100 Schritte zum App-Erfolg

Tatjana Rauth
18. Juli 2011, 15:58
  • Rebecca McPheters (McPheters & Company) berichtete von den Ergebnissen des iMonitor-Trackings.
    foto: werbesummit.at

    Rebecca McPheters (McPheters & Company) berichtete von den Ergebnissen des iMonitor-Trackings.

  • Peter Wolf (Rignier AG) stellte mit dem Appazine "The Collection" die iPad Applikation auf höchstem technischen Niveau vor.
    foto: werbesummit.at

    Peter Wolf (Rignier AG) stellte mit dem Appazine "The Collection" die iPad Applikation auf höchstem technischen Niveau vor.

  • Patrick Fischer (Hubert Burda Media) gab Einblick in die Organisationsstrukturen der Burda Style Group im Angesicht des digitalen Zeitalters.
    foto: werbesummit.at

    Patrick Fischer (Hubert Burda Media) gab Einblick in die Organisationsstrukturen der Burda Style Group im Angesicht des digitalen Zeitalters.

"Best Practise"-Beispiele für Apps beim Fokus Publisher - 40 Prozent aller Applikationen weisen laut iMonitor Defizite auf

Rebecca McPheters (McPheters & Company), Patrick Fischer (Burda) und Peter Wolf (Ringier) präsentierten am Werbeplanung.at Summit 11 die wichtigsten App-Erfahrungswerte der vergangenen eineinhalb Jahre und leiteten daraus durchaus unterschiedliche Schlussfolgerungen für die Zukunft ab.

Rebecca McPheters, ehemalige Senior Vice President der Frauentitel der New York Times Company und heute CEO von McPheters & Company, hat bereits 1997 den Eintritt ins Online-Geschäft gewagt und konzentriert sich nun, nach mehrjähriger Consultingtätigkeit für Medien- und Werbeagenturen, auf die boomende App-Industrie. Im Namen von McPheters & Company stellte sie beim Fokus Publisher den im Juni 2010 gelaunchten iMonitor vor.

Dieser trackt derzeit 2350 Publikationen, darunter alle weltweit veröffentlichten Magazine, alle bedeutenden Tageszeitungen in englischsprachigen sowie westeuropäischen Ländern, konkurrierende webbasierte Nachrichtenapps sowie Markenerweiterungen wie zum Beispiel Kreuzworträtsel. Zusätzlich werden alle publizierenden Plattformen sowie deren Preismodelle akribisch verfolgt.

Die häufigsten Fehler bei Apps

Die Apps werden anhand von rund 100 Kriterien beurteilt und im iMonitor App Rating gerankt, wobei das Hauptaugenmerk auf Design, Funktionalität, dem Angebot an Enriched Media sowie der Qualität der Werbeanzeigen liegt. Im Zuge der Evaluierung wurde festgestellt, dass etwa 40 Prozent aller untersuchten Applikationen beträchtliche Defizite aufweisen. Die häufigsten Fehler treten laut McPheters beim Download auf, zudem kommt es immer wieder zu plötzlichen Programmabstürzen, Links funktionieren nicht (was sich negativ auf Werbekunden auswirkt), Videos lassen sich nicht abspielen und Audioeinspielungen nicht abstellen. Manchmal sei es auch einfach nicht möglich, die Seiten umzublättern.

Trotz allen Widrigkeiten stellte Rebecca McPheters das Potential für experimentierfreudige Herausgeber sowie die Wachstumsraten am Tabletmarkt in den Vordergrund und betonte, dass bereits im nächsten Jahr viele technische Probleme von den Top sechs App-Entwicklern weltweit (Pocketmags, Adobe, Woodwing, Pixelmags, Texterity Inc., Blue Toad Inc.) überwunden sein sollten.

Die wichtigsten Parameter

Auf Grundlage ihrer Untersuchungen gab die Amerikanerin dem Auditorium zum Abschluss noch die wichtigsten App-Parameter mit auf den Weg.

  1. Die Navigation zwischen Ausgaben, Kapiteln und Artikel soll eine optimale Orientierung in der Applikation ermöglichen.
  2. Dem User soll die Möglichkeit zum Abonnement offenstehen.
  3. Leser sprechen sehr gut auf Extras wie Shopping Listen, Shuffle Features etc. an. "Best Practice"-Beispiele hierfür: Macumag, Quattroruote, Geo Mag N°4.
  4. Angereicherter Rich Media Content: Links, Audio, Video, Animation, Soziale Medien, Live Newsfeeds, Lokalisierung, Interaktion, Möglichkeiten zur Transaktion.

Herausforderung: Ausspielkanäle

Patrick Fischer, Direktor für Online und Innovation bei Hubert Burda Media, stellte den analytischen Erkenntnissen McPheters die Realität des Redaktionsalltags gegenüber. In der deutschsprachigen Printlandschaft als Verlag für Massenmedien etabliert, gab sich der Burda-Vertreter betont zurückhaltend gegenüber dem Mobile-Endgeräte-Hype. Am Beispiel Bunte.de erläuterte er, dass das Problem weniger im Anstieg mobiler Reichweiten für Web-Apps, WAP, iPhone Apps oder iPads liege, als im Redaktionshandling selbst.

