ÖVP-Gesundheitssprecher verweistauf die latente Ohnmacht der Bundespolitik und wirft den den Ländern Säumigkeit vor
Wien - Für eine "schreiende Ungerechtigkeit" hält Erwin Rasinger die "Benachteiligung der Kinder": Obwohl Entwicklungsstörungen, vor allem psychischer Natur, zunehmen, fehlten 40.000 bis 80.000 Therapieplätze (Der Standard berichtete) - "und das Land schaut weg!" Doch Rasinger ist nicht nur Arzt, sondern auch Politiker. Wer also trägt Schuld am Missstand?
Der ÖVP-Gesundheitssprecher verweist angesichts zersplitterter Kompetenzen
auf die latente Ohnmacht eines Bundespolitikers und wirft den für die
Finanzierung zuständigen Ländern und Krankenkassen Säumigkeit vor. Letztere haben 2010 einen Überschuss von 280 Millionen erwirtschaftet: "Geldmangel ist ein Totschlagargument." Für 210.000 Kuren pro Jahr sei ja auch genug übrig.
Gebietskrankenkasse stockt auf
Christoph Klein, Vizedirektor des Hauptverbandes der Sozialversicherungen, nennt als Gegenbeispiel die Wiener Gebietskrankenkasse, die Therapieangebote für Kinder aufstockt, und kündigt einen Strategieplan an, um Lücken zu schließen: "Doch wenn die Politik mehr Leistung verlangt, muss sie sich auch überlegen, wo das Geld herkommt." In den 90ern habe es eine Beitragserhöhung zum Ausbau der Psychotherapie gegeben, die heute dem Wert von 60 Millionen entspreche. "Wir geben aber bereits um zehn Millionen mehr aus", sagt Klein.
Stöger wünscht sich Ausbau
Im Büro von Gesundheitsminister Alois Stöger verweist man jedoch auch auf die Überschüsse und "wünscht" sich den Ausbau des Angebots. Selbst finanziert das Ministerium Vorsorgeprojekte in Betrieben und lässt über einen Präventionsplan diskutieren, der im Herbst vorliegen soll. (jo, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.7.2011)