Massive Kritik an Fekter

Koalition streitet um Golden Handshakes

18. Juli 2011, 12:36
  • Artikelbild
    foto: apa/jaeger

    Finanzministerin Fekter will Steuerprivilegien für Frühpensionisten abschaffen, Hundstorfer will die Begünstigungen für Arbeitnehmer jedoch nicht in Frage stellen, nur Arbeitgeber sollen keine Vorteile mehr haben.

Hundstorfer ist gegen die Abschaffung von Steuerbegünstigen für Frühpensionisten

Wien - Noch gestern hatte Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) den Vorschlag von Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP), die steuerlichen Begünstigungen bei Frühpensionen abzuschaffen, begrüßt (derStandard.at berichtete). Nun konkretisierte er seine Vorstellungen und spricht sich teilweise gegen den Vorschlag aus. Er sagte, er sei nicht dafür, die Steuerbegünstigung für die Arbeitnehmer infrage zu stellen, bei den Arbeitgebern "kann ich mir vorstellen, dass man da was tut".

Stilllegungs- und Restrukturierungspläne von Unternehmen, die mit einer solchen Begünstigung rechnen könnten, seien oft viele Jahre im Vorhinein geplant und würden meist der "normalen Gewinnmaximierung" dienen. Einer seiner eigenen früheren Vorstöße gegen vorab vereinbarte, möglichst frühe Pensionsantritte habe eine andere Zielgruppe als die Sozialplanbegünstigten gehabt.

Kritik von der Gewerkschaft

ÖGB-Präsident Erich Foglar hat am Montag den Vorstoß, die steuerliche Begünstigung für Sonderabfertigungen abzuschaffen, zurückgewiesen . Der Vorschlag von Finanzministerministerin Maria Fekter (ÖVP) sei "nicht sehr ausgegoren" und "wenig zielführend", sagte Foglar bei einer Pressekonferenz. Ein solcher Schritt erschwere die Erstellung von Sozialplänen im allgemeinen und würde eine "massive Verschlechterung der (betroffenen) Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedeuten. Das lehnen wir ab".

"Kommt Bestrafung gleich"

Arbeiterkammerpräsident Herbert Tumpel bekräftigte, dass der Vorschlag nichts zur Lösung des Problems, das faktische Pensionsantrittsalter anzuheben, beitrage. "Wenn ein Arbeitgeber zu Umstrukturierungsmaßnahmen gezwungen wird und sagen muss: 'Auf Wiedersehen, ich kann dich leider nicht mehr brauchen' kommt eine höhere Besteuerung einer Bestrafung gleich, für jene, die nichts dafür können. Arbeitnehmer haben in diesen Fällen schlechte Karten. Sie können sich gar nichts wünschen oder aussuchen", sagt Tumpel.

Unterstützung von Wirtschaftskammer

Die Wiener Wirtschaftskammer-Präsidentin Brigitte Jank sagte, die Wirtschaft habe ein "vehementes Interesse", dass die Leute künftig später in Pension gingen. Man müsse sich den Vorschlag im Detail anschauen, "aber einfach zu sagen, das muss weg, ist nicht die Lösung".

Die Wirtschaftskammer wird zu den Vorschlägen, dieFrühpensionisten zu streichen, eine Studie in Auftrag geben. Das kündigte Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl am Montag via Aussendung an. Selbstverständlich sei die Wirtschaft "über alle Maßnahmen gesprächsbereit, mit welchen das niedrige Pensionsantrittsalter in Österreich angehoben werden kann", sagte Leitl. Gleichzeitig betonte er, notwendige Betriebssanierungen dürften dadurch nicht erschwert oder unmöglich gemacht werden.

Die Studie soll untersuchen, inwieweit sich die angedachten Steueränderungen einerseits auf ein höheres Pensionsalter auswirken und andererseits notwendige Sanierungspläne beeinflussen. Die Ergebnisse der Studie sollen noch heuer in die Pensionsreform-Gespräche eingebracht werden, so Leitl.

Seniorenbund für Vorschlag

Seniorenbund-Obmann Andreas Khol (ÖVP) hat Fekters Vorschlag als "hervorragend" bezeichnet. Reinhard Todt, Generalsekretär des  Pensionistenverbandes der SPÖ, erklärte, dass er Fekter ebenfalls unterstütze und dass die angestoßene Debatte zeige "wie dringend Österreich eine Steuerreform benötigen würde". Später präzisierte er in einer Aussendung seine Aussagen. Er unterstütze den Vorschlag nur insofern, "als von unserer Seite her nicht einzusehen ist, dass sogenannte 'Golden Handshakes' von Unternehmen als Betriebsausgaben steuerlich geltend gemacht werden können." Eine Streichung der Begünstigungen für Arbeitnehmer sieht auch Todt kritisch. (APA/red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 65
1 2
Wienbär
00
18.7.2011, 17:44
Das Ganze ist ein zweischneidiges Schwert

Gehen wir mal davon aus, die Industrie könnte irgendwie gezwungen werden, die älteren Arbeitnehmer weiter zu beschäftigen (anstatt sie einfach so rauszuhauen oder ihnen vielleicht den GS zu geben), werden damit Arbeitsplätze belegt, die nicht mit nachrückenden jungen Menschen besetzt werden können. Dann arbeiten die Älteren zwar bis zur regulären Pension, die Jungen gehen aber zum AMS und bekommen irgendwas zwischen Arbeitslose und Sozalhilfe - finanziert von den älteren Arbeitnehmern.

