Sausgruber: Die Mitte als Chance für die ÖVP

18. Juli 2011, 08:33

Vorarlbergs Landeshauptmann: Ausgrenzung der FPÖ "würde ich wieder tun"

Bregenz - Vorarlbergs Landeshauptmann Herbert Sausgruber, der am 24. Juli seinen 65. Geburtstag feiert, sieht die Chancen der Volkspartei auf ein erfolgreiches Abschneiden bei der Nationalratswahl 2013 intakt. Wenn man die Positionierung in der Mitte konsequent verfolge, dann sei eine Erholung insoweit möglich, "dass man bei der Frage 'Wer wird Erster?' mit dabei ist", sagte Sausgruber im Interview mit der APA. Für Familie, Eigentum, Leistung und Solidarität gebe es in Österreich "breiten Platz", befand der Landeshauptmann.

Ausgrenzung der FPÖ

Genau eine solche "Politik der Mitte" verfolge die Vorarlberger ÖVP, die seit 2009 mit absoluter Mehrheit alleine regiert. "Wir wollten keine Kursänderung", begründete Sausgruber die Haltung der Landes-ÖVP, nach der Landtagswahl keinen Partner mehr in die Regierung zu nehmen. So sei es richtig gewesen, nach dem "Exil-Juden"-Sager von Dieter Egger der FPÖ die Zusammenarbeit aufzukündigen ("würde ich wieder tun"), andererseits habe man aber auch keinen Linksschwenk vollziehen wollen. Auf die Frage, unter welchen Bedingungen die ÖVP die FPÖ wieder als Partner ins Boot holen könnte, wollte der Landeshauptmann nicht eingehen.

In Sachen Budget sah Sausgruber weiterhin "große Disziplin" und daraus resultierende "schmalste Steigerungen" als Schlüssel zu einem ausgeglichenen Finanzhaushalt. In Vorarlberg soll 2013 wieder ein Budget ohne Netto-Neuverschuldung erreicht werden. Dabei setzt er auch stark auf die Selbstorganisation der Gesellschaft durch Familie und Ehrenamt, etwa beim Thema Pflege. "Eine Philosophie, die nur der Großstruktur und der Einheitsregelung das Wort redet, ist überhaupt nicht finanzierbar", so der Landeshauptmann. Was an Mitteln frei verfügbar sei, werde in die Ausbildung gesteckt.

Steuerhoheit

Einer Steuerhoheit der Länder steht Sausgruber weiter skeptisch gegenüber. Zwar sei noch ein Gutachten abzuwarten, das genauere Aufschlüsse zu der Frage liefern soll, Vorarlbergs Regierungschef verwies aber nicht zuletzt auf die "österreichische Mentalität, die sehr ausgleichsfreundlich ist". Er glaube nicht, dass man zwischen den einzelnen Bundesländern nennenswerte Unterschiede erzielen könne, und dann mache das Ganze keinen Sinn. Sausgrubers Ansicht nach sollte vielmehr der Finanzausgleich für einen längeren Zeitraum abgeschlossen werden.

Beim Thema Schule habe man in den vergangenen Monaten viel zu sehr über Nebenfragen und viel zu wenig über anderes wie Frühpädagogik, Lehrerausbildung, Lehrerdienstrecht und ganztägige Formen gesprochen. Er glaube, dass in vielen Bereichen ein Konsens möglich sei, "man soll schauen, dass man weiterkommt, da engagieren wir uns auch", sprach Sausgruber die Neue Mittelschule an. Dass sich die ÖVP gegen eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen sträube, habe damit zu tun, dass in den Augen vieler Eltern die Gymnasium-Unterstufe "positiv besetzt" sei. Diese Möglichkeit wegzunehmen sei eine Hürde, "die nicht so klein ist, wie manche meinen". Auch gebe es Zweifel daran, ob die Gesamtschule zu der notwendigen Differenzierung in der Lage sei. Sausgruber räumte aber ein, dass es auch Argumente für eine gemeinsame Schule gebe und nannte dabei etwa die frühe Selektion.

Gesundheitspolitik

Scharfe Kritik übt Sausgruber an der Haltung von Gesundheitsminister Alois Stöger, der für einen Pilotversuch zur Finanzierung des Spitals- und des niedergelassenen Sektors aus einer Hand nicht zu einer Gesetzesänderung bereit sei. "Das ist starker Tobak inmitten einer Nichtraucherzone", ärgerte sich der Landeshauptmann. Während Stöger den Standpunkt vertritt, dass ein solcher Versuch auch unter den gegebenen Regelungen machbar ist, widerspricht Sausgruber energisch. Das Land tue, was es könne, ein Versuch in größerem Rahmen sei derzeit aber unmöglich, weil man bei aller Konsenssuche unter den Partnern "zu sehr kleinen Schritten" verurteilt sei.

