Kontroverse

Google+: Empörung über Sperre von Accounts mit Pseudonymen

Andreas Proschofsky, 17. Juli 2011, 11:32
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    grafik: archiv

    Wer Pseudonyme auf Google+ verwendet, kann schnell mal ausgesperrt werden - oder auch nicht.

Unternehmen recht willkürlich in der Zulassung von Namen - Vor wenigen Monaten pochte man noch auf dieses Recht

Lange hat es nicht gedauert, bis Google es mit seinem sozialen Netzwerk Google+ zur ersten echten Kontroverse geschafft hat: Nach der Entfernung einzelner Medien-Accounts scheint das Unternehmen derzeit auch zunehmend gegen die Nutzung von Pseudonymen vorzugehen. In den letzten Tagen wurden gleich eine ganze Reihe von Accounts gesperrt, deren NutzerInnen es vorzogen haben, auf die Angabe ihres echten Namens zu verzichten.

Ausgesperrt

So sorgte etwa die Sperre einer italienische Userin für einige Aufregung, die ihren Second-Life-Namen "Opensource Obscure" genutzt hatte. Google sieht darin einen Verstoß gegen die eigenen Nutzungsbedingungen, die vorsehen, dass Google+ Profile nur mit dem echten Namen erstellt werden dürfen. Opensource Obscure argumentiert hingegen, dass sie unter diesem Namen bereits in zahlreichen anderen Netzwerken bekannt ist, dieser also online wesentlich mehr Aussagekraft habe als ihre Realname.

Wechsel

Etwas anders verhält sich die Sache beim deutschen Blogger Enno Park: Dieser hatte sich ursprünglich unter seinem Klarnamen angemeldet, und erst nach Berichten darüber, dass Google die Accounts von einzelnen Medien wieder freigeschaltet hat, auf jenes Pseudonym gewechselt, unter dem auch sein Blog läuft. Prompt wurde auch dieser Account gesperrt, in diesem Fall zudem mit besonders unangenehmen Konsequenzen.

Hin...

So wurde Park nicht nur von der Google+-Nutzung ausgesperrt, sondern es wurde gleich auch der gesamte Google-Account gesperrt. Erst nach einem Verifizierungsprozess per SMS und echter Telefonnummer wurde der Zugang zu den restlichen Google-Services wieder hergestellt. Dies allerdings mit einigen Einschränkungen: Neben der Sperre für Google+ ließ sich laut Park auch das Teilen von Beiträgen mit dem Google Reader vorerst nicht mehr nutzen, ebenso war die Nutzung von Google Buzz deaktiviert.

...und retour

Mittlerweile wurde der Account von Park wieder hergestellt, dies sogar unter dem ursprünglichen Namen "Die Ennomane". Diesem "Umdenken" war ein Artikel auf Spiegel Online vorangegangen, der sich mit dem konkreten Vorfall beschäftigte, danach schien es dann plötzlich recht schnell zu gehen. Park sieht damit jedenfalls nicht alles gelöst, wie er in einem Beitrag betont, scheint er nun auch zu jener "ausgewählten Gruppe" zu gehören, die aus welchen Gründen auch immer "gleicher als gleich" auf Google+ ist. Denn während "Die Ennomane" offiziell wieder auf Google+ aktiv sein darf, sperrt der Betreiber munter zahlreiche andere Accounts, die sich zur Pseudonym-Nutzung (oder was danach aussieht) entschieden haben.

Kritik

Neben dem Ärger über die offensichtlichen Willkür mit der Google diese Thematik derzeit behandelt, fordern so manche KritikerInnen aber auch allgemein ein Umdenken von Seiten des Unternehmens. So würde das Untersagen von Pseudonymen nur wenig gegen die Spam-Problematik oder gegen Fake-Accounts nutzen. Schon jetzt gibt es zahlreiche Spam-Accounts, die dann halt einfach - in der Masse vollkommen unüberprüfbar - unauffällige Namen für ihre Aktivitäten wählen.

Pro-Pseudonym

Gleichzeitig werde aber vollkommen ausgeblendet, dass es durchaus gute Gründe gibt, Pseudonyme online zu verwenden. So gebe es etwa Personen, die durch die Preisgabe ihres echten Namens in eine sehr konkrete Bedrohungslage kommen würden (z.B. politische AktivistInnen). Andere verweisen darauf, dass die Online-Realität zeigt, dass gerade Frauen immer wieder gezielt ins Visier von Stalkern kommen, wenn sie mit ihrem echten Namen posten - und entsprechend vorziehen im Web eine nicht dem realen Leben zuordenbare Identität anzunehmen.

Die eigenen Worte...

