Vorort an der Nordküste

Tanzfest nach Tsunami: Das Wunder an Japans Trümmerküste

Reportage | Martin Kölling aus Sendai, 17. Juli 2011, 18:02
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    foto: epa/tomoyuki kaya

    In Sendai wurde am Wochenende das erste Straßenfest des Sommers derart von Menschen überlaufen, dass die Auftritte der meisten Tanzgruppen abgesagt werden musste.

Im Norden Japans kehren wenige Monate nach der Katastrophe die Normalität und die Touristen zurück

Ergriffen steht Keiko Fukano an der Promenade von Matsushima. Um sie herum wimmelt es von Touristen, als ob es an Japans Nordostküste nie einen Tsunami gegeben hätte. "Diesen Ort haben die Götter geschützt", seufzt sie und genießt ungläubig den Blick auf die Inselwelt, die als eine der drei schönsten Küstenlandschaften Japans gilt.

Matsushima wirkt wie ein Wunder. Auf hunderten Kilometern Länge hat am 11. März der Mega-Tsunami Küstendörfer und -städte ausgelöscht. Aber die Promenade der Bucht von Matsushima mit ihren Mäuerchen und Kieferchen, den Holzbrückchen und Schreinchen ist nahezu unversehrt geblieben. Und die Ausflugsdampfer tuckern wieder voll beladen mit Touristen durch das Wirrwarr der mit Kiefern begrünten Inseln, denen Matsushima seinen Ruf wie sein Überleben zu verdanken hat.

Erstes Straßenfest in Sendai

Matsushima ist nicht das einzige Sinnbild dafür, dass sich in Japan nach Schock und Trauer die monatelang gezügelte Reise- und Feierlaune mit großer Macht wieder Bahn brechen. Ein anderes liegt 25 Kilometer südwestlich vom Inselidyll: die Millionenmetropole Sendai. Dort wurde am Wochenende das erste Straßenfest des Sommers derart von Menschen überlaufen, dass die Auftritte der meisten Tanzgruppen abgesagt werden musste.

Verantwortlich dafür ist Bürgermeisterin Emiko Okuyama. Sie hatte für das Wochenende Vertreter der sechs beliebtesten uralten Matsuri in der Krisenregion nach Sendai eingeladen. Matsuri heißen die Feste, deren lebhafteste Varianten im Sommer gefeiert werden. Und Okuyama wollte nun der Welt mit ihrem Mega-Matsuri zeigen, dass die Region noch lebt und eine Reise lohnt.

Fast dreimal so viel Menschen wie erwartet

Der Erfolg war überwältigend. Statt der erwarteten 50.000 drängten am Samstag 133.000 Menschen zur Festparade. Die Tänzergruppen kamen nicht mehr durch. Der Verkehr in der Innenstadt brach teilweise zusammen. Eine junge Frau mit einem tragbaren Ventilator in der einen Hand und ihrer fünfjährigen Tochter an der anderen sagt überrascht: "Das sind ja mehr als bei unserem Tanabata-Matsuri". Das Tanabata-Matsuri ist Sendais Beitrag zur Feierkultur und startet am 5. August mit einem Riesenfeuerwerk.

Eine alte Dame in einer Seitenstraße erklärt den Ansturm: "Dieses Jahr ist besonders!" Viele Menschen in der Krisenregion hätten gezweifelt, ob sie jemals wieder feiern würden. Nun ertanzen und ertrommeln sie sich Lebenswillen und Hoffnung zurück.

Bier und Bonbons

Aus ganz Japan sind Besucher gekommen, die einen zum Anfeuern, die anderen zur Selbstbestätigung. Die Stimmung ist dementsprechend gut, trotz Gedränges. "Habt ihr alle Bier?", rufen zwei Moderatoren auf einem Nebenplatz in die Menge. Ein Ja schallt zurück. Dann springt spontan ein Mann auf die Bühne und übergibt dem Duo eine Tüte Bonbons. "Aus Miyazaki", schreit er. Applaus. Miyazaki liegt 1100 Kilometer Luftlinie von Sendai entfernt.

Am Sonntag konnten dann doch alle Gruppen tanzen. Und Japan hat sich ein weiteres Stück Normalität zurückerobert. (Martin Kölling aus Sendai, DER STANDARD; Printausgabe, 18.7.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 66
1 2
El Clandestino ****
01
FEIN

schön zu lesen!

Londo Mollari
 
01
18.7.2011, 19:26
würdet Ihr nicht auch feiern, wenn grad alles bestenfalls eher mau ist?

ist doch in den 20ern auch bei uns so gewesen!
nur: ich glaub nicht, dass es da wirklich um die kostüme geht - oder???

Marquis
43
18.7.2011, 16:52
Die Japaner machen eben das Beste aus dem Graus

Es können nicht alle Japaner das Land verlassen und wo andern hinziehen, nur weil die Hälfte ihrer Insel radioaktiv verstrahlt wurde, also feiern und verdrängen sie..darin waren sie immer schon gut.

Es wird halt mehr Krebserkrankungen geben, mehr Missbildungen, ein paar Mutationen und Vergiftungen mehr-- who cares, die Japaner haben ja vorher auch nicht viel von gesunder Umwelt gehalten. Und Hiroshima wurde auch nie aufgelassen.

darkdragon1012
00
10.3.2012, 02:18

Verstrahlt ist nur ein kleiner Teil im Osten Japans, und dort befindet sich kaum noch jemand. Im Großteil Japans ist die Strahlenbelastung nicht höher als bei uns in Österreich, teilweise sogar niedriger. Es gibt zig Seiten im Internet die stündlich aktualisierte Messdaten aus allen Städten Japans veröffentlichen.

