen."

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Real Madrids Nikola Mirotic gewann die Rising Star Trophy der Euroleague-Saison 2010/11 und ist damit Nachfolger von Ricky Rubio. Mirotic, der bei der U20-A-EM Österreich zerstörte, erzielte in der Top-16-Phase der Euroleague 9,7 Punkte pro Spiel.

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