Dabei kann mich sich in der Pro-Pseudonym-Position durchaus auf prominente Unterstützung berufen - und zwar auf niemand anderen als Google selbst. Erst vor wenigen Monaten hatte das Unternehmen ein Blog-Posting veröffentlicht, in dem man wortreich betont, welch wichtige Freiheit es darstellt, eine dem eigenen Realnamen nicht zuordenbare Online-Identität pflegen zu können. Insofern hoffen manche noch auf ein Umdenken des Konzerns, so denn die öffentliche Kritik laut genug wird.  Erst vor kurzem hatte man ja die zuvor zwangsweise öffentliche Angabe des eigenen Geschlechts wieder zurückgenommen, dem vorangegangen waren ebenfalls zahlreiche Diskussionen. Dabei betont man auch, dass Google hier die Chance habe sich positiv von Facebook und dessen "Die Ära der Privatsphäre ist zu Ende"-Attitüde abzusetzen.

Auswirkungen

Tut man dies nicht, könnte der Ruf von Google, das sich in Privatsphärenfragen in der Vergangenheit betont - und für die Branche eher ungewöhnlich - vorsichtig gegeben hat, hingegen spürbaren Schaden nehmen: Denn ein Zwang zu Klarnamen bei Google+, der sich indirekt dann auch auf andere Services des Unternehmens erstreckt, und im schlimmsten Fall sogar mit dem Ende des Zugriffs auf eine jahrelang gepflegten Google-Account bedeuten kann, ist wohl alles andere als angetan, das Vertrauen in das Unternehmen zu stärken. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 17.07.11)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 183
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blacksheep1
00
24.7.2011, 16:10
blöder spruch:

aba er stimmt:

"wer's göd hot schofft aun!"

kariesposter
00

blöd nur, dass Geld niemals gerecht eingesetzt wird und die Gier geradezu beflügelt. Deshalb ist der Spruch eher einer Diktatur gleichzusetzen und sollte mal schwerstens angezweifelt werden.

Gefährliches Halbwissen
10
18.7.2011, 21:33
Dick Butt...

Ob Google misstrauisch wird, wenn ich mich als 'Dick Butt' registriere ;-))

sprung
 
03
18.7.2011, 17:11
Re: Freiwilligkeit

+steppi1 ;) "Wer sich nicht mit echtem Nahmen anmelden will, soll es halt bleiben lassen" ?

So klar war das nicht. Google hat noch vor kurzem selbst die Wichtigkeit des (zumindest in D. rechtlich verankerten) Rechts auf Pseudonyme betont: http://googlepublicpolicy.blogspot.com/2011/02/f... to-be.html

Und es kann wirklich ganz schön Schreckliches passieren: Durch eine Sperre kann auch der Zugang zu Kalender, Google Docs usw. plötzlich weg sein.

Übrigens, ich empfehl allen sehr sich unbedingt mal unter https://www.google.com/dashboard/ anzusehen, was jetzt schon alles mit deinem Profil verknüpft ist.

sonic
00
19.7.2011, 00:21

danke für den Dashboard-Tipp

ralikka
00

Auch von mir danke für den Dashboard-Link!

canuck
 
00
18.7.2011, 16:57
aus den google+ FAQs:

Impersonation is a serious issue. Pretending to be someone else could cause your profile to be deleted. If someone is pretending to be you, go to their profile and click Report this person.

auf FB gibts mindestens 5 andere mit meinem namen. das kann so nicht weitergehn!!!! Report!

Michael Bakunin
00
18.7.2011, 15:20

Da hilft nur eines: boykottieren.

Dragshi
00
18.7.2011, 12:42
Und dann sagt man Google+ nach...

das sie mit der Privatsphäre weniger am Hut haben wie Facebook :D

Roy Bär
00
18.7.2011, 11:58
Aber was

wenn der Standard plötzlich auch auf echte Namen pochen würde? :-O

Heavyweather
00
20.7.2011, 17:47

Wenn du deinen echten Namen angibst dann kannst du ein Handy bekommen ;)

sixela
14
18.7.2011, 12:18

Dann ist sein Forum mausetot. Die Hälfte der Leute nutzt es eh nur um Gift und Galle zu spucken.

twertwert
31
21.7.2011, 11:37

Die Hälfte der Leute besteht vermutlich aus Multi-accounts irgendwelcher Parteien oder gestörten mit Missionarsdrang.

Ich z.B. hab auch 3 Accounts, wenn ich mal richtig richtig grantig werde und mich alle rotstricheln!

Peter Pichler
 
12
18.7.2011, 11:31
Es steht Google frei wem sie zu welchen Bedingungen welchen Dienst anbieten...

... wenn die Angabe und Veröffentlichung des Namens Voraussetzung für ein Service ist, dann muss man sich überlegen, ob man das will oder nicht.

... ich bin bei keinen sozialien Netzwerken...

