Die wundersame steirische Erleuchtung

Analyse | 17. Juli 2011, 15:50
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    foto: apa/leodolter

    Der Landeshauptmann und sein Stellvertreter: Franz Voves (li.) und Hermann Schützenhöfer haben eine Rollenverteilung gefunden, von der beide profitieren - und die Steiermark noch dazu.

In der Steiermark ist Platz für zwei Reformer: Die harte Tour gegeneinander haben sie durch - jetzt zelebrieren Landeshauptmann Franz Voves und ÖVP-Chef Hermann Schützenhöfer friedliche und hochproduktive Koexistenz

Graz - Ganz geheuer ist den Steirern dieses seltsame politische Wetterleuchten noch immer nicht. Jahrelang waren sie wie Katz und Maus, und seit Monaten schnurren sie friedlich gemeinsam im Körbchen - die beiden Parteichefs von SPÖ und ÖVP, Franz Voves und Hermann Schützenhöfer. Was ist in die beiden gefahren? Hatten sie eine Art politische Erleuchtung, die sie plötzlich zu Busenfreunden machte?

Bei so großer politischer Wendigkeit wäre an sich Skepsis angebracht, aber wie es scheint: Voves und Schützenhöfer haben sich tatsächlich gefunden. Dies muss irgendwann in den Stunden nach der Landtagswahl im Herbst 2010 passiert sein. Die ÖVP war gerade heroisch gescheitert, der Kampf um die Rückeroberung des Landeshauptmannes verloren, der Versuch, den roten Voves wieder vom Thron zu stürzen, gescheitert. Die Partei stand noch unter Schock, da ließ sich Schützenhöfer blitzartig als Chef bestätigen - gerade noch rechtzeitig, um einen internen Konflikt samt Palastrevolte abzublocken.

Schützenhöfer wusste: Noch einmal fünf Jahre volle Attacken, wieder die harte Tour gegen Voves, mit der Gefahr, die ÖVP dann völlig an die Wand zu fahren, ist ausgeschlossen. Also legte er den Schalter um und wandelte sich zum pragmatischen Konsenspolitiker, der mithilft, lang anstehende Reformen anzupacken. Eine Rolle, die seinem Naturell ohnehin mehr entsprach als jene eines aggressiven Partei-Frontmannes, zu dem er im Wahlkampf umgestylt worden war. Schützenhöfer rief also den Burgfrieden aus und schloss mit Voves die "Reformpartnerschaft".

Jetzt, Monate später, nach den ersten Voves-Schützenhöferischen Reformen, nach dem Beschluss, den Proporz abzuschaffen, die Landesregierung und den Landtag zu verkleinern sowie das Budget zu sanieren, sind alle schwarzen Sesselsäger, die Schützenhöfer und seine Wahlverlierertruppe schon ablö sen wollten, schmähstad. Der grauhaarige Politikprofi Schützenhöfer sitzt fester denn je im Sattel und denkt bereits laut darüber nach, auch 2015 wieder anzutreten.

Für Franz Voves ist die nun lammfromme ÖVP ein Geschenk, denn wenn im Land was weitergeht, wird es in der Regel dem Ersten, also diesmal ihm, zugeordnet. Wenn es wegen des harten Sparkurses aber hart auf hart geht, muss er nicht mehr allein leiden.

Diese rot-schwarze Reformpartnerschaft funktioniert letztlich nur unter der ganz wesentlichen Voraussetzung, dass die ÖVP die Rolle als Zweiter im Land nun akzeptiert hat. Genauso wie es jahrzehntelang die SPÖ unter der starken ÖVP getan hatte. Sie hatte die großen ÖVP-Reformen in der prosperierenden "Krainer-Ära" unterstützt, die dem Land ein liberales, höchst produktives Kulturklima brachten, in dem Institutionen wie der Steirische Herbst oder neue Hochtechnologiezentren entstehen konnten.

