Causa Stradivari

Fahndung läuft, Suche hinkt

Renate Graber, 18. Juli 2011, 17:45

In der Sache Geigenhändler M. sind nun 19 Instrumente zur Fahndung ausgeschrieben, und die Justiz hat Rechtshilfeersuchen in aller Welt deponiert

Wien - Die Causa Stradivari wird die Behörden noch lange beschäftigen. Geigenhändler Dietmar M., gegen den die Staatsanwaltschaft Wien u. a. wegen Veruntreuung und schweren Betrugs ermittelt, wehrt sich gegen die Vorwürfe - und vor allem gegen seine Auslieferung. M., für den die Unschuldsvermutung gilt, war ja im Schweizer Zermatt festgenommen worden, und hat bereits anklingen lassen, gegen einen Auslieferungsbescheid Rechtsmittel zu ergreifen.

Die Ermittlungen in der Causa, in der es um (verschwundene) wertvolle Geigen wie Stradivaris oder Guarneris geht und um einen Schaden von 155, 6 Mio. Euro, können getrost weltumspannend genannt werden. Das amerikanische FBI ermittelt (M. hatte Niederlassungen in New York und Aspen), und der Staatsanwalt hat Rechtshilfeersuchen abgeschickt: in die USA, die Niederlande, die Schweiz, nach Luxemburg, Deutschland und Japan. So erhofft er sich offenbar Informationen in der Causa, zu der parallel auch Insolvenzverfahren laufen mit rund 80 Mio. Euro genehmigter Forderungen. Die Gläubiger des gebürtigen Deutschen mit Schloss in Niederösterreich (wurde inzwischen vom Masseverwalter versilbert) sind Künstler, Sammler, Anleger - und die Banken inklusive Oesterreichische Nationalbank.

Stradivari-Pyramidenspiel

Den Kreditinstituten allein fehlen 30 Mio. Euro bzw. eben jene Instrumente, die ihnen M. zur Sicherstellung für Kredite gegeben hat. Körperlich sind die (oft von M. selbst geschätzten) Geigen aber nicht bei den Banken geblieben, weil sie zwecks Werterhalt gespielt werden müssen. Wo sie wirklich sind, weiß kaum wer; M. hat offenbar eine Art Stradivari-Pyramidenspiel aufgebaut, was ihm bei Ermittlern den Beinamen "Madoff in Holz" eingebracht hat.

Selbige Ermittler haben bisher nur vier Instrumente gefunden; zwei davon hatte die Familie M.s bei Bekannten untergebracht, zwei wurden im Geschäft in Bremen, wo jüngst wie in Zürich Hausdurchsuchungen stattfanden, aufgetan. Nun sucht das Bundeskriminalamt international. Unter dem Stichwort "Fall 2664117" hat es mit den entsprechenden Beschreibungen, Abmessungen und Fotos versehen 17 Instrumente und vier Violinenbögen, die allesamt Gegenstand von Strafanzeigen sind, zur Fahndung ausgeschrieben.

Wobei im Internet durchaus Hinweise auf Aufenthaltsorte der teuren Stücke zu finden sind. Die 1725 von Antonio Stradivari gebaute "Da Vinci" zum Beispiel, die die Bank Austria sucht und in der Insolvenz angemeldet hat: Sie steht derzeit beim Londoner Geigenhändler Florian Leonhard Fine Violins zum Verkauf, so ist es zumindest auf der Homepage des Händlers zu lesen, der den Geigenhandel bei M. gelernt hat. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.7.2011)

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11 Postings
LiuteriaCremona
00
21.7.2011, 12:30
klar wird man jetzt alle Instrumente finden…

…nur die rechtmäßigen Eigentümer sind dann bestimmt nicht Herr M. oder irgendwelche Banken.
Kann ja jeder mit einer geliehenen Geige zur Bank gehen, diese verpfänden und dann dem rechtmäßigen Besitzer zurückgeben. Oder einfach mit Kopien von Zertifikaten guter Instrumente auftauchen.
Deshalb sagt der gute Mann auch nicht, wo die Instrumente sind. Da werden sich einige Wirtschaftskanzleien die Hände reiben wenn mit den Banken prozessiert werden wird.
Schätzungsweise wird es auch einige mehr rechtmäßige Eigentümer geben, denen dieser Tage die Zornesröte ins Gesicht steigt.

Jacob Saunders
00
19.7.2011, 10:18
Da Vinci "Tatort"

Der Stradavari Geige "Da Vinci" 1725, spielte berreits mal der Titelrolle in "Tatort"
http://www.tatort-fu...ikermilieu.html

Roter Baron
10
19.7.2011, 10:04
>Wo sie wirklich sind, weiß kaum wer<

was für ein quatsch !

roter baron

PierNick
 
01
19.7.2011, 09:44
Geschieht dem feinen Herrn schon recht.

Und allen anderen, die das Spielchen betrieben haben: typisch spätkapitalistische Erscheinung - Monopolisierung spezialisierter Produktionsmittel. Und zwar von Typen, die gar nicht spielen können; und das im Namen der Kunst. Extra widerlich.

von Aachen
01
19.7.2011, 09:05
Name

Ich Frage mich warum immer beim Geigenhändler Machold, der Name nur mit M. Abgekürzt wird. Als früher Berichte über ihn in den Society-Spalten standen, war sein Name immer groß zu lesen!

anton-aus-tyrol
 
00
19.7.2011, 11:53

Die Unschuldsvermutung reduzierte seinen Namen. Deswegen reden die meisten im forum auch nur mehr vom KHG. ;-)

haltamalgrantln
00
19.7.2011, 06:52
achtung - hilfspaket notwendig

achtung, hier droht Banken ein Verlust. Der Steuerzahler ist gefragt !!!

?und
00
19.7.2011, 08:37
die dummheit bei banken ist grenzenlos - was nicht alles vergeigt wird auf steuerzahlers kosten

und das ohne konsequenzen vermutlich.

Heinz Anderle
 
00
19.7.2011, 06:14
Der Verdächtige bedarf offenbar geigneter Unterstützung bei der Einvernahme:

Anfänger im Violinspiel geigen für ihn auf (den Beamten werden schalldichte Ohrenschützer zur Verfügung gestellt), aber nur Dilettanten ohne jedes Talent, dafür mit möglichst dicken und ungelenkigen Wurstfingern.

Es ist dann nur eine Frage der Zeit, bis er singt.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

WoHo
04
18.7.2011, 21:21
nur für den Fall, dass

ein Besitzer/Dealer jemand braucht, der seine Stradivari spielt, bitte bei mir melden, ich mach das ganz günstig..

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