USA gewann das Finale vor 20.000 Zuschauern gegen Kanada. Die WM hat dazu beigetragen, Football in Österreich weiterzuentwickeln
Wien - American Football ist in Österreich angekommen, das hat die
Heim-WM bewiesen. 20.000 Zuschauer sorgten beim Finale am Samstagabend
im Ernst-Happel-Stadion für die größte Zuschauerkulisse für den Sport
in Österreich. Die WM soll den Sport auf einen neuen Level heben. "Die
Leute wissen jetzt, dass es uns gibt", sagt Michael Eschlböck, der
Präsident des Österreichischen Football-Verbandes (AFBÖ).
Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, die Scheu vor dem komplexen
Regelwerk abzulegen. "Die Leute sind dem Football nähergekommen, sie
verstehen ihn besser", meinte Eschlböck, der auch als
WM-Organisationschef fungiert hatte. "Wenn wir nur einen kleinen
Prozentsatz davon mitnehmen, ist das großartig. Das ist ein kleiner
Durchbruch auf den nächsten Level." Zu Ligaspielen der Topklubs kommen
in Österreich im Schnitt knapp 3000 Fans. 70.000 waren es bei den
insgesamt 16 WM-Spielen.
Vorbild NFL
Ein Problem könnte laut Eschlböck die relativ lange Pause in den
kommenden Monaten sein. Die nächsten Spiele der Austrian Football League
(AFL) folgen erst im Frühjahr. Die Saison bis nach der WM auszuweiten
sei allerdings unmöglich gewesen. Die Spieler sind Amateure, haben ihren
Urlaub schon für die WM aufgebraucht. "Abgesehen davon sind sie
körperlich am Ende."
Daher muss in den kommenden Monaten wieder das große Vorbild
herhalten,
die US-Profiliga NFL - sofern sich diese bis zum Saisonstart im
September aus ihren Tarifstreitigkeiten (Lockout) befreien kann. Die NFL
verfügt in Österreich mittlerweile über eine signifikante Fanbasis.
Nachhaltige Entwicklung sei von Anfang an ein übergeordnetes Ziel
gewesen, unter dem die WM in den vergangenen zwei Jahren geplant worden
war. "Es ist uns vieles gelungen. Wir haben die Leute erreicht", sagte
Eschlböck. Der Handball etwa hätte nach der Heim-EM im Jänner 2010 einen
deutlichen Anstieg beim Nachwuchs verzeichnet. Ähnliches erhofft sicher
der AFBÖ, veranstaltet daher am 23. September in allen Bundesländern
Probetrainings für Interessierte.
"Die Organisation war praktisch perfekt"
Lob für die vierte WM der Geschichte gab es auch vom Weltverband
(IFAF).
"Die Organisation war praktisch perfekt. Der nächste Veranstalter steht
ziemlich unter Druck", meinte Präsident Tommy Wiking, der Weltmeister
USA gemeinsam mit Sportminister Norbert Darabos die Trophäe überreicht
hatte.
Bei der WM 2015 dürfte das Starterfeld von acht auf zwölf Teams
vergrößert werden. "Wir sind noch nicht dort, wo die Fifa ist", sagt
Wiking und legt sich die Latte wohl unerreichbar hoch hinauf. "Aber dort
wollen wir hinkommen."
Österreichs Team schaffte nach drei verlorenen Gruppenspielen zum
Abschluss ein 48:10 gegen den Prügelknaben Australien und damit Rang
sieben. Teamchef Rick Rhoades, der auch den Trainer der Graz Giants
macht: "Wenn wir weiter gut arbeiten, liegt eine große Zukunft vor uns."
Ob mit oder ohne den 64-jährigen US-Amerikaner, ist offen. Rhoades würde
ganz gerne weitermachen. Der Verband hat sich aber noch nicht
deklariert. Es gibt jedenfalls überhaupt keine Eile. Das nächste
Großereignis steht erst 2014 mit der EM an, die gleichzeitig als
Qualifikation für die WM 2015 dient. (APA, red, DER STANDARD Printausgabe, 18. Juli 2011)