Unter umgekehrten politischen Vorzeichen scheint - zumindest einmal kurzfristig - eine Art "rote Krainer-Zeit" anzubrechen. Voves, der endlich seine Lieblingsrolle des Politmanagers, des "Machers" ausleben kann, nutzt dieses Zeitfenster und baut sich als großer Reformer auf - gibt aber auch VP-Landeschef Schützenhöfer genug Raum, damit auch dieser künftig in den Annalen der Steiermark als wichtiger Reformpolitiker seinen Platz findet.

"VSP"-Einheitspartei

Die Lobeshymnen aus ganz Österreich für die steirische Reformpolitik stärken die Positionen der beiden auch in ihren eigenen Parteien. Für diese schaut es allerdings weniger glorreich aus. Die roten und schwarzen Parteikader wurden bis zur nächsten Wahl 2015 in Tiefschlaf versetzt. Sie werden in der als Einheitspartei daherkommenen "VSP" - Voves-Schützenhöfer-Partei - nicht gebraucht. Das könnte in ein paar Jahren ein böses Erwachen der Parteifunktionäre geben, wenn sie realisieren, dass sie womöglich niemandem abgegangen sind. (Walter Müller, STANDARD-Printausgabe, 18.7.2011)

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badoli from Hell
00
20.7.2011, 10:37

Was sich liebt, das neckt sich, was sich nochmehr liebt, das geht Reformen an...?

Ziegen Käse
36
18.7.2011, 12:57

Die Steirer, oder auch Böllis, haben etwas geschafft, was in Österreich, oder beschissenes kleines Land, selten gelingt, es wird über eine Problemlösung geredet! Normalerweise gibt es ein Problem, doch Lösungen werden keine gesucht, denn was früher schon klappte, muss heute doch auch funktionieren....

Ich bin immer noch skeptisch warum die beiden plötzlich miteinander können, aber in NÖ fangen sie an darüber zu reden, also vielleicht dann bald auch einmal bundesweit - und siehe da, die bellenden Kernöler haben zur einer Modernisierung Österreichs beigetragen....Nur weiter so!

badoli from Hell
01
20.7.2011, 10:42
Und ein rotes Stricherl wegen

"Beschissenes Land". Bin selbst kein übertriebener Patriot und jammer auch sehr gern. Aber unter "beschissen" stell ich mir dann doch schon was ganz anderes vor...

Trauen tu ich den zwei auch noch nicht. Seine Fehler einzusehen und stattdessen auf Kompromis zu setzen,... Das klingt alles andere als österreichisch und ist eigentlich ein politisches Nogo. Aber wenn das Reformen ermöglicht, bin ich für alles zu haben.

Insofern: Wau-Wau!

JohnP
00
18.7.2011, 14:16

für das "böllis" bekommst ein extra-rot von mir !

Ziegen Käse
10
18.7.2011, 14:20

:)

sorry, aber was kann ich dafür dass mein Hund euch mehr versteht als meine Wenigkeit....;)

Aber damit das Klischee abgerundet wird, bin ein Kärntner der die Steiermark, vor allem den Wein und die Frauen, sehr gerne hat!!

badoli from Hell
00
20.7.2011, 10:52

Als Kärntner sich über andere Leute Unverständlichkeit mockiern, ... Da is die Ironie mal wieder auf der Überholspur vorrüber gefahren.

JohnP
01
18.7.2011, 14:54

naja, eure mädels sind ja eh auch ganz hübsch.. :-)

franzauer
20
18.7.2011, 11:17
Bitte warten

Wartet, bis die Reforemen greifen, und wartet vor allem, was die Betroffenen dazu sagen werden. Vom fernen Wien aus lässt sich leicht klugscheißen.......

ChristianoLucio
11
18.7.2011, 10:11
^^

Vielleicht hätte man in diesem Artikel auch darauf eingehen können, dass die Steiermark einfach fertig ist.

Es ist einfach kein Geld mehr da und verkaufen kann man auch nichts mehr. Das ist auch der einzige Grund warum es jetzt zu Reformen kommt.

grazistanders
10
9.11.2011, 10:05

Bundesland Neider. Die Steirer sind einfach die schönsten und besten, sehns des ein!!

