"Der pure Eros" für den ORF

17. Juli 2011, 19:13
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Feld der Küniglberg-Kandidaten wird bunter - Berater Manfred Greisinger bewirbt sich - Absagen wiederholen sich

Wien - Sage noch einer, die Wahl zum ORF-General am 9. August würde langweilig, nur weil die Mehrheit für den SPÖ-Favoriten Alexander Wrabetz klar scheint. Am Montag will sich Manfred Greisinger um die Führung des größten österreichischen Medienunternehmens bewerben.

Greisigner (47) hat in den 1980-ern fünf Jahre für den ORF Niederösterreich gearbeitet, sich 1990 als Coach, Berater und Autor selbstständig gemacht. Seinen Lebenslauf übertitelt er mit "Meine Mission ist der pure Eros", er meint: "Passion und Inspiration zu leben, zu lieben" und weiterzugeben. Greisinger sieht sich als "Ich-Marken-Pionier". Um deren Pflege geht es wohl auch bei seiner Bewerbung um den Generalsjob auf dem Küniglberg.

"Gebühren müssen reichen"

Das kann man so freilich in kein Bewerbungskonzept schreiben. Greisinger verspricht, gemäß gängigen Standards der Küniglberg-Kritik, zum Beispiel das ORF-Augenmerk auf den öffentlich-rechtlichen Auftrag zu lenken statt private Formate zu kopieren. Und das in den Hauptprogrammen statt im "Feigenblatt" Kultur- und Info-Spartensender ORF 3. Und offenbar werbefrei, denn "580 Gebührenmillionen müssen reichen". Zudem verspricht er "Programminnovationen, die das typisch Österreichische hervorkehren". Nicht fehlen darf: "Journalistische Führung" und "HörerInnen- und SeherInnen-Interessen vor Parteienkalkül und Machtspielchen".

Politeinfluss und SPÖ-Strategie für Wrabetz beschäftigt auch andere: "Die Spitze des ORF wird derzeit nach dem Grad politischer Umsetzungsbereitschaft besetzt", sagt Michael Grabner Profil, ähnlich wie zuvor RTL-Chef und Sozialdemokrat Gerhard Zeiler bei seiner Absage. Grabner, oe24-Gesellschafter, Mediaprint-Eigentümervertreter und Berater des deutschen Verlegers Dieter von Holzbrinck, winkt mit diesen Worten als bürgerlicher ORF-Generalskandidat ab - wie er das im April im STANDARD getan hat.

Oberhauser lehnt ab

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wiederum fand am Wochenende in "Österreich" "sehr interessant", würde Elmar Oberhauser zur Generalswahl antreten. Oberhauser wurde im Herbst 2010 als Infodirektor abgewählt, als er sich gegen jenen Kandidaten für die TV-Chefredaktion querlegte, den die SPÖ jedenfalls begrüßte. Oberhauser winkte am Wochenende gegenüber der APA für die Generalswahl ab, wie zuletzt Ende Juni im STANDARD. Was er damals "Hirngespinste von Leuten, die keine Ahnung haben", nannte, bezeichnet Oberhauser nun als "Schwachsinn": "Es ist auch absurd zu glauben, dass jene rot-grüne Mehrheit, die mich abgewählt hat, mich zum ORF-Generaldirektor wählen würde. Von dieser rot-grünen Mehrheit, die am Gängelband von Rudas und Niko Pelinka hängt, möchte ich auch nicht gewählt werden." SPÖ-Geschäftsführerin Laura Rudas und Pelinka, der Sprecher der SP-Stiftungsräte, organisieren Wrabetz' Wiederwahl am 9. August.

Die Bewerbungsfrist für Menschen, die auch ORF-General werden wollen, endet am 28. Juli. Bis 4. August können Stiftungsräte Kandidaten nachnominieren.

ORF-Balkankorrespondent Christian Wehrschütz hat wie berichtet seine Bewerbung für die Generalswahl angekündigt. Ebenso Karin Kraml, deren EU-Mandat aber laut ORF-Gesetz zu kurz für eine Kandidatur zurückliegt. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 18.7.2011)

  • Ich-Markenpfleger Manfred Greisinger bewirbt sich um die ORF-Spitze.
    foto: greisinger

    Ich-Markenpfleger Manfred Greisinger bewirbt sich um die ORF-Spitze.

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