Und um Gottes Willen, Hiroshima und Nagasaki sind heute Millionenstädte! Und zwar wunderschöne. Von der damaligen Strahlenbelastung ist eigentlich nichts mehr übrig, da fast alles von einem Taifun vor einigen Jahren weggespült worden ist.

Darf ich vorstellen, Hiroshima heute:
http://www.hiroins-net.ne.jp/kyusyoku/... hoto01.jpg

Gerhard Ingolf
33
18.7.2011, 23:03

Glauben Sie selber, was Sie da schreiben, oder haben Sie es ironisch gemeint? So unbedarft kann doch kein Mensch sein!
Hiroshima ist eine blühende Stadt mit heut über 1Mio Einwohnern. Glauben Sie wirklich, die Leute wären dort hingezogen, wenn es mehr Krebsfälle und Misbildungen geben würde als in anderen Teilen Japans?
Lösen Sie sich endlich von den Märchen, die Ihnen vor der Zwentendorfabstimmung erzählt wurden. An den Osterhasen werden Sie ja auch nicht mehr glauben, oder?

mäx chen
21
19.7.2011, 10:23

d.h. wenn man nicht an diese ominösen strahlen glaubt, schaden sie einem auch nicht?

Gerhard Ingolf
10
19.7.2011, 12:06

Die Strahlen kann man messen, sehr genau, bis weit unter das Niveau der natürlichen Strahlen. Da braucht man nicht "nicht daran zu glauben"
An die Sonnenstrahlen glauben wir ja auch, im Frühjahr als angenehm empfunden kann es im Frühsommer bzw. Sommer einen empfindlichen Sonnenbrand geben. Wenn mans ein wenig konzentriert (Hohlspiegel - Solarkraftwerk) auf den Körper bekommt kann das in kurzer Zeit zum Tod führen. Wenn man mit dem Feldstecher kurz in die Sonne blickt ist man blind. Linsen, Glasscheiben können einen Waldbrand auslösen.
Ist die Sonne jetzt gut oder gefährlich?
Ich würde meinen die Intensität bzw. Dosis ist entscheidend - nicht ob oder ob nicht Sonne, Stahlung, Salz oder was auch immer!

Euroumrechner
01
20.7.2011, 15:03

Sie als "Experte" sollten aber doch wissen, dass zB Gammastrahlung eine andere Frequenz hat als die von Sonnenlicht.

Aber machen wir mal ein Experiment, ich leg mich 10 min in die Sonne und sie legen sich 10 min in die Mikrowelle. Wer danach noch lacht hat gewonnen, ok?

klouda
01
18.7.2011, 15:59
Und in Österreich

sind die Geigenzähler immer noch ausverkauft :-)

mike sierra
01
18.7.2011, 21:39
vor allem

die Stradivari-Zähler ;-)

silverfinger
10
18.7.2011, 15:36

Die Kostüme find ich super! Toll wie die Japaner mit den Atomfarben umgehen können :)

rudi reisenberger
 
21
18.7.2011, 14:56
!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Wircklich komisch wie die japaner jetzt noch feiern können

was weisich
11
18.7.2011, 15:28

Ich bin neugierig. Bitte vollenden sie doch den folgenden Satz für mich:

Wirklich komisch wie die Japaner jetzt noch feiern können, die sollten lieber bis in alle Ewigkeit... ?

mike sierra
00
18.7.2011, 21:40

... erbeben.

altbürgermeister
40
18.7.2011, 14:25
Mäuerchen und Kieferchen, Holzbrückchen und Schreinchen

Und dazwischen lauter Japanchens die mit Autolein und Züglein dorthin gefahren sind?

Taji Soron
00
18.7.2011, 19:50

I-Tüpferlreiterchen!

die windfrau
 
03
18.7.2011, 22:03

I-tüpfelCHENreiterchen!
;-)

Gilgamesh
31
18.7.2011, 13:30

Wären da nicht die Kriegsverbrechen die man einfach ignoriert und der Walfang, die Japaner wären ein bewundernswertes Volk....

Kaum ein anderes Volk hat solche Nüsse...

Kyaw Ni
14
18.7.2011, 20:29
...sagt einer aus einem volk,...

...das für die mustergültige bewältigung seiner vergangenheit weltberühmt ist, gell?

Gilgamesh
11
19.7.2011, 14:58

Woran ich aber nicht schuld bin und auch nie schuld tragen werde, Japaner die Walfleisch essen jedoch sehr wohl, oder wenn man Kriegsverbrecher einmal im Jahr huldigt...

Einfach mal erkundigen, bevor man sich mit Nonsens lächerlich macht....

e^(pi*i)+1= 0
101
18.7.2011, 10:21

Ich dachte doch, der ganze Norden bis nach Tokio ist verstrahlt und dort gibt es kein Leben mehr. Zumindest wurde in den Foren immer behauptet, dass es so kommt.

Londo Mollari
 
00
18.7.2011, 19:23

schauen Sie sich einmal "die schlange im regenbogen" an. ich glaube, das eröffnet Ihnen ganz andere perspektiven. wenn Sie den verstehen, dann reden wir gerne über "haithi, mon pais, wounded Mother I´ll never see..." (lyrics Arcade Fire)

Michael Bakunin
14
18.7.2011, 17:20

niemand hat das behauptet. das sind nur die typischen ausssagen von atomkraft-verharmlosern, die anderen solche aussagen in die schuhe schieben wollen, um sie damit unglaubwürdigt erscheinen zu lassen.

silverfinger
13
18.7.2011, 15:34

ist auch verstrahlt ... leben gibt es noch ... vl etwas kürzer bzw. ungesünder ;)

meluckybstrd
102
18.7.2011, 09:50
... und in Haiti hausen´s immer noch unter Plastikplanen.

Kann man nur auf die kulturellen Unterschiede zurückführen.

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