Ender Wiggin
02
18.7.2011, 13:41
trotzdem ist es erstaunlich,

kein Geld mehr da, das gilt ja auch für NÖ (noch viel mehr als StmK), für Kärten genauso, ähnlich für alle anderen Bundesländer und noch viel, viel, viel, viel, VIEL, viel mehr für den Bund. Und die Bundes-Koalition hat halt doch eine ETWAS andere Performance. Kein Geld allein scheint also nicht ausschlaggebend zu sein.

waldmeister
 
10
18.7.2011, 10:07
Habitus und neuer alter Proporz ?

warum nicht nur eine respektable Partnerschaft im Programm zwischen den Landesparteien SPÖ und ÖVP ? journalistisch wird mir hier zu viel Weihrauch geschwungen, schließlich sind es hier die 2 Systemparteien, deren Wohlfahrt wir als honoable Steuerzahler seit dem Staatsvertrag 1955 freudig finanzieren ....

der_Troubadour
00
18.7.2011, 10:03

das ist halt der vorteil von zweien, die nichts mehr werden wollen (voves) oder werden können (schützenhöfer)

Harry Mädle
00
18.7.2011, 07:30
Erst wenn das Wasser bis um Hals steht,

werden sinnvolle Sparmaßnahmen gesetzt.
Leider sehr sehr spät, was teuer kommt.

badoli from Hell
00
20.7.2011, 10:45
Das Wasser steht....

...vielen Ländern und auch dem Bund bis zum Hals. Aber dort versucht man nachwievor sich lieber gegenseitig jenen Hals umzudrehen. Wer weiss, vielleicht ist der Schützi gut im Bett...?

Der Bundeswähler
114
18.7.2011, 06:27

Sehr positiv, was in der Steiermark vorangeht.

JohnP
61
18.7.2011, 08:44

5 jahre umsonst regiert sehe ich nicht als positiv.

auch wenn die "erkenntnis" für das land zu arbeiten gut ist, was die beiden in den letzten 5 jahren an kosten verursacht und chancen für die steiermark ausgelassen haben, können sie sowieso NIE MEHR gutmachen!

im übrigen sind das bis jetzt nur reförmchen im ansatz im vergleich dazu, was bei politischen willen alles möglich möglich.

Dave Windorf
 
01
18.7.2011, 12:58

vergleichens das mal mit der situation in NOE

JohnP
10
18.7.2011, 14:19

zum vergleich
kenne die situation in NÖ nicht so genau...

abgesehen davon:
in den letzten 5 jahren ist in der steiermark außer politischen profilierungsversuchen ABSOLUT NICHTS zukunftsweisendes passiert.

badoli from Hell
00
20.7.2011, 10:47
Vielleicht...

...haben die zwei Streithansln dann doch im hintersten Winkel ihrer Hirnwindungen ihre Lernfähig entdeckt?

der burli
00
18.7.2011, 00:52
ich finds gut, wenn da was weitergebracht wird. dafür sind sie doch da!

Pfuideifi
81
18.7.2011, 00:43

Arme Steiermark...

badoli from Hell
00
20.7.2011, 10:48

Arme Leut, die mit der trollschen "2-Worte-Streitkommentar"-Kommunikationsfähigkeit gestraft sind.

Henry44
00
18.7.2011, 00:20
Voves und Schützi als Erleuchtete

Den Herren scheint ein Licht aufgegangen zu sein, spät, aber doch.

Sie haben endlich begriffen, dass wir Steirer längst genug haben vom kleinlichen Hick-Hack und dass, wie schon LH Krainer jun. festgestellt hat, im Miteinander sehr viel mehr erreicht wird, als im Dauerstreit.

Natürlich tut es weh, wenn gespart werden muss und soziales Nachjustieren wird da und dort nötig sein. Würde niemand aufschreien, dann würde auch nichts gespart werden.

Je länger man mit dem Notwendigen wartet, desto stärker die Einschnitte, das weiß jeder. Augen zu und durch geht nicht mehr.

Herzerzog Johann
05
17.7.2011, 22:23
Es bewirkt eben Wunder ...

... wenn man den Boden der Kassa sieht.

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