14.000 Euro Gehalt und mit dem Dienstauto zur Geliebten

18. Juli 2011, 12:12
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Laut Facebook-Gruppe: Ehemaliger Parlaments-Mitarbeiter listet Politiker-Privilegien im Internet auf

Finanzkrise hin, Sparpaket her, die Bevölkerung, die habe dringend und vehement einzusparen, die Politiker selbst aber sollen dabei nichts spüren. Italien kämpft um seine Reputation und gegen seine Schulden, die Parlamentarier selbst merken kaum etwas davon. So weit, so ungerecht, so bekannt. Die Privilegien der Volksvertreter im ohnehin drastisch überschuldeten Land erscheinen angesichts Milliarden-Kürzungen allerdings bizarr. Das zeigt eine Seite auf Facebook, die die Privilegien der Abgeordneten mit Sitz in Rom auflistet: "Die Geheimnisse der Kaste des Montecitorio", heißt sie und zählt die Rabatte und Vergünstigungen auf, die die Volksvertreter im Palazzo Montecitorio, wo das italienische Abgeordnetenhaus untergebracht ist, genießen.

Demnach verdienen Italiens Abgeordnete weiterhin bis zu 14.000 Euro und damit etwa doppelt so viel wie ihre deutschen Kollegen. Weitere Vorteile des Politikerlebens: Nicht ein, sondern gleich mehrere vom Staat finanzierte Büros, eines davon im besten Fall in der privaten Wohnung, damit die gleich mitbezahlt wird. Außerdem beliebig viele Freiflüge innerhalb Italiens, die sich nicht nur auf die Volksvertreter selbst beschränken, sondern auch Familienmitgliedern und Freunde inkludieren. Weiters nicht weniger als neun Parlaments-Friseure (mit einem Gehalt von 11.000 Euro), besonders günstige Telefontarife, Rabatte auf Autos sowie die Möglichkeit der privaten Nutzung der Polizeieskorten - für den Besuch bei der Geliebten oder den spontanten Einkauf der Ehefrau in der Nobelboutique.

Der Betreiber der Seite blieb bisher anonym, eigenen Angaben zufolge habe die Quelle 15 Jahre im Parlament gearbeitet und dabei die Privilegien auf Kosten des Staates beobachtet. Der Informant, der sich "spidertruman" nennt, hat sowohl auf der Facebook als auch auf einem Blog Fotos der zitierten Dokumente hochgeladen. Die Echtheit der Dokumente wird weitgehend nicht angezweifelt. Von offizieller Seite wurde bereits der Versuch unternommen, die Seite zu schließen, da die abfotografierten Informationen das Urheberrecht verletzten. In der Zwischenzeit gibt es drei solcher Seiten auf Facebook, insgesamt hat sie knappe 200.000 Mitglieder.

Die "Kaste" zählt in der Zwischenzeit knapp 1,3 Millionen Mitglieder, also Menschen, die direkt oder indirekt mit der Politik zusammenhängen, wie die Tageszeitung La Repubblica errechnet hat. Ein Politikerheer aus Abgeordneten, Beratern, Gemeinde- und Stadträten, das die Italiener 646 Euro pro Kopf, insgesamt 24 Milliarden pro Jahr kostet. (fin, derStandard.at, 18.7.2011)

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