Monsieur Sarkozy in "köstlicher Erwartung"

17. Juli 2011, 17:05
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Der Präsident gibt sich ruhiger und setzt im Wahlkampf auf Familie und Klatschpresse

Die Botschaft ist subliminal: Hier ist ein Mann, der zu führen und zu schützen versteht. Mit einem grünen Schaumstoffstab weist Nicolas Sarkozy die Richtung, zugleich hilft er seiner schwangeren Gattin Carla Bruni ins Wasser. Es ist "das Bild einer köstlichen Erwartung", schreibt die Illustrierte Paris-Match zu ihrem Titelbild vom Strand der Côte d'Azur.

Die Szene ist höchstwahrscheinlich gestellt; zumindest wurde sie mit Genehmigung des Paares wiedergegeben. An sich hatte Sarkozy solchen People-Auftritten vor Jahren abgeschworen. Doch die Gelegenheit war zu schön: Jetzt, wo die Franzosen über die Sexaffären des Sozialisten Dominique Strauss-Kahn den Kopf schütteln, führt der sonst so quirlige Präsident sein trautes Familienleben vor.

Im Innern des Blattes, das dem Sarkozy-Freund Arnaud Lagardère gehört, beichtet Carla: "Nicolas ist der Mann meines Lebens." Offenherzig erzählt sie von ihrem "unerwarteten und unverhofften Glück" - und vom Glück Frankreichs, über einen solchen Präsidentschaftskandidaten zu verfügen: "Ja, ich wünsche es für Frankreich", flötet die First Lady auf die Frage, ob ihr Gatte bei den Wahlen im Mai 2012 antreten solle.

Bis dahin ist es allerdings noch ein gutes Stück des Weges. Im Oktober wollen die oppositionellen Sozialisten endlich ihren Ersatzkandidaten für Straus-Kahn bestimmen, doch weder Martine Aubry noch François Hollande haben das Zeug, die Massen mitzureißen. Zufall oder nicht, bringt Carla Bruni ihr zweites Kind - das erste hatte sie 2001 mit einem Pariser Philosophen - zeitgleich im Oktober zur Welt.

Carlas Niederkunft gegen die sozialistische Zangengeburt: Den Schlagzeilenmachern in Paris wird die Wahl leicht fallen. Zumal die Première Dame das Geschlecht ihres Sprosses auch gegenüber Paris-Match geheim hält. Nicht Martine oder François wird die Frage im Oktober lauten, sondern: Mädchen oder Junge?

Dafür sagt Carla in Paris-Match Dinge wie: "Mein Mann ist menschlich, die Leute fühlen das." Sie selbst besucht zehn Gattinnen von Marinesoldaten, die im Libyen-Krieg auf dem Flugzeugträger Charles-de-Gaulle Einsatz leisten. "Mein Gatte ist überwältigt vom Tod der Soldaten", meint sie zum Blutzoll der französische Afghanistan-Mission, die ihr Mann genauso sicher dirigiert wie den Schaumgummistab vor der Ferienresidenz Bregançon.

Die Gretchenfrage für die Franzosen lautet natürlich: Wird es die Schwangerschaft ermöglichen, dass das Paar Sarkozy weitere fünf Jahre in seiner Hauptresidenz - dem Elysée-Palast - bleiben darf? Tatsache ist, dass der Präsident nach einem halbjährigen und abgrundtiefen Umfragetief langsam wieder Punkte sammelt. Vor kurzem noch weit abgeschlagen, liegt er in neuen Umfragen mit Hollande und Aubry bereits wieder gleichauf (siehe Artikel rechts).

Dazu dürfte die DSK-Affäre beigetragen haben. Aber Sarkozy auch. Der rastlose Hansdampf in allen Gassen hat mehrere Gänge zurückgeschaltet und gibt sich heute gelassen und geläutert. Sarkozy, der Zen-Buddhist: Als ihn jüngst ein wirrer Zaungast am Jackenrevers packte und schüttelte, lächelte der Präsident weiter und setzte das Händeschütteln fort. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte er einem Gewerkschafter, der ihm die Hand verweigerte, noch entgegnet: "Hau ab, du armer Depp".

Heute verbringe er seine Abende am liebsten auf dem Sofa, eine DVD guckend oder ein Buch lesend, erzählte Bruni schon vor einigen Wochen. Ihr Mann sei ganz einfach "glücklich". Im Oktober wird es ganz Frankreich sein. Die Wetten lauten übrigens auf einen kleinen Sarkozy. Noch einen. (Stefan Brändle aus Paris /DER STANDARD, Printausgabe, 18.7.2011)

  • Der Titel der Pariser Illustrierten: ein fürsorglicher Präsidenten und seine schwangere Ehefrau.
    foto: standard/paris match

    Der Titel der Pariser Illustrierten: ein fürsorglicher Präsidenten und seine schwangere Ehefrau.

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