Kohl über Merkel: "Die macht mir mein Europa kaputt"

17. Juli 2011, 16:35

Altkanzler: Merkels Europapolitik "sehr gefährlich" - Kritik auch von anderen CDU-Politikern

Die Kritik am Krisenmanagement in der EU wächst. Nach Monaten des Hin und Her werden besonders Stimmen gegen Angela Merkel laut. Selbst der einstige Mentor der deutschen Bundeskanzlerin kritisiert sie scharf.

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Berlin/Wien - Die schlechte Verfassung der Europäischen Union ruft nun auch politisch Altvordere mit deutlichen Worten auf den Plan: Am Wochenende kritisierte der deutsche Altbundeskanzler und frühere CDU-Vorsitzende Helmut Kohl die Europapolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel scharf. Ein namentlich nicht genannter Vertrauter, der den "ewigen Kanzler" zuletzt besucht hat, berichtete dem Spiegel, Kohl halte Merkels Europapolitik für "sehr gefährlich" . Er habe wörtlich gesagt: "Die macht mir mein Europa kaputt", zitiert das Magazin den ehemaligen Weggefährten.

Kohl war von 1982 bis 1998 Regierungschef, mit dem französischen Präsidenten François Mitterrand und Kommissionschef Jacques Delors gilt er als Vater der Währungsunion und des Euro.

Auch andere prominente CDU-Politiker warnen laut Spiegel Merkel angesichts der Eurokrise davor, das europafreundliche Erbe der Partei zu verspielen. "Europa ist ein politisches Projekt. Es ist zu wichtig, um es den Ratingagenturen zu überlassen" , sagte der hessische Ministerpräsident und stellvertretende CDU-Chef Volker Bouffier. Ebenso vermisst der Wirtschaftsflügel der Partei eine klare Linie in der Europapolitik. "Das Letzte, was sich eine Exportnation Deutschland leisten kann, ist eine europaskeptische Bevölkerung" , sagte der Chef des CDU-Wirtschaftsrats, Kurt Lauk. "Die Regierung muss jetzt in die Offensive gehen."

Kohl selbst hatte schon Mitte Mai besorgt vor einer Renationalisierung in Europa gewarnt und Solidarität mit angeschlagenen Staaten wie Griechenland gefordert. "Wer sagt, wir müssen alles abschaffen und neu anfangen, der täuscht sich" , sagte der 81-Jährige. "Wir müssen diesen Weg weitergehen, so schwierig er auch sein kann." Deutschland sei immer dann erfolgreich gewesen, wenn es auch für andere dagewesen sei, betonte Kohl.

"Nirgends Führungsstärke"

Auch der frühere Kommissionspräsident und italienische Ex-Premier Romano Prodi äußerte sich ähnlich wie Kohl: "Ich erkenne in der EU nirgends Führungsstärke. Auch große Länder sind nur mehr mit sich selber beschäftigt" , sagte Prodi dem Profil. "Wer übernimmt derzeit die Verantwortung für die europäischen Interessen? Niemand!" Die Deutschen sähen sich als "Märtyrer" in Europa, "ohne zu beachten, dass gerade der Euro Deutschland stärker als früher gemacht hat" , klagt Prodi. Frankreich trete "nur noch symbolisch für Europa ein" . Italien habe "aufgehört, eine wichtige Rolle auf der europäischen Bühne zu spielen. Es sitzt auf der Ersatzbank."

Auch Prodi kritisiert die deutsche Bundeskanzlerin, die "wichtige Entscheidungen wegen lokaler Wahlen verschoben hat" . Auch Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi habe "den Großteil des Budgetsparprogramms auf die Jahre 2013 bis 2014 verschoben." Prodi glaubt an den Fortbestand des Euro, "aber wir werden durch eine lange, lange Periode von Turbulenzen und Chaos gehen." Der Umschwung werde erst dann eintreten, "wenn die Märkte erkennen, dass das US-Budget in viel schlimmerer Verfassung ist als die Verschuldung Europas."

Bürger erwärmt sich nicht

Zunehmende Skepsis über das europäische Projekt tritt aber auch bei noch aktiven Politikern auf. Zuletzt hatte Jean-Claude Juncker erklärt, er sei "über die Gesamtentwicklung europäischer Politik in hohem Maße besorgt" . Er sehe, dass der Bürger sich vom Angebot der Europa-Politik "eigentlich nicht erwärmen lässt und nicht in helle Begeisterung verfällt" . Der Regierungschef Luxemburgs und Vorsitzende der 17 Staaten zählenden Eurogruppe steht seit Monaten im Zentrum des Kampfes gegen die akute Schuldenkrise in der Währungsunion.

