Erstmals seit 1997 matchen sich heute wieder zwei Linzer Klubs in einer Partie auf Bundesliga-Ebene. Reinhard Krennhuber, Chefredakteur des Fußballmagazins ballesterer, weiß, wo er steht
derStandard.at: Du bist Blau-Weißer, wie hat sich das ergeben?
Krennhuber: Ich bin
als Bub in den 1980er Jahren immer mit meinem Nachbarn ins Stadion
gefahren. Diese Spiele, die Atmosphäre auf dem alten Stehplatz, die Tore
von Gerald Haider haben mich geprägt, auch wenn ich dann ein paar Jahre
nicht mehr dort war. Als Teenager bin ich dann wieder hingegangen,
wegen Spielern wie Hugo Sanchez, Erik Mykland und Christian Stumpf, aber
auch deshalb, weil ich eine Fankultur vorgefunden habe, die nicht den
klassischen Stereotypen entsprochen hat. Es war eine
sehr lebhafte Szene mit Fanoriginalen, mit einer lebendigen
Fanzinekultur und Überschneidungen zur Linzer Undergroundmusikszene. Es
hat Spaß gemacht, sich zu diesen Leuten in die Kurve zu stellen und
durch die Gründung von Blau-Weiß sind die Leute noch näher
zusammengerückt.
derStandard.at: Was ist das Spezielle am Fußballbiotop Linz?
Krennhuber: Neben der klassischen Rivalität natürlich die Ereignisse rund um die so genannte Fusion 1997. Dass wir damals von Franz Grad und seinen Konsorten ausradiert wurden, wird kein blau-weißer Fan jemals vergessen. Umso schöner ist, dass wir uns jetzt - 14 Jahre - später wieder gegenüberstehen. Für die Verantwortlichen dieser Schnapsidee sollte das der endgültige Beweis sein, dass solchen Manöver im Fußball nichts bewirken.
derStandard.at: Wofür stehen Blau-Weiß und der LASK?
Krennhuber: Neben den klassischen und teilweise im Lauf der Zeit verwischten Zuschreibungen - der LASK als bürgerlicher Verein, die VÖEST als Arbeiterklub - hat sich beim FC Blau-Weiß Linz und auch schon davor beim FC eine Fankultur entwickelt, die nicht dem Mainstream entspricht. Ab den 1990er Jahren gab es die "FC Linz Fans gegen Rechts", Leute mit einem linken Bewusstsein haben die Kurve seither wesentlich mitbestimmt und sich auch politisch engagiert wie zum Beispiel aktuell in der Initiative ARGE TOR (Tribüne ohne Rassismus). Eine derartige Entwicklung hat es in der LASK-Fanszene nicht gegeben und ich denke, dass darin auch ein großes Potenzial liegt, neue Fans für Blau-Weiß zu gewinnen. Der Verein sollte sich dessen aber noch stärker bewusst werden.
derStandard.at: Ist Blau-Weiß einfach eine Art Anti-LASK, oder ist da eben doch noch die emotionale Kontinuität zum FC Linz und der VÖEST, die stark genug ist, für die Begründung einer eigenen Identität des Klubs? BW-Keeper Wimleitner, der eine LASK-Vergangenheit hat, soll ja sogar ein VÖEST-Logo tätowiert haben...
Krennhuber: Die blau-weißen Fans definieren sich sicherlich auch darüber, dass sie sagen: "Wir sind keine LASKler - und das ist gut so". Die Kontinuität ist für mich aber in jedem Fall gegeben, in der Eigendefinition der Fans wird der Klub immer noch SKV genannt, was auch in vielen Fangesängen seinen Niederschlag findet. In einem heißt es: "Kommt, sagt es allen Leuten, der SKV ist immer noch nicht tot" - und dem ist nichts hinzuzufügen. Die aktuellen Spieler verkörpern dieses Selbstverständnis besser und glaubhafter als viele ihre Vorgänger und darin sehe ich auch einen wesentlichen Faktor für den Aufstieg.
derStandard.at: Wie sähe eine geglückte Zukunft für Blau-Weiß
aus?
Krennhuber: Wir sind gekommen, um zu bleiben. Die zweite Liga war für
mich und für viele andere Fans immer das Ziel, weil wir nicht ewig im
Schatten des LASK stehen wollten und in dem Klub ein Potenzial
schlummert, das er nur im Profifußball realisieren kann. Wir werden in dieser
Saison gegen den Abstieg spielen, aber der Kader und die Verpflichtung
von Thomas Weißenböck als Trainer machen mich zuversichtlich, dass wir
nicht gleich wieder runter müssen. Und wenn wir es über mehrere Jahre
schaffen, uns in der Liga zu halten, kann man auch von Größerem träumen.
derStandard.at: Wie geht's aus?
Krennhuber: Wir gewinnen - und zwar am Rasen und auf der Tribüne! (rob, derStandard.at - 18.7. 2011)
Die Statistik: Nummer eins oder Nummer 75?
74 Mal standen sich LASK und VÖEST/FC Linz bis dato gegenüber. 29 Mal gewannen die Athletiker, 25 Mal die Blau-Weißen. 20 Mal trennte man sich unentschieden. Zwischen Blau-Weiß und dem LASK gab's bisher nur ein Treffen, 2002 siegte der nunmehrige Bundesliga-Neuling im Cup mit 3:1.