Ist das das Gelbe vom Ei?

Solange die Industrie und die wirklich Reichen die Politik und die Gesetze zu ihren Gunsten und für ihren Gewinn dermaßen massiv beeinflussen, werden keine sinnvollen Lösungen für Arbeitnehmer umgesetzt werden können.

Bergdolm
00
18.7.2011, 18:21

Ja, dann muss man halt kämpfen.
Ein debiles Faymann-Grinsen ist eindeutig zuwenig.

Gespannt bin ich ja, wie der Strache an diese Problematiken herangehen wird ...

reunion
00
18.7.2011, 17:26

Und das lustige gegenseitige blockieren geht weiter...

bibi ohne mit zitrone
00
18.7.2011, 17:02

wir sollen bis 65 arbeiten

wieso dann handshakes?

ich bleib bis 65

ohne handshake

freuts euch

bibi ohne mit zitrone
10
18.7.2011, 16:49

wie ist das jetzt
die entarbeiteten müssen für ihre entarbeitung nocheinmal steuer zahlen
das ist sehr ungerecht

die gerechtigkeit sinkt immer tiefer

Herrenreiter
 
00
18.7.2011, 16:59

Quatsch! Wie beim 13/14-Gehalt kommt auch diese Steuerbegünstigung einfach nur den Großverdienern zugute und belohnt den Dienstgeber, wenn er ältere Arbeitnehmer "freisetzt". Wobei er diese mittels "Golden Handshakes" zu Lasten des Steuerzahlers gewinnt. Eine in jeder Hinsicht höchst schädliche und ungerechte Praxis, für die sich aber jene Leute stark machen, die in Positionen sitzen, wo man es sich "richten kann".

Unglaublich viel Schindluder wird damit getrieben. Und der Steuerzahler darfs finanzieren.

Der Ursprung
02
18.7.2011, 16:36
Ich bin zwar kein Fekter Fan

aber den Unternehmungen einmal das Messer anzusetzen, damit diese endlich mit den Handshakes aufhören, dem kann ich nur zustimmen. Unabhängig davon muss man die echten Kranken sehen, Menschen die z.B. gegen Krebs kämpfen, eine starke Chemo bekommen, bestrahlt werden od. ähnliches (glauben Sie mir es, das ist nicht einfach - ich habe zwei total gefährliche Opartionen hinter mir und auch eine Chemo - aber ich arbeite weiter mit meinen 50 Lenzen) Mehr als das ich in einer Kiste lande kann mir auch mit 90 Jahren nicht passieren. Ich liebe es, zu arbeiten und Steuern und soziale Abgaben zu leisten - egal wie gesund oder krank ich bin.

turn of a friendly card
00
18.7.2011, 17:02
Lohnsteuer zahlt das Unternehmen????

Volksbefreiungsfront Alt-Ottakring
 
00
18.7.2011, 17:01
Respekt!

Bin auch ein Totgeweihter (Metastierungen,...), aber lebe dahin als ob nichts wäre.

Natürlich voll berufstätig. Und sportlich. Was soll's!

mikromalist
 
00
18.7.2011, 16:34
ÖVP war so schön im untergehen.

Die völlig paralysierte Krone SPÖ gibt Fekter die Chance den abwärts rollenden Karren im Alleingang umzudrehen.
Fekter ist intelligent und engagiert, leider böse.
Sie wird die nächste BK. Strache wird sich, wie Haider, nicht trauen, weil er weiss, dabei ginge er völlig unter. Burschenschafterkeller, Bierzelt, Fremdenhatz und BK geht nicht.

Das einzige, was mich daran freuen würde, ist der Abflug von Spindel und anderer schwarzer Einfältlinge und die Kopfwäschen für E Pröll.

Die SPÖ hätte dann ein paar Jahre Zeit, sich von Fay, Bur, Hunds, Rud, Dara, ... zu erholen.

Bergdolm
00
18.7.2011, 18:26

Sie haben recht.
Die von Ihnen aufgezählten "Roten" schauen hilflos zu, wie die Fekter eine relativ primitive Schlagwort-Politik macht. Die aber wirkt ...