Ich habe sowohl bei Google als auch bei Facebook den Eindruck, dass sich die Unternehmen zu wenig um die Privatsphäre Ihrer NutzerInnen kümmern. Es gibt derzeit halt viele, denen Features wichtiger sind. Nachdem das Kriminal gerade das Netz entdeckt, wird sich das aber ändern...

Manche Funktionen sozialer Netzwerke gehen mir aber ab. Ich würde mir einen Dienst wünschen, der mit ambitioniertem Privatsphärenschutz Vertrauen aufbaut.

Naeich
 
01
18.7.2011, 17:01
Diese Erinnerung ist "unnoetig"

denn natuerlich ist jedem klar dass Google so wie Facebook seine eigenen Regeln (im Rahmen der Gesetze natuerlich) aufstellen kann und fast beliebig willkuerlich damit umgehen kann.
Dennoch kann man jedes Unternehmen genau dafuer kritisieren und darauf hinweisen, dass solche Regelen kontraproduktiv sind oder die User vergraemen ... oder zumindest jene User vergraemen, die man vielleicht auch als Kunden genwinnen will.

Andrian Susu
21
18.7.2011, 12:00
verkehrte welt!

bei google steht es dem unternehmen frei alles zu tun, wie sie es wollen und bei apple ist immer alles die weltverschwörung.

es steht allen firmen frei die nutzungsbedingungen für ihre geräte, programme, dienste frei festzulegen. die aufnahme bei den leuten hier ist aber total verschoben. die einen wollen an die privaten daten ran um an der werbung und den profilen zu verdienen, die andren sperren raubkopierer und konkurrenz aus und verlangen geld für programme, musik und filme – google gut, apple böse???

derzensierte.at
00
18.7.2011, 12:41
verkehrtes thema!

themenverfehlung?!
es geht um soziale netzwerke und deren umgang mit pseudonymen. wie man da einen bezug zu apple herstellen kann, entzieht sich meinem verständnis.

Herman Toothrot
02
18.7.2011, 12:13

es geht grad gar nicht um apple.

Mathias
 
00
18.7.2011, 13:55
.. das muß wohl ein Beissreflex sein ...

Michael Bakunin
14
18.7.2011, 11:20

Es würde mir nie im Leben einfallen, ein Profil mit echten Namen anzulegen. Nicknamen und Pseudonyme sollten der Normalfall im Internet sein.
Alle, die ihre Echtnamen angeben, haben sich noch nie mit den Mechanismen des Internet und des Datenmissbrauhs befasst.
Google und Facebook gründen ihre Milliardenvermögen auf diese Naivität von millionen von (meist jungen) Usern.
Kinder, denkt ein bisserl nach!

asdf 1234
00
19.7.2011, 13:10
dann werden sie sich aber auch nie auf foren

vonn nzz.ch oder tagesanzeiger.ch anmelden können:-))

und wenn sie mir jetzt sagen wollen, dass dies in der schweiz zeitungen sind, wie bei uns die krone oder in deutschland die bild, dann schauen sie besser niemals auf deren HP;-))

Michael Bakunin
00
19.7.2011, 15:02

So, ich hab mich jetzt gerade auf nzz.ch völlig mit einem Pseudonym registriert. Auf tagesanzeiger.ch habe ich keinen Login-Link gefunden.
Also warum sollte das nicht funktionieren? Man kann sich immer mit einem Pseudonym registrieren, da ja kein Betreiber einer Website kontrollieren kann, wer der User wirklich ist.

Naeich
 
00
18.7.2011, 17:04
Wieso?

Ich verstehe, dass manche Pseudonyme verwenden wollen, aber genausogut kann es sinnvoll sein, seinen echten Namen zu verwenden: wer nur sinnvolles, wertvolles postet statt Frust abzulassen und damit eine Leserschaft aufbaut kann ja auch als Realperson davon profitieren, und das versuchen ja zB nicht wenige Redakteure, Journalisten, Fotografen und andere in Facebook und nun eben auch in Google Plus.

Michael Bakunin
00
18.7.2011, 17:17

ja, in diesen fällen ist es ja bewusst in kauf genommen. aber all die anderen millionen, die ohne zu denken alles unter ihrem realen namen veröffentlichen, denken überhaupt nicht nach, was das für folgen haben kann.

sixela
51
18.7.2011, 12:22

Man muss nur wissen, was man wo tut. Auf Facebook und Google+ den real namen zu verwenden bzw. laut Nutzungsbedingungen verwenden zu müssen, und dazu zu stehen, was man mitteilt, halte ich für richtig und legitim. Ansonsten werden die sozialen Netzwerke - so wie anonyme Foren - reine Beschimpfungsorgane. Facebook ist da leider eh sehr schleissig geworden.

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