"Ich bin sehr besorgt, dass man denkt, die Krise in Griechenland sei Euro-bedingt", sagt er: "Was ja nicht der Fall ist." Seine "vorläufige Schlussfolgerung aus dem aktuellen Geschehen" sei deshalb, "dass wir mehr Europa brauchen". Ohne Euro, so sein Credo, wäre die EU in der Finanzkrise "in alle Richtungen aufgebrochen".(red/DER STANDARD, Printausgabe, 18.7.2011)

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The Madwack
02
19.7.2011, 07:13
Bemerkung frei erfunden

Kohl sagt er habe das nicht gesagt... http://www.bild.de/politik/i... .bild.html

Psychotic
31
19.7.2011, 12:36

wenn interessiert schon was dieser alte Furz gesagt hat?

das ist fix
00
19.7.2011, 08:30

es ist eigenartig, dass hier eine formulierung in der überschrift verwendet wird, die von kohl so gar nicht verwendet wurde

das ist fix
00
19.7.2011, 08:28

Zitat daraus:
„Zwei Punkte stechen hervor: Erstens hätte der Euro-Stabilitätspakt niemals aufgeweicht werden dürfen, sondern, im Gegenteil, er hätte über den Weg eines zunehmend engeren Europa gestärkt werden müssen

Maximilian, der Tiroler!
01
18.7.2011, 14:25
Deutsche Sprache, schwere Sprache!

Es steht nicht einmal zweifelsfrei fest, was,- geschweige denn ob H. Kohl das gesagt hat! Jeder von uns würde, für den Fall, daß er sich für "unser" Europa eingesetzt hat ähnlich argumentieren! Er könnte ja auch gesagt haben: Was mit Europa z.Zt. passiert entspricht nicht mehr dem, was ich mir von meinem Europa gewünscht habe. Beispiel: Meine Stadt in der ich wohne ist Innsbruck, Wien...etc.
Haarspalterei auf höchstem Niveau in diesem Forum, noch dazu ohne Quellenangabe!

Rose Bud
01
18.7.2011, 12:46
Kohl hat vollkommen recht...

sleepyc
05
18.7.2011, 12:36
die "alten herren" reden sich's jetzt leicht.

und vergessen dabei, dass zu einem großen teil sie selbst es waren, die die weichen zu diesen nachfolgerInnen gestellt haben.
hätten sie sorge getragen, dass nur die besten der besten in die EU-politik kommen - und nicht wie heute üblich, im regelfall der ausschuss der nationalen politik, würde europa heute anders da stehen.

auch sollte die blinde erweiterungswut der EU-gründergeneration kritisch hinterfragt werden, wenn man die nachfolgegeneration durch den kakao zieht...

Tschuri Cazzino
 
00
18.7.2011, 21:23
" hätten sie sorge getragen, dass nur die besten der besten in die EU-politik kommen "

... dann hätte Kohl die EU-Politik schon seinerzeit anderen überlassen.

BigPeng
01
18.7.2011, 12:35
Der "BimbesBerserker" und "Sein Mädchen"...

...haben sicher erheblich zu der aktuellen EU-Situation MIT-beigetragen. Dies ist jedoch nur ein Teil der "Wahrheit". Nachdem ja "die Medien" allesamt Archive besitzen, in welchen minutiös alle Nachrichten, Berichte und Beiträge zur Entwicklung der EU in den letzten zwanzig Jahren lückenlos vorhanden sind, wäre es höchste Zeit, durch die Medien selbst chronologisch sauber, objektiv, umfassend und neutral zu analysieren, wer in Politik und Medien, wann, was und warum zu dieser Situation in der EU mit dazu beigetragen hat, wie wir sie jetzt vorfinden. Vom Himmel jedenfalls, fiel es nicht.
Warnende Stimmen gab's ja genug und nicht nur in D!
WER JETZT AUFWACHT MUSS ZUVOR LANGE UND TIEF GESCHLAFEN HABEN!
Auf "DIE Lösung" bin ich mal gespannt.

Pantheon
 
23
18.7.2011, 12:24
"Die macht mir mein Europa kaputt"

Erinnert schon fast an den totalitären Robert Mugabe und dessen Demokratieverständnis, der sich am besten durch die Aussage ausdrückt: "Zimbawe is mine!"

Chris Quast
12
18.7.2011, 12:52

dein post erinnernt an gar nix.ist einfach doof.

Pantheon
 
01
18.7.2011, 14:29

Welch messerscharfe Argumentation.

schetzgo
23
18.7.2011, 12:04
"SEIN" Europa

der gute mann wird nochmals als totengräber Europas in den geschichtsbüchern seinen platz finden!

