Das erste Linzer Derby nach 14 Jahren war kein Leckerbissen, Aufsteiger Blau-Weiß und Absteiger LASK trennten sich auf Gugl 1:1
Linz - Ein bisschen nervös werde seine Elf schon sein, schätzte Trainer Thomas Weissenböck. Kein Wunder, schließlich gab's am Montag in Linz erstmals seit 14 Jahren wieder ein Derby und gut 12.000 Zuschauer füllten die alte Gugl bis auf den letzten der wegen Renovierungsarbeiten dezimierten Plätze. Trotzdem war der Trainer von Blau-Weiß überzeugt, dass der Aufsteiger in der dritten Runde der Saison ein gutes Spiel machen würde. Kontrahent Walter Schachner, der die Favoritenrolle für seinen LASK ohne zu zucken annahm, setzte auf Routine: Harald Unverdorben und Florian Metz rückten in sein Aufgebot.
Schachner hatte 120-prozentige Blau-Weiße erwartet - und tatsächlich begann der Außenseiter in seinem Heimspiel forsch. Allerdings nahm man Weissenböcks Auftrag, Zweikämpfe zu gewinnen, ab und zu ein bisschen gar zu ernst - und das ein oder andere Foul in Kauf. Höltschl hätte nach einer Attacke gegen Winkler eigentlich Gelb sehen müssen.
Nach fünf Minuten kam Unverdorben per Kopf zur ersten Chance für den LASK, Schellander hatte von links präzise geflankt. BW-Keeper Wimleitner, aufgrund seines Wechsels über den Linzer Rubikon von der schwarz-weißen Kurve ab und zu mit Pfiffen bedacht, lenkte den Ball aber ohne Probleme über die Latte. Der Favorit kam nun zwei, drei Mal über die Flügel durch, für tatsächliche Dominanz war aber die Fehlerquote im Passspiel zu hoch. Nach einer Viertelstunde wurde Aigner dann viel Platz eingeräumt um sich den Ball an der Strafraumgrenze zum Schuss zurechtzulegen, trotzdem traf er das Tor nicht.
Fünf Minuten später die nächste gute Gelegenheit für den LASK-Stürmer, nachdem Höltschl der Ball im Mittelfeld gut 20 Meter wegsprang und er so eine formidable Vorlage für den Gegner produzierte. Natürlich nur, weil der Körper da dem Willen nicht untertan war. Machte aber nichts, denn Aigner verzog erneut freigiebig über die Querlatte. Damit blieb es Unverdorben vorbehalten, den ersten Schuss abzugeben, der tatsächlich das Tor erreicht hätte. Hätte! Denn dies verhinderte Wimleitner, der die kurze Ecke raumfüllend zustellte. Schachners Sorgen ob der in den ersten zwei Runden offenbarten suboptimalen Chancenauswertung seiner Mannschaft schienen prolongiert zu werden. Nach einer halben Stunde traf der routinierte Aigner
zwar ins Tor, der Linienrichter hatte jedoch dessen Abseitsstellung richtig erkannt.
Der Aufsteiger war in dieser Phase nur sehr sporadisch vorhanden. Ein Aufbauspiel gelang nicht, auch deshalb weil aufgrund defensiver Massierung Anspielstationen fehlten. Dass es rund um den eigenen Strafraum beileibe nicht an Blau-Weißen fehlte, hieß allerdings nicht, dass den LASK-Angreifern nicht trotzdem einiges an Spielraum zugestanden worden wäre. Besonders die Flanken blieben bemerkenswert unbesetzt - Blößen, die eigentlich danach schrien, beackert zu werden. Doch in der Endphase der ersten Halbzeit - die auf dem inoffiziellen Derbymeter nicht über die Stärke Schaumgebremst hinauskam - schwand das bisschen schwarz-weiße Übergewicht wieder dahin.
Der blau-weiße Mittelfeldmann Huspek ("Wir trauen uns noch nicht, Fußball zu spielen") beschloss diese mit einem feinen, aber etwas zu unplatzierten Volley aus 18 Metern. Immerhin ermöglichte er damit LASK-Keeper Thomas Mandl einen Anwesenheitsnachweis.
Nach dem Wechsel verlegten sich beide Mannschaften auf Fouls im Minutentakt, was zur Verflüssigung einer ohnehin eher zerfahrenen Partie nicht wirklich geeignet war. Bei Wimleitner musste nach einem Zusammenprall mit Aigner gar eine blutende Nase behandelt werden. Doch zum Gück gibt es Standardsituationen und nach einem Corner führte plötzlich Blau-Weiß: Dominic Hassler hatte sich erst gegen Winkler durchgesetzt und dann eingeköpfelt (57.). Da wollte sich der LASK nun auch nicht lumpen lassen. Man kombinierte sich bemerkenswert unbedrängt in des Gegners Sechzehner, wo dann bereits wieder Befürchtungen über ein Übermaß an Kompliziertheit keimten, ehe Aigner doch noch auf den am Elfmeterpunkt wartenden Unverdorben aufmerksam wurde. Dieser versenkte die Auflage zum raschen Ausgleich (63.).
Von den beiden Goals auf steigendes Niveau zu schließen, wäre allerdings nicht zulässig. So bemüht Blau-Weiß war, es blieb ebenso unpräzise. Und der LASK schien Schachners Analyse, dass in der Ersten Liga "weniger Fußball gespielt" werde, als Aufforderung missverstanden zu haben. Von einem überlegenen spielerischen Vermögen des Favoriten war jedenfalls nichts zu bemerken. Was zunahm, war allein die Hektik. Brenzlig wurde es in der nunmehr vollkommen ausgeglichenen Partie noch einmal, als LASK-Kapitän Rene Aufhauser, der seine Abwehr über weite Strecken souverän dirigierte, den auf dem Weg Richtung Mandl befindlichen Miksits im Laufduell zu Fall brachte. Referee Muckenhammer beließ es bei einer Gelben Karte, ein zweiter Schwarz-Weißer in unmittelbarer Nähe hielt eine Torraub-Entscheidung offenbar hintan. Insgesamt verteilte der Referee neun Verwarnungen unter den Akteuren.
Höltschl fand mit dem folgenden Freistoß das Tor bei weitem nicht. Aus dem Spiel selbst heraus war keine Mannschaft mehr in der Lage, Chancen herauszuarbeiten. Daran änderte auch ein fünfminütiger Nachschlag nichts mehr. Blau-Weiß konnte am Ende mit dem Remis vermutlich besser leben als der LASK. Unverdorben: "Es gibt Schlimmeres im Leben." (Michael Robausch - derStandard.at 18.7. 2011)
FC Blau-Weiss Linz -
LASK Linz 1:1 (0:0). Linzer Stadion, 11.900 (ausverkauft), SR
Muckenhammer.
Tore: 1:0 (57.) Hassler, 1:1 (63.)
Unverdorben
Blau-Weiß: Wimleitner - Bubenik, Knabel, Duvnjak, Rabl - Hartl,
Höltschl, Wawra, Huspek - Hassler, Poljanec (76. Miksits)
LASK: Mandl - Hart, Aufhauser, Kobleder, Schellander - Kogler,
Metz (82. Hamdemir), Winkler, Freudenthaler (72. Kaufmann) -
Unverdorben, Aigner
Gelbe Karten: Hötschl, Huspek, Bubenik, Duvnjak, Rabl bzw.
Metz, Pervan, Aufhauser, Schellander