Atypische Beschäftigte im Fokus

18. Juli 2011, 13:10
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Das Projekt "Focus 1" geht in die Testphase und bietet Beratung, Weiterbildung und Seminare an

Montagmorgen versammelten sich Vertreter der Sozialpartnerschaft in Wien vor Journalisten, um ihr neuestes Projekt aus der Strategie der aktivierenden Arbeitsmarktpolitik zu präsentieren. Diesmal geht es um Tipps und Tricks für Personen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen, also freie Dienstnehmer, Ein-Personen-Unternehmen und neue Selbstständige.

Sozialminister Rudolf Hundstorfer fasst "Focus 1" - ein Gemeinschaftsprojekt von Sozialministerium, Wirtschaftskammer Wien, ÖGB, Arbeiterkammer und ÖSB Consulting - mit den Worten "Minimierung von Risiken, Erhöhung von Chancen" zusammen. Bisher seien "Personen, die im Bereich zwischen Unternehmertum und klassischer Beschäftigung" zu finden seien von Förderinstrumenten für Arbeitnehmer oder Unternehmen ausgenommen gewesen. Ziel sei es, Perspektiven für schwierige Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen. Auch den Weg in die Selbstständigkeit will man erleichtern, aber auch jenen, zurück in die unselbstständige Beschäftigung.

"Focus 1" umfasse Beratung durch Experten sowie Weiterbildungen und Seminare und richte sich vor allem an Frauen, ältere Personen und Personen mit Migrationshintergrund. "Der Schwerpunkt liegt auf der Stärkung der unternehmerischen Fähigkeiten sowie der Stabilisierung und Absicherung der Selbstständigkeit", unterstreicht Hundstorfer am Montag. Auch Brigitte Jank, Präsidentin der WK Wien, hofft, mit "Fokus 1" auch einen Schritt in Richtung Verminderung prekärer Erwerbsverhältnisse für selbstständig Beschäftigte gehen zu können.

Ein Punkt, dem auch Erich Foglar, Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, und Herbert Tumpel, Präsident der Arbeiterkammer, beipflichten. Foglar sieht aber keinerlei Problem darin, dass sich der ÖGB auch für "Focus 1" engagiere, auch wenn das Ziel eigentlich sei, "freie Dienstnehmer in die arbeitsrechtliche Absicherung in Form von Kollektivverträgen explizit aufzunehmen". Für Tumpel ist das Projekt ein wichtiger Beitrag um das Armutsrisiko und wirtschaftliche Abhängigkeiten zu vermeiden. Und auch für ihn gilt: "Der Arbeitnehmerbegriff muss modernisiert, eine arbeitsrechtliche Gleichstellung geschaffen werden."

"Focus 1" läuft derzeit in einer Testphase. In den Pilotregionen Wien und Steiermark hätten bereits mehr als 70 Personen das Angebot in Anspruch genommen. Insgesamt 1.600 Menschen könnten ab jetzt in Wien, der Steiermark und Oberösterreich mit den zur Verfügung gestellten Mitteln betreut werden. (rom, derStandard.at, 18.7.2011)

  • ÖGB-Präsident Foglar, Sozialminister Hundstorfer, WK-Wien-Präsidentin Jank und AK-Präsident Tumpel (v.l.n.r.) bei der Pressekonferenz im Wiener Sozialiministerium am Montag.
    foto: bmask

    ÖGB-Präsident Foglar, Sozialminister Hundstorfer, WK-Wien-Präsidentin Jank und AK-Präsident Tumpel (v.l.n.r.) bei der Pressekonferenz im Wiener Sozialiministerium am Montag.

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