EU

In der EU wünscht sich Vorarlbergs Landeshauptmann "weitere Formen des Direktdurchgriffs" unter bestimmten Bedingungen. "Man wusste, dass es auf Dauer nicht genügen kann, zur Steuerung eine Zentralbank und eine Maastricht-Formel zu haben", sagte der Landeshauptmann. Kommission oder Rat müssten als übergeordnete Struktur in bestimmten Situationen eingreifen und korrigieren können. "Man braucht mehr Europa", betonte Sausgruber, der hoffte, "dass man aus der kritischen Situation lernt". Ein Auseinanderbrechen des Binnenmarktes wäre in Sausgrubers Augen fatal.

Nachfolge

Zu seiner eigenen Zukunft erklärte Sausgruber, dass es "bei dem Gesagten bleibt". Er stehe grundsätzlich die gesamte Legislaturperiode (bis 2014, Anm.) zur Verfügung, sofern die Gesundheit mitspiele. In Bezug auf seinen Nachfolger werde er zu gegebener Zeit einen Vorschlag machen. Einen Namen wollte Sausgruber nicht nennen, er stand aber weiter dazu, dass er bei der Bestellung von Markus Wallner zu seinem Stellvertreter in der Landesregierung von einem "Signal für einen längerfristigen Zeitraum" gesprochen hatte. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 53
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Jeff Freeman
00
Die Wahrheit kommt ans Licht

Herr Saugruber sollte sich warm anziehen !!! Es gibt keine Mitte mehr !!!

fredi 1990
00
26.7.2011, 10:13
hat ja der super-wolfi auch getan!

heute müssen die bürger noch die fehler der regierung unter schüssel ausbaden!

Wo woar mei Leistung?
00
19.7.2011, 16:12
Blöd, dass es bald keine Mitte mehr gibt

Neoliberale Politik hat dazu geführt, dass es eine schmale Schicht an Wohlhabenden gibt. Und der Rest rauft ums tägliche Überleben. Wen will man da ansprechen? Die Stimmen der Beamten und Großbauern hat man ja. Für den Rest ist die ÖVP total uninteressant geworden. Wien und andere urbane Bereiche werden für die ÖVP zum Trümmerfeld. Wenn sich die FPÖ nicht mehr selbst demontiert, wird die ÖVP zum Dauer-Juniorpartner der Blauen.

bildungsferneschicht
00
19.7.2011, 15:26
ihr wollt nur die stimmen der mitte,

und die interessen eurer sponsoren und klientel
vertreten.habe euch bis 2006 gewählt,selten so
verarscht geworden.
vielleicht habt ihr viel vor,aber die mitte zu vertreten
ganz bestimmt nicht.
ich hoffe,dass auch ein paar parteifuzzis von euch
diesen post lesen.

PARTEISPENDEN OFFENLEGEN; DALLI DALLI

dann seid ihr bei 10% und tschuess

bildungsferneschicht
00
19.7.2011, 15:19
ihr wollt nur die stimmen der mitte,

Kondratjew -Zyklus
 
00
19.7.2011, 14:45
Nicht "die Mitte", sondern die Mittekmäßigkeit ist der Garant für das Überleben der ÖVP.

Freund der Sanktionen
02
19.7.2011, 12:50
Ups! Wenn die ÖVP wirklich die Mitte repräsentiert,

dann bin ich über Nacht ohne es zu wissen zum Linksradikalen mutiert...

Ratlos
12
19.7.2011, 09:52
Schüssel hat 2002 die über 40 % Stimmen ja dadurch erhalten, dass er die Mittelschicht mit seinen Aussagen gewonnen hat. Die kalte Dusche folgte dann, als trotzdem wieder nur Politik für die Kernklientel gemacht wurde.

Es wird endlich Zeit für eine Mittelschichtpartei in Ö, die Mittelschicht hat in diesem Land keine Lobby.

flohimpelz
03
19.7.2011, 12:48
Die Mittelschicht in diesem Land

wurde von der ÖVP verkauft, verspottet und ausgerottet - das Klientel der ÖVP besteht wie bei der FPÖ hauptsächlich aus Glücksrittern die sich an der arbeitenden Bevölkerung bereichern.
Die Schützlinge der ÖVP sind Leute wie Grasser, Strasser, Mensdorf-Pouilly, Meinl und sonstige Wirtschaftskriminelle.

