Nicht viel fragen, Krake sagen

Gastkommentar
16. Juli 2011, 10:28

Wer über Google berichtet, neigt zu überzogenen Vorwürfen. So wie einst einer der emsigsten Kritiker des Suchmaschinenkonzerns: Rupert Murdoch

In dieser Woche konnte man wieder einmal die Genese einer im deutschsprachigen Raum gerne gepflegten journalistischen Textsorte beobachten. Es handelte sich dabei um einen sogenannten Huch-die-böse-Datenkrake-Google-Text. Dessen Eckpfeiler lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: In einem amerikanischen Journal wird über Interna und Entwicklungen des Suchmaschinenkonzerns Google berichet (in diesem Falle war's AdAge). Ein für ein deutschsprachiges Medium tätiger Journalist entdeckt darin Schlagworte, die in das Raster Datenkrake, Datenmissbrauch und Hysterie passen (in diesem Fall im Zusammenhang mit der Entwicklung ausgeklügelter Datenaggregation, um - auch von Medienorganistionen auf ihren Websites gerne genutztes - anonymisiertes Targeting zu verbessern). Und daraus entsteht dann ein tendenziöser Artikel, der verkündet, Google plane im großen Stil den Verkauf persönlicher Daten (in diesem Fall etwa in der "Süddeutschen" zu lesen).

Übers Ziel hinausgeschossen

Google tut das aber gar nicht, wie Thomas Knüwer hier erklärt. Schließlich wäre das eine tatsächliche Zumutung für jeden Kunden und ein Knieschuss für einen Konzern, der im Quartal 9 Milliarden Dollar brutto umsetzt - aber hey, ist die Steilthese mal draußen, lässt sich nichts mehr machen. Und ist Datenschutz nicht ein solch wichtiges Thema unserer Zeit, dass man nicht auch einmal mit einem weiteren Huch-die-böse-Datenkrake-Google-Text übers Ziel hinausschießen kann? Im Sinne einer Sensibilisierung der Öffentlichkeit vielleicht?

Hm. Sagen wir mal so: Google ist das geringste Übel.

Eine pervertierte Medienindustrie, in der Rücktritte wie der von Rebekah Brooks eine ganze Woche dauern - das ist ein Übel. Gekennzeichnet von systematischer Korruption und Niedertracht, um die Geschäfte anzukurbeln. Inklusive Missachtung von Daten- und Opferschutz. Und mit einer Handvoll strafrelevanter Tatbestände mehr.

Murdoch+

Nun haben Google und die Vorgänge um Rupert Murdochs News Corporation auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun. Google ist trotz vieler Huch-die-böse-Datenkrake-Google-Texte über alle oben genannten Vorwürfe erhaben. Aber, und das ist eine besonders schöne Ironie der Geschichte: Die Vorwürfe könnten nun gerade jenem zum Verhängnis werden, der dem Suchmaschinenkonzern früher am liebsten die Pest an den Hals gewünscht hätte: Murdoch. (derStandard.at, 16.7.2011)

Als prototypischer Stellvertreter einer überalterten Medienindustrie hat er sich neuen Realitäten der Mediennutzung konsequent verweigert. Doch seinen Titeln erwuchsen sie trotzdem zur Konkurrenz - so sehr, dass er verbrecherische Recherchemethoden billigte, um die Leser doch noch irgendwie zu halten.

Wäre so eine Verlotterung der Sitten bei einem Konzern wie Google denkbar, fragte Jeff Jarvis kürzlich auf Google+. Es war natürlich eine rhetorische Frage, denn dazu müssten vorher die in zahlreichen Huch-die-böse-Datenkrake-Google-Texten dokumentierten Missetaten bewiesen werden. Und das wird sich nicht einmal mit den Methoden von Murdochs Mitarbeitern ausgehen.

Autor

Eberhard Lauth, The European, der Journalist arbeitete viele Jahre als freier Autor und in den Chefredaktionen der Magazine "WIENER" und "Seitenblicke". 2009 gründete er das Meinungsmagazin ZiB21

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11 Postings
Jo, eh!

Dein Android hendi is eh super...

Google ist eine Sache. Der Patriot-Act und das damit einhergehende Recht amerikanischer Geheimdienste auf alle möglichen Daten Googles zugreifen zu dürfen ist eine andere...

Was ich auch gerne wüsste:
Was Google-Vertreter bei Bilderberg-Treffen so besprechen...

Ein Hoch auf all die unabhängigen "Journalisten" dieser Erde. Lobbyisten für die Massen.

Google ist trotz vieler Huch-die-böse-Datenkrake-Google-Texte über alle oben genannten Vorwürfe erhaben.

WTF?

ausgerechnet Murdoch, hehe, der war gut...

bester artikel ueber google

der bis jetzt in einer deutschsprachigen zeitung geschrieben wurde

bester kommentar ueber einen artikel ueber google

der bis jetzt im forum einer deutschsprachigen zeitung geschrieben wurde

brillant!

Google könnte sich so einen Skandal nie im Leben leisten. Wenn herauskommen würde, dass die Daten der User missbraucht werden, dann ist Google weg vom Fenster.

genau wie bei

facebook ;O)

Auch die verkaufen keine Datensätze.

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