Die verschiedenen Ausspielkanäle würden für Verlagshäuser eine riesen Herausforderung darstellen, man brauche eine klare Strategie um Fragen wie "Ist das Tablet die Verlängerung eines Printmagazins oder die Mobilisierung der Online-Inhalte?" mit dem richtigen Geschäftsmodell beantworten zu können.

Die Redaktion als Markenbotschafter - 24/7

Die Burda Style Group hat sich laut Fischer nach reichlicher Überlegung für den Weg als Premiumnetzwerk entschieden. Es gibt eine zentrale Redaktion, aus deren Content sich durch Verknüpfungen alle Webseiten speisen und die als Markenbotschafter 24/7 für Updates in Echtzeit sorgt. Bei den Betriebssystemen würde man sich klar auf iOS und Android konzentrieren. Mit diesem Konzept sei die "Bunte" immerhin zur neunterfolgreichsten Applikation in der Kategorie Nachrichten geworden.

Bezahlbereitschaft für Nachrichten-Apps eher gering

Im Bereich der Monetarisierung zeigte Fischer auf, dass die Bezahlbereitschaft bei Apps eher gering sei und sich der Großteil der verkauften Apps aus den Bereichen Games, Navigation und Büchern rekrutiere, nur 1,5 Prozent der Ausgaben entfielen auf den Sektor Nachrichten. Deshalb glaube er an kein duales Geschäftsmodell mit Bezahlschranken und Werbung. Burda sei im Bereich der Werbevermarktung im Web weit erfolgreicher als im Bereich Abonnement, weshalb als Konsequenz auch in Zukunft die Inhalte der Burdas Style Group werbefinanziert angeboten werden.

"Simple and elegant."

Ein technisch beeindruckendes Bespiel präsentierte Peter Wolf, Verantwortlicher für das Business Development bei der Schweizer Rignier AG. Das multinational tätige Medienunternehmen, das sich seit fünf Generationen in Familienhand befindet, hat seine ersten Schritte auf dem Weg ins digitale Zeitalter bereits gemacht. Die traditionellen Printmarken wurden fürs Web aufbereitet, es stehen den Lesern mobile Anwendungen mit Fokus auf iOS zur Verfügung, im Hintergrund wird aber auch an Lösungen für Android und HTML 5 Nutzer gearbeitet. Das Pricing variert, manchmal ist nur die Applikation kostenpflichtig, manchmal nur der Inhalt - ein einheitlicher Weg wurde noch nicht gefunden.

Ringier hat deshalb ein neues Produkt entworfen, das finanziert durch Werbung, Sponsoring, Aufträge und Software-Lizenzen für den User schrankenlos zugänglich ist. Das native digitale Format nennt sich "The Collection", ist eine monothematische Publikation und weltweit die erste ihrer Art. Sie wurde von den weltweit einflussreichsten Peers durchwegs positiv rezensiert, die "Washington Post" beschrieb sie ebenso wie die "New York Times" mit den Worten "simple and elegant". Das sogenannte Appazine nutzt 14 Multimediaformate, die im auch im Ringier-Newsroom Anwendung finden und erzählt in allen Möglichkeiten, die das iPad bietet, eine Geschichte zu einem Thema, das für Menschen auf der ganzen Welt interessant ist. 

News, Corporate & Educational Apps

Die Applikation selbst wird von einem eignen Entwicklerteam in Vietnam erstellt, das sich darauf vorbereitet "auf dieser Maschine", wie Wolf die Produktionseinheit nennt, in Zukunft auch Corporate Media und Educational Apps zu produzieren. So habe etwa Kalifornien angekündigt, fast keine gedruckten Bücher mehr in Schulen verwenden zu wollen, so der Rignier-Trendscout, weshalb man nun auch eine Zweigstelle Rignier USA im Silicon Valley eröffnet habe.

Zusammenfassend darf getrost Rebecca McPheters Abschlusssatz zitiert werden: "Es gab wohl noch nie eine spannendere Zeit, Verleger zu sein."(Tatjana Rauth/derStandard.at/18.7.2011)

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8 Postings
wichtigster Schritt ist vergessen worden,

die App muss die möglichkeit besitzen eine "Nockate" anzuzeigen. Aber eine mit "gscheiten Tutteln"

aber sicher nicht am iphone! gott bewahre!

ich verstehe es immer noch nicht

mach einen bildschirm klein und tragbar, nenne programme(wie es sie seit jahrzehnten gibt)apps und fertig ist der hype....
bei uns am studiengang wollen jetzt plötzlich auch alle "apps" programmieren......ist ja viel cooler als c++ am pc. juhu...

einen hype machen ...

das nennt man wohl geschicktes und gut platziertes Marketing ... ist - zwar meist nicht in der Tragweite - in vielen anderen Bereichen, wo es um das Verkaufen von Produkten geht gleich: Andere Verpackung, andere Bezeichnung und schon ist was eigentlich altbekanntes in neuen Kleidern ein "Hit"!

Beispiele gibt's von "Kombucha" als Trendgetränk über Autos die im Grunde auch nicht viel mehr tun als von A nach B zu fahren bis hin zu ständig "hipper" Hard- und Software am neuesten Stand.

Dank dieser Unternehmen, deren Anstrengungen und der zunehmenden Verbreitung dieser tollen Apps sind wir wieder ein Stückchen näher dem Weltfrieden gekommen.

Der liebe Gott möge diesen Personen ihre Anstrengungen im Fegefeuer vergelten!

Gott bewahre

die Apps vor den Werbefritzen...

App my ass.

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