Steinbock1959
01
19.7.2011, 12:28

Er hat die vielen Stimmen nur bekommen, weil er sich dafür den besten Finanzminister aller Zeiten mit ins Boot geholt hat, nur dass der damals noch keinen so schlechten Ruf gehabt hat.

Steinbock1959
01
19.7.2011, 00:46

Man sagt, dass das richtige Mass irgendwo in der Mitte zu finden ist und wenn links und rechts nicht nur lauter Trotteln/Trampeln stehen, wird man irgendwo auch zusammenfinden.

per verser
12
19.7.2011, 08:11

spätestens seit schüssel ist die mitte in diesem land ungefährt dort zu finden, wo dollfuß 1933 stand. insofern hat "mitte" ganz sicher nichts mit stabilen und akzeptablen politischen werten zu tun.

Billy the Mountain
02
19.7.2011, 00:44
Huch - die ÖVP in einer Mitte?

Huch - die ÖVP in einer Mitte? Also von denen möchte ich mir keine Wippe bauen lassen - da hätten dann meine Kinder keine rechte Freude damit... ;)

Max Kahlenberg
03
18.7.2011, 23:41
Wenn die ÖVP von "Mitte" schwafelt, beginnt mir umgehend schwindlig zu werden !

CrangerMan
02
18.7.2011, 22:21

Pure Heuchelei! Die FPÖ war über Jahrzehnte in der Landesregierung und da hat es mehrere solche Sager gegeben. Der Ausschluss war tatsächlich nur Wahlkampftaktik, man konnte es sich in Vorarlberg erlauben. Aber im Bund schaut das anders aus.

byron sully
010
18.7.2011, 19:56

und in der mitte anzukommen, bräuchte die övp allerdings einen linksruck.

anni gruber
00
19.7.2011, 12:25
den linksruck haben's eh vor.

"...Familie, Eigentum, Leistung und Solidarität..." beschwört Sausgruber.

mit der genannten solidarität (wahrscheinlich ist solidarität unter reichen gemeint) verwenden sie wenigstens ein schlagwort der linken. mehr ist es sicher nicht.

wenn ich eigentum und leistung von denen hör, ist mir alles klar. vielleicht noch ein paar umwidmungen von grünland in bauland für die leistungsträger. das ist övp politik.

per verser
03
19.7.2011, 08:11

und zwar einen ganz gewaltigen!

Steinbock1959
00
19.7.2011, 02:08

Es müsste dabei dann auch die Anständigen und die Vernünfigen geben.

j.h.k.
04
18.7.2011, 19:55
um in der mitte anzukommen....

müßte sich die övp zur zeit sehr weit nach links bewegen. glaubt da wer dran??

aron2
00
18.7.2011, 23:10

Wieso denn ?
Momentane Umfragen sehen eher so aus das die Mitte eher rechts als links steht.

j.h.k.
01
19.7.2011, 08:27
die mitte steht immer in der mitte.

sie verwechseln "mitte" mit "masse".

aron2
00
19.7.2011, 17:37

nein, ih spreche von der Mitte der Bevölkerung während andere von der Mitte der politischen Meinung sprechen.
Die ist aber viel weniger interessant als die Bevölkerungsmitte.

Selbständiger
07
18.7.2011, 18:59
Wenn man die Positionierung in der Mitte konsequent verfolge, dann sei eine Erholung insoweit möglich, "dass man bei der Frage 'Wer wird Erster?' mit dabei ist

Die Generation, die ihr mit solch doofen Sprüchen jahrzehntelang an der Nase herumführen konntet, stirbt schön langsam aus. Wenn ihr Vertrags- und Verfassungsbrecher wieder etwas mitreden wollt, müsst ihr der Jugend schon etwas anderes bieten.

1. E i n Sozialversicherungssystem für a l l e gleich.
2. E i n Pesionssystem für a l l e gleich.
3. E i n Steuersystem für a l l e gleich
4. Beteiligung auch der Pensionisten an der Schuldenrückzahlung.

Wenn ihr das nicht hinbekommt, braucht euch niemand. Wenn ihr weitere Jahrzehnte braucht, stellt euch dann wieder um unsere Stimme an, wenn ihr euch darauf geeinigt habt. Dies gilt auch für alle anderen Parteien.

Die Zeit des Quatschens und Vertrösten aus den St. Nimmerleinstag ist vorbei.

luquas
00
19.7.2011, 05:47

Wieso hauen Sie so auf die Pensionisten hin? Bauern, Banken und Industrie lukrieren doch allemal mehr aus dem Steuertopf. Ohne ersichtliche Gegenleistung.

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