Neurofibromatose

Marker für Tumorrisiko bei Kaffeefleckenkrankheit gefunden

18. Juli 2011, 11:20

Protein im Blut deutet auf gefährliche Verlaufsform hin

Hamburg - Möglicher Fortschritt für die Labormedizin bei der Abklärung des wahrscheinlichen Verlaufs einer Neurofibromatose vom Typ 1: Deutsche Forscher haben im Blut ein Protein entdeckt, das Auskunft über den zu erwartenden Verlauf geben könnte. Eine Neurofibromatose vom Typ 1 ist eine Erbkrankheit, die zu einem erhöhten Risiko für gut- und bösartige Nerventumoren führt. Wissenschafter des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik in Berlin und des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf haben einen Biomarker-Kandidaten für die Tumorbelastung von Typ-1-Neurofibromatose-Patienten entdeckt.

Das Protein MIA kommt demnach im Blut von Patienten mit vielen oder großen Tumoren in besonders großen Mengen vor. Es ist insbesondere auch messbar, wenn äußerlich keine Tumoren sichtbar sind. Mit diesem Biomarker könnten Neurofibromatose-Patienten mit höherer Tumorbelastung früher und leichter identifiziert werden und somit die Behandlungsmöglichkeiten verbessert werden.

Kaffeebraune Hautflecken

Im Durchschnitt erkrankt ein Mensch von 3.000 an einer Typ-1-Neurofibromatose. Typische Merkmale sind kaffeebraune Hautflecken, Knochenveränderungen und Tumore in der Haut und der Nerven. Die Erkrankung wird durch eine Mutation des NF1-Gens hervorgerufen, ein sogenanntes Tumorsuppressor-Gen, das die Bildung von Krebszellen unterdrückt. Zellen, in denen dieses Gen defekt ist, beginnen häufig, sich unkontrolliert zu teilen. Die Folge sind zunächst gutartige Tumore aus Hüllzellen des Nervensystems, sogenannten Schwann-Zellen, sowie Bindegewebszellen. Bei etwa jedem zehnten Patienten entwickeln sich daraus bösartige Tumore der Nervenhüllen.

Bisher können Neurofibrome, die sich in tiefer liegenden Körperschichten befinden, nur mit Hilfe aufwendiger und teurer Kernspin-Untersuchungen aufgespürt werden. Die Forscher des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik und des Universitätsklinikums Eppendorf haben nun das Protein MIA als geeigneten Biomarker identifiziert, mit dem Mediziner Patienten mit erhöhter Tumorbelastung durch eine einfache Blutuntersuchung identifizieren werden könnten. MIA ist maßgeblich an der Bildung von Knorpelgewebe beteiligt und wird von Neurofibromen für ihr Wachstum benötigt. (APA)

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