Gundel von Gundelsfeld
00
18.7.2011, 11:42
Das ist die Rache des alten Mannes an Frau Merkel,

die ihn, einige werden sich noch erinnern, im Zusammenhang mit einer schlimmen Korruptionsgeschichte als damaligen CDU-Chef gemeuchelt hat. Anscheinend hat Herr Kohl das ultimative Wunderrezept in petto. wie der total verfahrene Karren, auch durch sein Verschulden, aus dem Dreck gezogen werden. Was wäre die Politik, auch die österreichische, ohne die vergreisenden und vergreisten politischen Balkon-Muppets.

Igor Gassner
01
18.7.2011, 11:41
Geld ist Geld und

da ist es herzlich wurscht was die Politiker sagen wenn die Bedingungen nicht geschaffen wurden um die Einheitswährung Tragfähig zu machen dann wird sie wieder verschwinden.

das ist wieder ein obergescheida schmäh gewesen diese Währung

Silvio Lackner
84
18.7.2011, 11:23
Warum ist Europa tot, wenn der sich als kontraproduktiv erweisende Euro aus der Welt geschafft wird?

Man kann doch nicht vor den Unterschieden in Europa weiterhin krampfhaft die Augen veschließen. Wenn Landeswährungen besser geeignet sind, Menschen Beschäftigung zu bieten, als Regionalförderungsprogramme, warum dann nicht zum altbewährten Instrument zurückkehren? Dann ist halt der Euro gescheitert. Besser er, als das Friedensprojekt.

Chris Quast
00
18.7.2011, 14:39

in den usa liegt das bip/kopf zwischen dem ärmsten und reichsten bundesstaat zw.33k und 175k (district of columbia in seiner ausnahmestellung als staat durchaus mit luxemburg vergleichbar).

in der eurozone liegen die werte zwischen 11,8k bis 75k
ohne die ausreisser nach oben 11,8k bis 42k
und in der usa 33k bis 70k.

die us sind homogener als der euroraum, aber so extrem finde ich den unterschied auch nicht.

wenn man bedenkt, ärmsten 3 €-staaten kaum was zur wirtschaftsleistung beitragen (estland, slowakei, malta)

RobertPaulson
11
18.7.2011, 12:49

dann verraten sie mir doch bitte warum einzelne landeswährungen die lösung darstellen sollen. wegen der abwertungen? abwertungen sind nichts weiter als verschiebungen und verschleierungen für irgendwelche missstände. bei dem projekt europa geht es u.a. auch darum unterschiede zu beseitigen und einheitliche gute standards festzulegen.

Silvio Lackner
00
18.7.2011, 13:31
Die einen sagen Missstände.

Die anderen sagen unterschiedliche Lebensphilosophien.

sepp sepperl
11
18.7.2011, 12:38
wann, und vor allem wie hat sich der euro als kontraproduktiv erwiesen?

der euro hat eben stark zur homogenisierung der europ. märkte beigetragen und den binnenhandel deutlich erhöht.
spekulationen gegen die währung sind jetzt deutlich schwieriger als gegenüber schwächeren nationalwährungen.
die gemeinschaftswährung hat die wettbewebsfähigkeit gegenüber usa erhöht.
es gibt noch viele weitere vorteile, aber natürlich wie immer auch ein paar nachteile.

finds lustig wie viele bei den ersten anzeichen von gegenwind bei langerfristigen projekten immer gleich deren scheitern einfordern.

und: der euro und das friedensprojekt europa sind untrennbar miteinander verbunden. Nur eine stark verflochtene wirtschaft sorgt für stabilität, da gehört eine einheitswährung dazu.

Silvio Lackner
00
18.7.2011, 13:36
Seins ma nit bös:

So spekuliert wie heut gegen den Euro wär gegen den Schilling nie möglich gewesen.

Binnenmarkt, ja - für Deutschland: sie können exportieren auf Teufel komm raus und es greift keine automatische Währungsbremse, die die Europäer veranlasst, vielleicht doch mal den Citroen statt des Passats zu kaufen. Umgekehrt können die arbeitslosen Griechen Staub fressen, keine Abwertung bringt zusätzliche Touristen ins Land. Der Euro = Transferunion. Dann muss man das halt auch dazusagen.

Mike Freeman
12
18.7.2011, 12:10
Wenn Landeswährungen besser geeignet sind, Menschen Beschäftigung zu bieten, als Regionalförderungsprogramme, warum dann nicht zum altbewährten Instrument zurückkehren?

Sagt wer?
Zahlen, Daten Fakten?

sepp sepperl
11
18.7.2011, 12:53

aha, da fragt jemand nach daten, zahlen und fakten und kassiert dafür ein rotes stricherl, find ich sehr entlarvend.

der Pinguin
 
00
18.7.2011, 12:06
ganz einfach

weil sich die welt in den letzten 20 jahren gewaltig geändert hat - leise und schleichend... man kann nicht einfach die zeit zurückschreiben...

Silvio Lackner
00
18.7.2011, 12:10

klingt nach Durchhalteparole
das ist immer verdächtig

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