Ferien mit Sinn und "kein Sommersplash"

15. Juli 2011, 20:12
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Eigentlich sollte das Ferienheim am Wörthersee stehen - Doch dort waren bedürftige Kinder unerwünscht - Am Wolfgangsee wurde der soziale Verein "Ferienhort" fündig - Seit 100 Jahren gibt es jetzt die Sommercamps

St. Wolfgang / Ried - "Unsere Gründungsväter würden sich nicht im Grabe umdrehen", erklärt Martin Marek. Der Wiener Lungenfacharzt Leopold Schrötter und seine Stammtischrunde "grüne Insel" riefen am 21. Februar 1888 einen sozial ausgerichteten und überparteilichen Verein ins Leben: den "Ferienhort für bedürftige und würdige Gymnasialschüler" aus Wien. Direktoren von Schulen suchten Kinder sozial schwächerer Familien aus, die auf Sommerfrische geschickt werden sollten. Auch heute noch steht der soziale Gedanke im Vordergrund. "Kein Kind soll aus finanziellen Gründen von der Teilnahme an unseren Camps ausgeschlossen bleiben", heißt es auf der Homepage des gemeinnützigen Vereins. Das heißt, es werden nicht nur Ermäßigungen gewährt, in besonderen Fällen sei auch die komplette Kostenübernahme möglich.

Anfangs wurden die Ferienaktionen an unterschiedlichen Orten der k. u. k. Monarchie organisiert. Die Nachfrage stieg von Jahr zu Jahr, sodass sich der Verein schnell auf die Suche nach einem eigenen Ferienheim machte - und wurde am Wörthersee fündig. Für 375.000 Kronen erwarb der Verein das Grundstück mit dem Schloss am Wörthersee.

Doch die Kärntner hatten keine Freude mit der Vorstellung, dass dort jeden Sommer lärmende Kinder urlauben. Deshalb kauften sie dem Verein den Grund ab. Mit dem Geld erwarb er dann den "Frauenstein am Wolfgangsee", ein Grundstück mit etwa 40 Hektar Wald und Wiesen sowie rund zwei Kilometern Seeufer. Es wurde ein Hauptgebäude samt Festsaal errichtet. Seit dem Jahr 1911 können jedes Jahr hunderte Jugendliche dort ihre Sommerferien verbringen. Am Samstag, 16. Juli, feiert der "Ferienhort am Wolfgangsee" sein 100-jähriges Bestehen.

Neben dem sozialen Gedanken setzt der Verein noch einen weiteren Schwerpunkt. "Wir machen kein Sommersplash, sondern bieten wertorientierte Ferien an", erklärt Marek. Jugendliche sollen Gemeinschaft erleben, Verantwortung übernehmen und Teamfähigkeit erlernen. Das geschieht etwa beim Klettern oder Rudern. In diesem Sommer kommen 1200 Jugendliche zu den verschiedenen Camps.

Finanziert wird der Verein aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden, Sponsorzahlungen und Subventionen der öffentlichen Hand. Eine weitere Einnahmequelle ist das Verpachten der Liegenschaft während des Schuljahres an die HLW Ried. "Dadurch sind wir lebensfähig", sagt Marek. Hinzu kommt noch, dass die Mitarbeiter ehrenamtlich tätig sind. (Kerstin Scheller, STANDARD-Printausgabe, 16./17.7.2011)

  • Rechtzeitig zum 100-Jahr-Jubiläum wurde die Generalsanierung des Hauptgebäudes des "Ferienhortes" am Wolfgangsee fertig. 1200 Jugendliche haben sich diesen Sommer zu Camps angemeldet.
    foto: ferienhort, matthias hauer

    Rechtzeitig zum 100-Jahr-Jubiläum wurde die Generalsanierung des Hauptgebäudes des "Ferienhortes" am Wolfgangsee fertig. 1200 Jugendliche haben sich diesen Sommer zu Camps angemeldet.

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