Londo Mollari
 
00
18.7.2011, 16:30
es wäre supi von einer tollen zeitung,

Londo Mollari
 
00
18.7.2011, 16:31

die derzeit gültige grenze von (wie ein poster meinte) 4.200 eur zu nennen. damit "golden" ist solcher handshake wohl weniger.

rseins
01
18.7.2011, 16:23
Neue Privilegien

heimlich, still und fast leise genehmigen sich die Kommunalpolitiker ein neus Privileg: die Zuverdienstgrenze für "Frühpensionisten", die Einkünfte als Bürgermeister oder Gemeindevertreter haben, wird erhöht. Es werden also nicht etwa die Privilegien der Beamtenpensionisten angegriffen. Nein, die Leute greifen in den überschuldeten Topf und nehmen sich, was andere zahlen. Guten Appetit und Prost!

double standard
11
18.7.2011, 16:17
goldener schauder

sie könnte auch in erwägung ziehn ausstehende steuerzahlungen einzutreiben. aber das trifft ja sie und ihresgleichen

Herrenreiter
 
00
18.7.2011, 16:53

Das wird doch sowieso ständig versucht, ist aber nicht so einfach, wie sich der kleine Maxi das vorstellt. Entweder weil das Geld längst nach Liechtenstein in Sicherheit gebracht wurde und man keine Geldwerte mehr vorfindet, oder weil Arbeitsplätze daran hängen. Wer einen Steuerschuldner und Dienstgeber brutal exekutiert, vernichtet die Arbeitsplätze in dem betroffenen Unternehmen und handelt sich den Zorn der Gewerkschafter ein.

Volksbefreiungsfront Alt-Ottakring
 
11
18.7.2011, 16:10
ÖGB - Österreichischer Großverdienerbund ?

Golden Handshakes begünstigen steuerlich die Bezieher hoher Einkommen. Klarer Fall, dass der ÖGB gegen eine Streichung ist.

MoltoBene
00
18.7.2011, 16:08
Viele Ungerechtigkeiten

allein die Diskussion in diesem Forum zeigt die vielen Ungleichheiten und daher Konfliktlinien in diesem Land. Alt gegen jung. ASVG gegen geschützter Bereich. Daher sofortiger Umstieg auf einheitliches Pensionssystem für alle welches zwar auf Umlagesystem basiert, aber nach einem Eigendeckungsgrad berechnet wird. Soviel man einzahlt, soviel bekommt auch wieder heraus. Natürlich mit einer Mindestabsicherung, welche aus dem Steurtopf finanziert wird. Für nicht berufstätige Eltern (meist Frauen) - pensionssplitting der Beiträge des Partners. Für alle heutigen Pensionisten über ASVG Maximum, Solidarbeitrag zum System, ausser sie haben mehr als 75% Eigendeckungsgrad duch ihre Beiträge (wird ne kleine Liste).

Zum Beispiel1
00
18.7.2011, 16:02
Die Wiener Wirtschaftskammer-Präsidentin Brigitte Jank sagte, die Wirtschaft habe ein "vehementes Interesse", dass die Leute künftig später in Pension gingen.

Die Dame will, dass ihre zwangsbeglückten Kanmmerangehörigen überhaupt nie in Pesion gehen. Ansonsten würden diese bemerken, dass die mit ihren Zwangsbeiträgen an die SVA gefütterten Pensionsfonds von den Kammer"experten" leergewirtschaftet wurden.

Comedian
00
18.7.2011, 16:01
Der Arbeitgeber sagt, nicht "Ich kann dich nicht mehr brauchen", er sagt "Ich will dich nicht mehr brauchen".

Abgesehen davon sehe ich in einer vollen Besteuerung kein Problem. Der Arbeitnehmer, weiß, wieviel er netto will, dann wird es halt brutto teurer. Wenn der Arbeitgeber nicht will, dafür gibt es Gewerkschaften :)

Minister für Verwaltungsreformen
01
18.7.2011, 15:38
die schutzpatrone der frührentner

sind wieder in fahrt gekommen

peter schmidt
 
011
18.7.2011, 15:04
naja das trifft halt die kernwählerschicht der spö

jene die sich 25 jahre lang bei staatsnahen betrieben in einen boreout gearbeitet haben. an sich eh nette kerle. man kennt sie von den tennisplätzen oder sieht sie beim segeln immer wieder.

zkk
 
02
18.7.2011, 16:20
grün für "boreout" ... ^^

Bertel Mann
02
18.7.2011, 14:50
"Die Wiener Wirtschaftskammer-Präsidentin Brigitte Jank sagte, die Wirtschaft habe ein "vehementes Interesse", dass die Leute künftig später in Pension gingen. "

Allerdings habe die Wirtschaft kein Interesse daran, ältere Leute zu beschäftigen...

didi111
13
18.7.2011, 14:36
Richtig, Herr Hundsdorfer!!

Nach der Devise:

"Eine Blondine macht noch keinen Sommer"

kann man das lustige Geplänkel der Miarz auch inhaltlich einordnen.

Es ist zu begrüssen, daß sich das auch schon bis zur Löwelstrasse durchgesprochen hat.

Weil DAS ist ein wenig seicht:

Die Arbeitnehmer müssten bluten UND gleichzeitig ist in Österreich kein Bedarf gegeben, vermögensbezogene Steuern einzuführen.

DAS kann man wirklich nur noch paar angrennten ÖAABlern erklären.

Die ANDEREN ...

UND wenn wirklich, liebe Freunde, dann nur beinhart junktimieren.

Vermögenssteuern, Erb- und Schenkungssteuer sind ein absolutes "must have" beim Junkimieren.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 65
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.